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Kühlungsborn Wattwürmer: Das Geschäft boomt
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Wattwürmer: Das Geschäft boomt
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02:24 21.11.2013
Bei Jonas Schoknecht im Angelturm in Wittenbeck sind die Würmer eine begehrte Ware. Wie überall in den Angel-Läden an der Küste.
Rerik

Rund 2500 Wattwürmer gehen in diesen Tagen in der Woche in „Schote‘s Angelturm“ in Wittenbeck über den Tresen. Im Oktober, wenn die Saison der Brandungsangler auf dem Höhepunkt ist, sind es gar 4000 und mehr. „Das reicht bei uns längst nicht“, war aus dem Angel-Fachgeschäft „Wattwurm“ in Rerik zu erfahren. Und Martin Heuser, der Geschäftsführer von „Fisherman‘s Partner“ auf dem Doberaner Kammerhof, kann mit noch größeren Zahlen beeindrucken: „In einer guten Woche verkaufe ich rund 10 000 Würmer“. Das Geschäft mit dem begehrten Köder für das Angeln in der Brandung auf Dorsch und Plattfisch boomt. Das wird auch noch bis zum Einsetzen von Dauerfrost so weitergehen. Dann wird es selbst hartgesottenen Brandungsanglern zu ungemütlich.

Besonders am Freitag und Sonnabend sei die Nachfrage sehr groß, war in den Geschäften zu erfahren. Doch auch gestern, mitten in der Woche, hatten die Händler gut zu tun. Martin Heuser rechnete damit, dass er am Ende des Tages rund 2000 Würmer verkauft haben würde, gegen Mittag warteten noch rund 1200 Köder auf die Angler, die vorbestellt hatten. Bei Jonas Schoknecht im Angelturm schauten gegen 10 Uhr drei Zwickauer vorbei, um sich mit Ködern einzudecken. Die drei Sachsen freuten sich darüber, dass in ihrem Land — als einzigem in Deutschland — der Buß- und Bettag noch ein Feiertag ist. „Das spart einen Tag Urlaub“, war von ihnen zu hören.

Die Petrijünger lassen sich ihr Hobby was kosten: Die Ausrüstung kostet oft einige Tausend Euro und sie fahren weite Wege, kommen bis aus Hamburg, Berlin, Brandenburg und Mitteldeutschland. Und auch die begehrten Wattwürmer haben ihren Preis. Martin Heuser nimmt 25 Cent für das Stück, bei Jonas Schoknecht kosten sie 23 Cent und der Reriker „Wattwurm“ liegt dazwischen: Basispreis 25 Cent, ab 50 Stück gibt es einen Mengenrabatt von 2 Cent je Wurm. 50 Würmer — so viel kauft fast jeder Angler für einen Gang in der Brandung. Sehr oft jedoch viel mehr.

„Das große Geld verdienen wir damit aber nicht“, erklärt Martin Heuser vom Doberaner Kammerhof. Händler Rainer Hannemann aus Wismar, der die Geschäfte entlang der Küste bis nach Rostock versorgt, nimmt 17 Cent pro Wurm. 10 bis 15 Prozent seien Schwund. „Allein Wattwürmer zu verkaufen — das reicht nicht. Aber es ist ein Service für unsere Kunden, der sie an das Geschäft bindet. So schauen sie immer wieder rein.“

Die Würmer, die von den Anglern in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gekauft werden, werden von zwei holländischen Spül-Schiffen vor der Insel Texel im Wattenmeer gewonnen und gelangen über Großhändler in Hamburg und am Nordlandkai in Lübeck über Zwischenhändler wie Hannemann in die Angelgeschäfte an der Küste.

Ausgeliefert werden die lebenden Würmer in flachen, mit Wasser und etwas Schlick gefüllten Styropor-Kisten — immer 400 in einem Behälter. „Der Umgang mit der lebenden Fracht ist schon etwas aufwendig“, erklärt Jonas Schoknecht. Die Kisten werden in einer Kühlzelle oder großem Kühlschrank bei etwa vier Grad gelagert. Das Wasser muss jeden Tag gewechselt werden. „Salzwasser, das wir mit dem Salzgehalt des Wattenmeeres anmischen“, sagt Schoknecht. So könnten die Tiere bis zu einer Woche lebend gehalten werden. Was aber nur selten erforderlich ist. Denn bei der großen Nachfrage komme Händler Hannemann wenigstens zwei Mal in der Woche mit Nachschub vorbei.

Preise für den Köder-Wurm sind explodiert
40 Zentimeter — so lang könne Wattwürmer werden. Und bis zu 50 Gramm auf die Waage bringen. Die als Angelköder verkauften Würmer, die im Wattenmeer der Nordsee auf immer wieder erneut bewirtschafteten Flächen gewonnen werden, sind allerdings bedeutend kleiner — auch der Handhabbarkeit wegen.

23 bis 25 Cent kostet ein Wattwurm in den Angel-Läden zwischen Wismar und Rostock im Durchschnitt. Auf dem Fischland-Darß werden bis zu 30 Cent genommen. Vor 18 Jahren, als der Doberaner Martin Heuser mit dem Wurm-Handel begann, waren es noch 20 Pfennige. Und 1991 musste der Angler dafür nur 15 Pfennige hinlegen.

Lutz Werner