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Kühlungsborn Warnemünde — Tor zur German Riviera
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Warnemünde — Tor zur German Riviera
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03:48 29.08.2013
German Riviera — das klingt im deutschen Sprachgebrauch seltsam. Als internationaler touristischer Marken-Name für die hiesige Region kommt der Begriff jedoch an, weiß Albrecht Kurbjuhn und zeigt mit Tochter Sarah, was zur German Riviera gehört. Quelle: Lutz Werner

Kühlungsborn — Hotelier Albrecht Kurbjuhn (54) ist der Vorsitzende der Marketing-Kooperation German Riviera. Er fordert, dass vom Land, dem Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern (TMV) und den Tourismus-Orten viel mehr dafür getan werden muss, Gäste aus dem Ausland für Urlaub in MV zu gewinnen.

OSTSEE-ZEITUNG: Als das Wirtschaftsministerium und der TMV vor ein paar Tagen die touristische Halbjahres-Bilanz 2013 präsentierten und sehr optimistisch in das zweite Halbjahr schauten, sahen Sie nicht fröhlich aus. Warum?

Albrecht Kurbjuhn: Mecklenburg-Vorpommern verharrt seit Jahren bei der sicher großen Zahl von 28 Millionen Gäste-Übernachtungen. Aber es sind viele Betten-Kapazitäten dazugekommen. Die Auslastung der Betriebe, übers Jahr gesehen, sinkt, weil die einzelnen Stücke, die sie vom Kuchen bekommen, immer kleiner werden.

OZ: Wie kann die Tourismus-Wirtschaft in MV noch mehr Gäste gewinnen?

Kurbjuhn: Es geht um die Saisonverlängerung vor und nach den Sommer-Monaten, die fast ein Selbstläufer sind. 30 Tage mehr eine gute Auslastung — und wir wären locker bei 30 Millionen Übernachtungen im Jahr. Eine potenzielle Gästegruppe ist uns räumlich ganz nah, wartet eigentlich nur darauf, zu uns geführt zu werden. Gäste aus den Großräumen Kopenhagen und Malmö sind dank der kurzen und komfortablen Fährverbindung in vier Stunden bei uns. Das ist die ideale Gäste-Gruppe für Kurzurlaub im Frühling oder Herbst mit viel Wellness, Kultur, Naturerlebnissen und kulinarischen Events.

OZ: Die Schweden und Dänen haben doch selbst genug Meer und Strand. Was soll sie veranlassen, bei uns Urlaub zu machen?

Kurbjuhn: Wir — und damit meine ich besonders Kühlungsborn und Warnemünde — haben ein exzellentes touristisches Produkt zum fairen Preis, das für Gäste aus diesen Hochpreis-Ländern sogar günstig ist. Nur — das ist dort kaum bekannt. Das zu ändern — daran müssen wir arbeiten. Ganz schnell.

OZ: Was tut German Riviera dafür?

Kurbjuhn: Wir haben einen Kooperationsvertrag mit der Reederei Scandlines. Auf den Fähren, die zwischen Warnemünde und Gedser sowie zwischen Puttgarden und Rødby verkehren, wird für Urlaub an unserer Küste geworben. Es gibt eine Kooperation mit dem Verband Mecklenburgischer Ostseebäder (VMO), den wir im Auslandsmarketing unterstützen. Wir haben einen Katalog in dänischer Sprache herausgebracht und werden gemeinsam mit Partnern wieder auf großen Reise-Messen in Herning in Dänemark und Malmö in Südschweden werben. In Kühlungsborn ist die Zusammenarbeit mit dem zentralen touristischen Dienstleister, der Touristik Service Kühlungsborn GmbH, sehr gut. Andernorts gibt es noch Reserven.

OZ: Wie groß ist der Anteil der ausländischen Gäste in MV eigentlich?

Kurbjuhn: Mit 3 Prozent verschwindend gering und dieser Zustand stagniert seit Jahren. Und die Ausländer bleiben auch nicht lange — durchschnittlich nur 2,7 Tage je Aufenthalt. Besser — mit zweistelligen Prozentzahlen — sieht es lediglich in Stralsund und Wismar mit ihrer schwedischen Geschichte und in Rostock aus, wo der wohl schönste Weihnachtsmarkt an der ganzen Ostseeküste ein Magnet ist, der im Winter unwiderstehlich zieht.

OZ: Was kann im Auslandsmarketing verbessert werden?

Kurbjuhn: Wir sollten das Naheliegende tun. Kühlungsborn und Warnemünde, die viel gemeinsam haben, den Gästen aber auch sehr Unterschiedliches bieten, sollten dabei zusammengehen. Ein Beispiel sind die Kreuzfahrtschiffe. Für deren Gäste ist Warnemünde das Tor nach Berlin. Von Warnemünde, ganz zu schweigen von Bad Doberan, Heiligendamm und Kühlungsborn, sehen sie nur wenig.

Warnemünde muss auch das Tor zur German Riviera werden. Damit Kreuzfahrt-Touristen später als Übernachtungsurlauber wiederkommen — an die German Riviera.

Marketing-Kooperation
2007 gründeten Hoteliers und touristische Dienstleister in der Region um Kühlungsborn die Initiative Internationaler Tourismus mit dem Ziel, mehr ausländische Gäste zu gewinnen: durch Auslands- und Event-Marketing und Bildungsangebote für die einheimische Tourismus-Branche.

German Riviera — so heißt die Marketing-Kooperation, der inzwischen 20 Mitglieder angehören, seit dem Jahr 2010. Auch Warnemünde wurde ins Boot geholt. Den Begriff „German Riviera“

ließ sich die Marketing-Kooperation als touristischen Marken-Namen für die Region zwischen Warnemünde und Wismar patentieren.

Interview von Lutz Werner