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Tatra-Bahnen in Rostock: Nach 25 Jahren geht‘s in Ruhestand

Stadtmitte Tatra-Bahnen in Rostock: Nach 25 Jahren geht‘s in Ruhestand

Kurz vor ihrem Jubiläum könnten die historischen Bahnen ausgemustert werden. Die RSAG führt in diesem Jahr moderne Nachfolger ein.

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Die alten Tatra-Bahnen aus den frühen 1990er Jahren werden nicht mehr lange im Rostocker Stadtbild zu sehen sein.

Quelle: Ove Arscholl

Stadtmitte. Ende dieses Jahres ist es 25 Jahre her, dass die ersten Tatra-Straßenbahnen nach Rostock geliefert wurden. Zuvor waren zwanzig Jahre lang keine Neubaufahrzeuge in die Hansestadt gekommen. Es deutet aber vieles darauf hin, dass sie dieses Jubiläum nicht erreichen werden. Denn gegenwärtig werden wieder neue Niederflur-Bahnen in Betrieb genommen, die die Tatras überflüssig machen sollen.

Was kaum bekannt ist: Die Bahnen haben amerikanische Wurzeln. Während in der ehemaligen DDR zweiachsige Straßenbahnen noch bis 1966 und die ersten vierachsigen erst 1961/62 hergestellt wurden, verlief die Entwicklung in der Tschechoslowakei anders. Bereits 1951 wurde der erste vierachsige Straßenbahntriebwagen der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach dem Vergleich zwischen deutschen, schweizerischen und amerikanischen Straßenbahn-Typen war man auf den sogenannten PCC-Wagen aus den USA aufmerksam geworden. PCC bedeutet „President Conference Committee“. Am Ende des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts hatten amerikanische Straßenbahnverwaltungen den Einheitswagen entwickelt.

An der Produktion waren namhafte Firmen in den USA und Kanada beteiligt. In Europa bauten FIAT und belgische Firmen PCC- Lizenzbahnen; auch einige deutsche Duewag-Einheitswagen gehen auf diese Quelle zurück. Innerhalb des späteren Ostblocks wurde aus der Tschechoslowakei eine Lizenz erworben, das erste so entstandene Modell (Tatra T1 im Jahre 1951) wurde wiederum in Polen illegal nachgebaut.

Von den Bauarten T1 und T2 wurden zwischen 1951 und 1962 insgesamt 1058 Stück gebaut, die hauptsächlich in der Tschechoslowakei und der Sowjetunion eingesetzt waren. Eine Erfolgsstory, wie sie in der Geschichte bisher einmalig war, wurde die Entwicklung der Serien T3 und T4. Zwischen 1960 und 1989 wurden 16 630 Triebwagen und 992 Beiwagen hergestellt. Allein 11 368 Triebwagen wurden in die SU geliefert, 2013 Trieb- und 907 Beiwagen in die DDR. Durch die Belieferung fast aller Ostblockstaaten wurden die Firmen Tatra und CKD Praha zum größten Straßenbahnhersteller der Welt, die Serie T3/

T4 ist bis heute die weltweit meistgebaute Straßenbahn. Zum Vergleich: Von den ursprünglichen PCC-Bahnen wurden bis 1951 lediglich ca. 5000 Einheiten produziert.

Nachdem 1964/65 drei Prager T3-Triebwagen in Dresden eingehend erprobt worden waren, wurden in die DDR die Typen T3D (Version mit breitem Wagenkasten) und T4D (Version mit schmalerem Wagenkasten) geliefert. Nach dem Probebetrieb wurden auch die ersten Serienfahrzeuge ab 1967 nach Dresden geliefert (Typ T4D). Allerdings waren die jeweils 15 m langen Wagen für viele Straßenbahnnetze mit engen Straßen und scharfen Kurven nicht geeignet. So kam es extra für die DDR zur Neuentwicklung der Kurzgelenk-Triebwagen KT4D, die nach Berlin und an zahlreiche kleinere Straßenbahnbetriebe geliefert wurden.

Andererseits hatte man in Prag bereits 1972 mit der Entwicklung eines Nachfolgetyps für die T3D/ T4D begonnen. 1981 wurde der zweite Prototyp fertiggestellt. Weil Dresden die engsten Beziehungen zu den tschechischen Herstellern hatte und durch die teilweise sehr steilen Bergstrecken günstige Bedingungen bot, neue Fahrzeuge zu testen, erhielt die Stadt an der Elbe auch 1986 den ersten T6A2/ B6A2 — Großzug aus Prag. Es folgte hier aber keine Serienbestellung, diese gingen dagegen aus Berlin, Leipzig, Magdeburg und Rostock bei den tschechischen Herstellern ein.

Die Steuerung der neuen Fahrzeuge erfolgte energiesparend elektronisch mit Thyristoren, so konnte beim Bremsen Energie ins Netz zurückgespeist werden. Die Bahnen entsprachen nach wie vor dem alten PCC-Vorbild.

Rostock erhielt im Dezember 1989 die ersten zwölf Triebwagen T6A2 und Anfang 1990 sechs Beiwagen B6A2, damit konnten sechs Großzüge (aus zwei Trieb- und einem Beiwagen) gebildet werden. Im Jahr 1990 folgten weitere 12 Triebwagen. Seit 1991 verkehrten aber nur noch Zweier-Einheiten, denn der Verkehr ging mit der Wende deutlich zurück. Zunächst waren die Fahrzeuge cremefarben mit rotem Zierstreifen lackiert, seit 1994 tragen sie die Farben Blau- Weiß-Grau. Seit 1995 wurden alle Triebwagen modernisiert, die originalen Tatra-Beiwagen aber bald abgestellt, nach Szeged in Ungarn abgegeben und durch niederflurige Neubau-Wagen ersetzt.

Letzter Einsatz
Die Rostocker Straßenbahn AG ist der einzige ostdeutsche Betrieb, der noch T6A2- Fahrzeuge im Liniendienst einsetzt. Insgesamt wurden zwischen 1986 und 1990 186 Trieb- und 92 Beiwagen in die DDR geliefert, weitere Fahrzeuge gelangten auch nach Sofia (Bulgarien) und Szeged (Ungarn). Die Herstellerfirmen Tatra und CKD in Prag existieren heute nicht mehr, aber es werden von der Firma Skoda Straßenbahnen in unserem östlichen Nachbarland hergestellt.

 



Christoph Pohl

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