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Kühlungsborn Wahlleiter ist selbst ein Erstwähler
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Wahlleiter ist selbst ein Erstwähler
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03:35 04.09.2013
Bürgermeister Rainer Karl (l.) und Wahlleiter Philipp Reimer wünschen sich eine hohe Wahlbeteiligung. Sie verweisen auf die Briefwahl — für jene, die am 22. September nicht zur Wahl gehen können. Quelle: Lutz Werner
Kühlungsborn

Philipp Reimer ist mit seinen 21 Jahren der jüngste Wahlleiter im Land MV. Davon ist jedenfalls sein Chef, Bürgermeister Rainer Karl (parteilos), überzeugt. „Ich kenne keinen jüngeren. Wer einen hat, soll sich melden“, sagt er. Und als Philipp Reimer nach Lehrgang und Praktikum im Rathaus der Hansestadt Rostock im vergangenen Jahr als 20-Jähriger zum Standesbeamten bestellt wurde, war man sich im Kühlungsborner Rathaus sicher, zumindestens für eine Zeit lang den jüngsten Standesbeamten in Deutschland zu haben. „Ich habe das nie recherchiert. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass dies so war oder noch ist, ist hoch“, sagt der junge Verwaltungsfachangestellte.

Vor Reimer liegt jetzt die erste große Herausforderung in seinem noch jungen Berufsleben. Er wurde am 1. Juni dieses Jahres Nachfolger von Hans Meyer (65), der im Rathaus alles bearbeitete, was mit Stadtvertretung und Hauptausschuss zu tun hat. Und für die Vorbereitung, Durchführung und vor allem für die zügige Auszählung sowie statistische Aufbereitung jeder Wahl seit der Wende im Kühlungsborner Rathaus zuständig war.

„Eine Bundestagswahl, auch wenn sie mit der Wahl des Landrats verbunden ist, ist von ihren technisch-organisatorischen Anforderungen nicht so aufwendig wie die Wahl der Stadtvertretung und des Europa-Parlaments an einem Wahl-Sonntag im kommenden Jahr. Aber jede Wahl hat Ecken und Kanten. Für Philipp Reimer wird der 22. September ein guter Einstieg werden“, sagt der Bürgermeister.

Reimer hat als Jugendlicher bereits Stadtvertretung und Kreistag gewählt. Bei der Wahl zum Deutschen Bundestag gibt Kühlungsborns 21-jähriger Wahlleiter aber zum ersten Mal seine Stimme ab.

Im Briefwahllokal — das sind Philipp Reimers Büro und das Vorzimmer — ist eigentlich schon 22. September. Denn die Briefwahl ist seit ein paar Tagen voll angelaufen. Gut 6500 Wahlberechtigte gibt es in Kühlungsborn für die Wahl zum Bundestag, ca. 200 mehr — Jugendliche ab 16 Jahren — können sich an der Wahl zum Landrat beteiligen. „Rund 200 Wähler haben bereits per Briefwahl abgestimmt. Und es werden immer mehr. 800 bis 1000 Briefwähler könnten es werden“, sagt Reimer und öffnet die Tür zum Vorzimmer, wo weitere Kühlungsborner die Briefwahlunterlagen in Empfang nehmen. Der Wahl-Tag fällt auf einen Sonntag an der Wende vom Spätsommer zum Frühherbst. „Eine sehr beliebte Urlaubszeit. Das merken wir beim Ansturm auf die Briefwahlunterlagen“, sagt Reimer. Vor der Aufgabe als Wahlleiter habe er Respekt, „aber bisher hat alles gut geklappt und ich bin auch mit Wahl-erprobten Kollegen beispielsweise im Doberaner und im Neubukower Rathaus im Kontakt“, fügt er hinzu.

Philipp Reimer, ein Kühlungsborner Junge und aktiver FSV-Fußballer, beendete im Rathaus des Ostseebades im Sommer 2011 seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Danach sammelte er Erfahrungen im Einwohnermeldeamt, Standesamt und auf den Straßen Kühlungsborns bei der Kontrolle des ruhenden Verkehrs. Bis Hans Meyer in Rente ging und die Festanstellung folgte.

Als Standesbeamter hat er seit dem vergangenen September bereits mehr als 50 Paare getraut. Ist es nicht ein wenig eigenartig, als 20- und jetzt 21-Jähriger Menschen zu trauen, die fast immer älter, oft auch bedeutend älter sind? Ältere Heiratswillige würden im Vorgespräch zunächst oft erstaunt reagieren, bei jüngeren Leuten ließe sich aber schnell ein Vertrauensverhältnis aufbauen, so Reimers Erfahrungen. „Ich versuche, meine Rede immer so individuell wie möglich zu gestalten. Standesbeamtin Ilona Buchwald, die schon sehr lange im Rathaus Trauungen durchführt, hat mir auch sehr geholfen“, sagt er. Die Standesbeamten im Kühlungsborner Rathaus haben übrigens gut zu tun — vor allem in der wärmeren Jahreszeit. Denn Kühlungsborn ist als Ort für den Heirats-Tourismus sehr beliebt. Durchschnittlich 200 Hochzeiten gibt es im Jahr im Rathaus. 60 bis 70 Prozent entfallen dabei auf Heiratswillige von außerhalb.

Generationswechsel
35 Mitarbeiter hat die Stadtverwaltung des Ostseebades Kühlungsborn. Zehn Bedienstete sind in den vergangenen zwei Jahren in den Ruhestand gegangen, zwei weitere werden bis Jahresende folgen. Bei den Neueinstellungen wurde auf einen Alters-Mix geachtet. Die Neuen reichen altersmäßig von den 20- bis 40-Jährigen.

44,3 Jahre beträgt der Altersdurchschnitt derzeit im Kühlungsborner Rathaus.

Bei den Amtsleitern wird dieser Generationswechsel besonders gut erkennbar. Peggy Westphal übernahm das Bauamt von Wolfgang Stange im vergangenen Jahr als 33-Jährige. Kämmerer Dirk Lahser (37) ist seit dem 1. August Nachfolger von Jeane Wohlschlegel, die am vergangenen Freitag verabschiedet wurde.

Lutz Werner

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