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Erinnerungen an verlorene Schätze

Kühlungsborn Erinnerungen an verlorene Schätze

Kühlungsborner Atelierhauses „Rösler-Kröhnke“ zeigt ab kommenden Sonntag die Ausstellung „Verbrannte Bilder“.

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Im Archiv: Anka Kröhnke sichtet Arbeiten für die Ausstellung „Verbrannte Bilder“.

Quelle: Sabine Hügelland

Kühlungsborn. Während des Zweiten Weltkrieges ist viel Kultur verloren gegangen. Kunst wurde zerstört und kann der Welt heute nicht mehr gezeigt werden. So auch etwa 350

Arbeiten des Künstler-Ehepaars Walter Kröhnke und Louise Rösler, die am 22. und 23. November 1943 im Atelier in der Nettelbeckstraße 23 während der Luftangriffe auf Berlin verbrannten.

Sorgsam hoben erst die Mutter und dann Tochter Anka Kröhnke das unscheinbare Kästchen auf, in dem um die 150 Dias und einige schwarz-weiß Negative lagern — Fotografien von Walter Kröhnke, auf denen die verloren gegangenen Werke abgebildet sind. Zum zehnjährigen Bestehen des Kühlungsborner Museum Atelierhauses „Rösler-Kröhnke“ eröffnet hier am kommenden Sonntag um 15 Uhr die Ausstellung „Verbrannte Bilder, Walter Kröhnke (1903-1944) und Louise Rösler (1907-1993)“.

Zu sehen sind Dia-Abzüge und originale Malereien. Der Zustand der Dias war katastrophal. Sie konnten restauriert und in Anlehnung an die Farbigkeit der wenigen geretteten Werke wiederhergestellt werden — durch Wilfried Schröder, einen Kühlungsborner Bildhauer und Grafiker. „Wilfried Schröder hat das mit großem Verantwortungsgefühl und hoher Sensibilität gegenüber dem Werk meiner Eltern getan“, zeigt sich Anka Kröhnke dankbar. Über ein Jahr dauerte die intensive Zusammenarbeit.

„Auch in meiner Familie gab es große Verluste. Originalhefte des ,Simplicissimus‘, eine satirische Wochenzeitung, die sorgsam seit 1908 gesammelt wurden, Möbel, Zeichnungen und Malereien wurden Opfer der Kriegsflammen“, so Schröder. „Ich verstand und spürte, wie kostbar die Dias für Frau Kröhnke sind, die mit so viel Enthusiasmus den Familienkunstbesitz zusammenhält.“

Oftmals dauerte die Herstellung eines verblassten Dias am Computer mehr als zwei Stunden. Schröder dokumentierte seine Arbeit: „7.11. 2013: Nach der Bearbeitung des ersten Bildes ,Berliner Häuser‘

von Louise Rösler heute Fortsetzung mit Amerikabild, Rio de Janeiro und anderer, 17 Uhr bis 21.45 Uhr, 4,5 Stunden.“

In Schröders Tagebuch steht weiter: „Aber helfen zu retten, damit etwas entstehen kann, ist ein Dazugeben von mir, ein Mitmachen.“ Froh sei sie, sagt Anka Kröhnke, „dass er nie aufhörte, bis wir beide zufrieden waren. Das war eine wirkliche Meisterleistung.“

Wilfried Schröder ist durch seine eigenen künstlerische Arbeiten mit dem Programm Photoshop vertraut: „Aber Derartiges war auch für mich neu.“ Die Ausstellung „Verbrannte Bilder“ zeigt auch Originale, die von Freunden und Bekannten versteckt und dadurch gerettet wurden. „Der Wunsch, die Dias in Buchform zu retten, erschien aus Kostengründen für mich nicht realisierbar“, sagt Anka Kröhnke.

Mit Hilfe einer privaten Spende, der Unterstützung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kunst MV sowie des Vereins der Freunde des Atelierhauses wurde ihr Wunsch nun wahr. Zur Ausstellungseröffnung erscheint ein Buch mit 160 Abbildungen verbrannter Bilder und Fotografien der beiden Künstler. Zwei Jahre dauerte die Arbeit daran. Für Anka Kröhnke auch eine Zeit der Reflexion: „Leider weiß ich nicht viel über diese Zeitspanne. Meine Mutter wollte nie darüber sprechen, und ich habe mich nicht getraut, sie danach zu fragen.“

Walter Kröhnke wurde am 1. September 1939 zur Wehrmacht eingezogen. Seine Frau und Tochter Anka evakuierten 1943 nach Königsstein im Taunus. Anka Kröhnke hat Dokumente und auch Briefverkehr zwischen den Eltern in Vitrinen ausgestellt. Walter Kröhnke gilt seit dem 23. März 1944 als vermisst. „Verbrannte Bilder“ verbleibt bis Mitte April 2015 im Kühlungsborner Atelierhaus.

Drei Generationen
Drei rote Giebel am Rande eines kleinen Waldes weisen auf das Atelierhaus Rösler-Kröhnke in Kühlungsborn hin. Neben dem prachtvollen Garten steht ein moderner Bungalow für bis zu vier Personen. Von hier aus erschließt sich der Blick bis auf die Ostsee.



Das ehemalige Ausflugscafé erlaubt einen Einblick ins Schaffen von drei Generationen der Künstlerfamilie. Das Museum und Atelierhaus bietet eine kunstgeschichtliche Reise von etwa 1900 bis zur Gegenwart. Zwei Ausstellungen gibt es in jedem Jahr. In den vergangenen Jahren ist Anka Kröhnke dazu übergegangen, ihr Haus auch für zeitgenössische Gastkünstler zu öffnen.

 



Sabine Hügelland

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