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Kühlungsborn Wustrow: Wo bedrohtes Leben sicher ist
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Wustrow: Wo bedrohtes Leben sicher ist
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02:24 04.04.2014
Die Halbinsel Wustrow erstreckt sich auf einer Länge von insgesamt 11,2 Kilometern westlich von Rerik. Sie trennt das Salzhaff von der Ostsee und ist Lebensraum vieler bedrohter Arten. Quelle: Aufwind-Luftbilder

Dr. Klaus Große hat ein Buch geschrieben: „Wustrow — Das Paradies in der Warteschleife“, so lautet der Titel. „Gedacht auch als Entscheidungshilfe für die Politik, diese einzigartige, unberührte Naturlandschaft zu erhalten und Pläne aufzugeben, dort für touristische Zwecke zu bauen“, sagt der 76-jährige Reriker.

Die Halbinsel Wustrow bei Rerik wurde von der Natur zurückerobert. Jahrzehntelang — bis 1994 — war sie ein von der normalen Besiedlung abgeschnittener Militärstandort der Sowjetarmee. Danach wurde sie Privatbesitz — „Betreten verboten!“. Zu einer ursprünglich geplanten Bebauung des vorderen Teils nahe Rerik kam es nie.

„27 Vogelarten, die auf der ,Roten Liste‘ stehen, haben auf der Halbinsel Wustrow ein Refugium gefunden. Und 40 Pflanzen, die ebenfalls in der Liste der bedrohten Arten der Weltnaturschutz-Union geführt werden. In einem unberührten Biotop, das wieder zur Wildnis wurde. Das ist etwas ganz Besonderes“, sagt Klaus Große. Und erzählt von Seeadlern, Uhus, Meerkohl, der Strand-Diestel und Blasentang. Er ist seit vielen Jahren als ehrenamtlicher Naturschützer im Auftrag des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie auf der Halbinsel unterwegs. Beobachtet die Tier- und Pflanzenwelt, dokumentiert die Bestandsentwicklung, schreibt darüber Berichte für das Amt und wissenschaftliche Veröffentlichungen. Aber Große kennt die Halbinsel schon seit den 1970er Jahren. Als er als Tierarzt auch in das militärische Sperrgebiet gerufen wurde, um die Hausschweine der Russen, die zum Teil Selbstversorger waren, zu impfen und nach dem Schlachten zu begutachten.

„Das Buch ist sicher ein Spagat. Ich habe versucht, interessante Geschichten und Episoden über die Halbinsel aufzuschreiben. Die Menschen auf dieses Stück Erde neugierig zu machen. Aber auch wissenschaftlich dokumentiert, wie großartig der Bestand an Tieren und Pflanzen auf der Halbinsel ist“, sagt der Autor. Er weiß: „Eine Akzeptanz für den Naturschutz gibt es nur dort, wo die Menschen erleben, wie großartig unberührte Natur ist.“ Das sei jedoch mit der Halbinsel, die abgesehen vom Eigentümer und seinen Leuten, Jägern und wenigen Naturschützern niemand betreten darf, schwierig.

Daher habe er das Buch geschrieben, in dem er mit vielen informativen Texten und eindrucksvollen Fotos für den Erhalt dieser Naturlandschaft werben möchte.

Klaus Große weiß auch, dass der Eigentümer die Halbinsel gekauft hat, um Geld zu verdienen. „Das kann man heute auch mit dem Naturschutz — mit Emissionshandel, dem Ausweisen von Baumhabitaten und Totholz-Gebieten. Da gibt es viele Möglichkeiten“, sagt er. Große wünscht sich, dass die Naturlandschaft für die Menschen erlebbar wird — mit einem Informationszentrum auf dem Wustrower Hals, dem Zugang zur Halbinsel und behutsam ausgebauten Rad- und Wanderwegen. „Daran denke ich sehr oft“, sagt der Mann, der schon so viele Jahre für den Naturschutz auf der Halbinsel unterwegs ist.

Buch-Tipp: Dr. Klaus Große, Wustrow — Das Paradies in der Warteschleife, 19,90 Euro, Persimplex-Verlag.

ISBN: 978-3-86440-162-6

Zahlen und Fakten
11,2 Kilometer lang ist die Halbinsel Wustrow. Sieben Kilometer davon entfallen auf die eigentliche Halbinsel, 4,2 Kilometer auf die vorgelagerte Insel Kieler Ort. Die Halbinsel ist durchschnittlich 2,2 Kilometer breit — hat aber schmale Stellen. Die Fläche beträgt rund zehn Quadratkilometer.
1994 zogen die letzten Soldaten und Offiziere der Sowjetarmee von ihrem ehemaligen Militärstützpunkt ab. Seitdem ist die Halbinsel menschenleer.
1998 wurde Wustrow von der Jagdfeld-Gruppe gekauft. Zu einer baulichen Entwicklung kam es nicht.



Lutz Werner

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