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Bad Doberan Landesvater im Rathaus: Sellering stellt sich Doberans Sorgen
Mecklenburg Bad Doberan Landesvater im Rathaus: Sellering stellt sich Doberans Sorgen
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00:00 18.04.2013
Vor der Sprechstunde protestieren Anwälte und Richter bei Erwin Sellering (Mitte) gegen die Schließung des Amtsgerichts. Quelle: Andreas Meyer
Bad Doberan

Grand-Hotel-Pleite, Schließung des Amtsgerichtes und Kreisreform: Zu den ganz großen Problemen Bad Doberans hatte er bisher „seine“ Minister sprechen lassen. Doch nun bekennt Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) auch selbst Farbe — und das sogar überraschend deutlich: Ja, der Stichweg — die direkte Verbindung zwischen dem Molli-Bahnhof in Heiligendamm und dem Strand — sei „vernünftig“. Und ja: Die Stadtvertreter müssten sich im Wege-Streit endlich mit dem Insolvenzverwalter des Hotels einigen.

Der Schweriner Regierungschef erlebte in Bad Doberan gestern einen wahren Ansturm: Zu seiner Bürgersprechstunde im Rathaus hatten sich 41 Menschen angemeldet — Rekord! Die Folge: Bis spät abends hörte sich der Landesvater die Sorgen und Nöte der Menschen aus der Region an. Für jeden Besucher war eine Viertelstunde eingeplant — zu wenig: „Wir müssen die Sprechstunde am Freitag fortsetzen. Das ist an einem Tag nicht zu schaffen“, so Sellering. Einen solchen Andrang erlebt er erst zum zweiten Mal: Vergangenes Jahr, in Schwerin, musste schon mal ein zusätzlicher Sprechtag angesetzt werden.

Ob die Doberaner besonders viele Sorgen hätten und deshalb so viele zu ihm wollen? „Nein, das auf keinen Fall“, sagt Sellering. Aber spannend sei es für ihn zu erfahren, wo der Schuh drückt. Ganz oben auf der Liste — übrigens auch im Vorgespräch mit Bürgermeister Thorsten Semrau (parteilos) und Vize-Landrat Rainer Boldt (SPD): Heiligendamm. „Herr des Verfahrens“ sei Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum, stellt Sellering unmissverständlich klar. Aber: „Der Zugang zum Strand ist ein ewiges Thema. Ich halte den Stichweg für eine vernünftige Lösung.“ Und weiter: Die Stadt müsse endlich auf ihr Heimfall-Recht verzichten. „Dann kann es auch ganz schnell eine Lösung für das Hotel geben.“ Fördermittel wird ein neuer Investor aber vorerst nicht vom Land bekommen: „Wir haben genug Geld für Heiligendamm gegeben.“

Besuch bekam Sellering gestern auch von Kaufleuten aus Doberan: „Die wollen sonntags gerne öffnen und wollten wissen, weshalb es in Schleswig-Holstein eine liberalere Bäderregelung gibt.“ Das wisse er leider auch nicht so genau: „Aber wir verhandeln mit der katholischen Kirche und — so viel konnte ich schon sagen — es sieht sehr gut aus.“ Ein zweites Thema, das den Gewerbetreibenden unter den Nägeln brennt: die mögliche Schließung der letzten Ämter des Landkreises in Bad Doberan. „Das ist natürlich Sache des Kreistages. Aber ich halte es nicht für sinnvoll, in den Großkreisen die Verwaltung an einem Ort zu konzentrieren.“ Vor allem Doberan brauche die Behörden: „Die Region wächst schließlich, während andere verlieren.“ Eine deutliche Botschaft in Richtung Güstrow.

Am meisten beeindruckt hat den Ministerpräsidenten aber eine 80-jährige Frau: „Sie wird von ihren Angehörigen gepflegt. Und möchte, dass ihr Sohn auch etwas von der Arbeit hat, die er leistet.“ Ihre Pflegestufe sei zu gering. Der Fall der Rentnerin sei eine ganz wichtige Anregung für ihn gewesen, sagt Sellering: „Wenn die Frau von Pflegediensten betreut wird, kostet das viel Geld. Dieses Geld spart der Staat durch die Familie. Aber die hat nichts davon.“ Dieses Thema wolle er jetzt aufgreifen — und Lösungsvorschläge erarbeiten. Für die große Politik, aus Bad Doberan.

Rekordverdächtige Beteiligung

41Bürger aus dem ganzen Land hatten sich zur Sprechstunde bei SPD-Ministerpräsident Erwin Sellering angemeldet. Ein neuer Rekord. Mit dabei auch Lehrerinnen der Doberaner Berufsschule, die für mehr Gerechtigkeit in den Lehrerzimmern warben.

So einen Andrang haben wir erst ein Mal erlebt.“Erwin Sellering (63, SPD)  

Andreas Meyer

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