Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Leben in der alten Schmiede
Mecklenburg Bad Doberan Leben in der alten Schmiede
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:46 24.04.2018
Gersdorf

Monika Bruhn wohnt in einem besonderen Haus: der ehemaligen Schmiede. „1902 wurden die Schmiede und das Wohnhaus gebaut. Eigentlich ist sie immer noch vorhanden.

Monika Bruhn (l.), Schwiegertochter Silke, Sohn Christoph und die beiden Enkel Walter und Paula leben in der alten Schmiede.

Wir haben sie so belassen, wie sie war.“ Die alten Werkzeuge bleiben den Nachfahren erhalten. „Meine Enkel leben immerhin schon in siebenter Generation im Haus“, sagt Monika Bruhn.

Betrieben wurde die Schmiede einst von ihrem Schwiegervater Walter Bruhn. „Er arbeitete für die Gemeinde Biendorf und die LPG Körchow, reparierte Maschinen, schmiedete Pflüge, nahm jedoch auch Privates an“, erinnert sie sich. „Und er beschlug Pferde, das habe ich noch miterlebt. Er reparierte allgemein sehr viel, denn es gab ja wenig, also hat man das, was man besaß, immer wieder reparieren lassen“, sagt sie. Schubkarren, die mit großen Löchern zu ihm kamen, waren keine Seltenheit.

„Kunstschmieden war sein Hobby. Und wenn es seine Zeit erlaubte, fertigte er wunderschöne Zäune mit Blätter-Ornamenten an.“ Ihr Mann Fritz konnte ebenfalls schmieden. Anfang der 70er Jahre wurde der Schmiedebetrieb dort eingestellt. Ihr Sohn erbte das Talent des Vaters und Großvaters, nutzt es jedoch für den Werkstoff Holz. Der Tischlermeister arbeitet als Werkstattleiter in einer Werbefirma.

„Er ist Handwerker durch und durch“, sagt seine Mutter.

Seit 46 Jahren lebt Monika Bruhn in Gersdorf. Sie arbeitete früher in der Kreisverwaltung von Bad Doberan und war jahrzehntelang stellvertretende Bürgermeisterin in Gersdorf. Da sie sich seit ihrem 22. Lebensjahr als Gemeindevertreterin engagierte, lag es nahe, dass nach der Wende die Einwohner an sie herantraten und sie baten, Bürgermeisterin zu werden. „Ich hatte eigentlich gar keine Wahl“, erinnert sie sich.

Als sie ihre Arbeit in Wismar bei der Stadt begann, hatte die Verwaltungsfachwirtin keine Zeit mehr und gab den Bürgermeister-Posten nach zehn Jahren ab. „Ich wollte hier nie weg, auch als in den 70ern viele junge Leute in die Neubaugebiete von Rostock und Umgebung zogen und das Dorf zusehends leerer wurde. Sie ließen ihre Eltern zurück. Das war für mich nie ein Thema. Ich wollte in der Stadt arbeiten, dann aber Zuhause Ruhe haben.“

Monika Bruhn spricht aus, was im Dorf Schlagwörter sind: „Hier herrscht Zusammenhalt. Wenn jemand Urlaub hat, kümmert sich der Nachbar, oder ein anderer. Am Ende ist die ganze Straße Nachbar.“ Sie kennt viele Geschichten, die sich ums Dorf ranken: „Mein Schwiegervater wurde gerufen, wenn die Herrin des Gutshauses Madame Pauly, ihren teuren Schmuck zu besonderen Gelegenheiten anlegen wollte und die Schatulle nicht aufbekam. Er besaß die Schlüsselgewalt.“

Im Gutshaus befand sich zur DDR-Zeit „die Post, eine Kita, auch der Tierarzt. Sehr viele Leute lebten im Haus“, erinnert sie sich. „Der Raum indem sich heute die Wandgemälde befinden war früher unser Kulturraum. Das ganze kulturelle Leben spielte sich im Gutshaus ab. Zum 1. Mai wurde alles mit Birkenzweigen ausgeschmückt und bis in den Morgen getanzt.“ Heute feiern die Gersdorfer auch gern gemeinsam. Daran hat sich nichts geändert.

sah

Handball-Mädchen gewinnen Landesausscheid

24.04.2018

Feuer-Großaufgebot in Schmarl / Kripo ermittelt wegen Brandstiftung

24.04.2018

Grundschule Lichtenhagen stürmte in allen Klassenstufen aufs Podest

24.04.2018
Anzeige