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Bad Doberan Legen neue Vorschriften die „Santa Barbara Anna“ lahm?
Mecklenburg Bad Doberan Legen neue Vorschriften die „Santa Barbara Anna“ lahm?
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00:00 12.06.2017
Stadthafen

Die „Santa Barbara Anna“ und mehr als 100 andere Traditionsschiffe aus Norddeutschland sind in kabbelige See geraten: Grund ist eine neue Schiffssicherheitsverordnung des Bundesverkehrsministeriums. Die hier vorgesehenen Anforderungen seien an die Berufsschifffahrt angelehnt und damit viel zu hoch für Traditionsschiffe, sagt Olaf Kalweit, Chef des Rostocker Vereins „Bramschot“, der die „Santa Barbara Anna“ betreibt. „Wir sind nicht auf dem Atlantik unterwegs, sondern fahren drei bis vier Meilen vor der Haustür“, betont Kalweit. Wird die neue Verordnung wie geplant umgesetzt, werde das gravierende Folgen haben: „Die gesamte Traditionsschifffahrt wird nach und nach aussterben.“

Krisengipfel mit Ministerium

Traditionsschiffer und Ministerium trafen sich bereits zu einem Krisengipfel. Ein Streitpunkt sind die baulichen und technischen Vorschriften. „Verlangt wird eine Ankerkette für zwei Anker mit einer Länge von 165 Metern“, sagt Kalweit. „In der Ostsee ankern wir aber nur auf sieben bis neun Metern Tiefe. Da würde eine Länge von 50 Meter ausreichen.“ Zumal kleine Schiffe aufgrund des Kettengewichts vorne untertauchen würden, so der Vereinschef. Kritisch sieht er auch, dass wasserdichte Stahlschotten für Holzschiffe vorgeschrieben werden. „Das geht gar nicht, weil das Holz arbeitet. Das lernen Schiffbaulehrlinge im ersten Lehrjahr“, sagt Kalweit.

Immerhin: Die „Santa Barbara Anna“ erfülle die baulichen und technischen Kriterien. Probleme gebe es jedoch beim Nachweis der Seetauglichkeit der Crewmitglieder. „Hier wird eine hundertprozentige Seh- und Hörfähigkeit erwartet. Die Vitalfunktionen sollten am besten wie bei einem 18-Jährigen sein“, sagt Kalweit. Die meisten ehrenamtlichen Crewmitglieder seien jedoch über 70 Jahre alt und hätten ihr Berufsleben längst hinter sich. „Bei vielen ist fraglich, ob sie die Qualifikation überhaupt noch erlangen können“, so der Vereinschef. Auch seien die Kosten immens, wenn alle 30 bis 35 Crewmitglieder zur Prüfung geschickt werden müssten.

Viele offene Fragen

Aus Sicht der Initiative „Rettet die Traditionsschiffe“ sind noch viele Fragen offen. „Wir verstehen nicht, warum dennoch die Verordnung nun in Kraft gesetzt werden soll. Es ist kein Zeitdruck vorhanden“, Initiativen- Sprecher Gerhard Bialek von der Ethel von Brixham. „Wir hätten mehr Vertrauen in den Erhalt der Traditionsschifffahrt, wenn erst nach Klärung der offenen Fragen eine Verordnung erlassen wird“, sagt von Brixham.

Ein Lichtblick sei zumindest gewesen, dass das Ministerium etliche Vorschläge der Traditionsschiffer prüfen wolle. Auch sollen zweckgebundene Zuschüsse an die Eigner oder Betreibervereine helfen, finanzielle Schwierigkeiten bei der Umsetzung der neuen Verordnung zu vermeiden. Zudem sei eine Übergangsfrist vorgesehen, ehe die neuen Regeln greifen.

Die Traditionsschiffer bauen auf die Zusage des Ministeriums, über die Kritik nicht nur nachzudenken, sondern sie in einer neu eingerichteten Arbeitsgruppe tatsächlich zu verhandeln, sagt Jan-Matthias Westermann, Vorsitzender der Gemeinsamen Kommission für Historische Wasserfahrzeuge (GSHW). Die Zeit dränge. Denn laut Bundesverkehrsministerium soll die Verordnung in Kraft treten, sobald die Notifizierung durch die EU in Brüssel abgeschlossen ist. „Unser Ziel muss es sein, vorher Änderungen zu erreichen“, betont Westermann.

Verordnung bereits genehmigt

Doch für einen Teil der Traditionsschiffe hat Brüssel die neue Verordnung bereits genehmigt, teilt der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesverkehrsministers, Enak Ferlemann (CDU), auf OZ-Anfrage mit. Sie gelte demnach für diejenigen Schiffe, die vor 1965 als Fahrgastschiff entworfen worden seien. Für alle anderen müsse nun eine Lösung gefunden werden. „Wir prüfen, wie wir unsere Verordnung auch auf alle anderen Traditionsschiffe adäquat anwenden können. Außerdem werden wir uns für eine EU-weite Lösung einsetzen, die die Belange der Traditionsschifffahrt berücksichtigt“, sagt Ferlemann. Er ist überzeugt: „Mit unserer Sicherheitsverordnung haben wir einen vernünftigen Ausgleich vorgeschlagen, der die Sicherheit von Besatzung und Passagieren gewährleistet und gleichzeitig das maritime Erbe wahrt.“ Dabei seien EU-rechtliche Vorgaben zu beachten gewesen.

Die Traditionsschiffer befürchten, dass sie nun noch mehr von Ausnahmegenehmigungen abhängig sein werden. Das Verhältnis zur zuständigen Dienststelle der Berufsgenossenschaft Verkehr sei sehr angespannt. Die Sorge vor neuerlichen Stilllegungen von Schiffen wegen Streitigkeiten zwischen Behörde und Betreibern sei groß, so die Initiative „Rettet die Traditionsschiffe“. Für solche Fälle soll es nun eine Ombudsstelle geben. Die Initiative ist skeptisch: „Ob dies ausreicht, um die Flotte durch alle Untiefen des Entwurfs zu bringen, bleibt abzuwarten.“

André Wornowski

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