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Bad Doberan Licht aus in der Druckerei Adam: Mitarbeiter sind sauer
Mecklenburg Bad Doberan Licht aus in der Druckerei Adam: Mitarbeiter sind sauer
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00:00 04.09.2013
Laage

Die letzte Arbeitswoche ist angebrochen für die Beschäftigten der Adam Nord GmbH in Laage. Ihre Kündigung haben sie seit Wochen in der Tasche. Am 31. August wurde der Betrieb am Standort eingestellt. Der letzte Auftrag ist abgearbeitet, nun wird nur noch geputzt und abgeschlossen. Dann gehen die Lichter in einer der modernsten Druckereien Europas aus.

Während 61 Mitarbeiter um ihre Existenz bangen, die wenigsten haben einen neuen Job, wiegt sich ihr Chef, Walter Adam, trotz Insolvenzen seiner beiden Druckereien in Laage und am Stammsitz Bruchsal (Baden-Württemberg) in Sicherheit. „Noch dieses Jahr“ erwartet Insolvenzverwalter Andreas Fischer das Ende der Insolvenz für den Betrieb in Bruchsal, der von der Schließung der Laager Schwester profitiere, weil etliche Aufträge in den Süden geholt wurden. An der Spitze könnte Fischer zufolge wieder der bisherige Firmenchef Adam stehen. Für die Nord-Druckerei soll es am Ende der Woche eine Pressemitteilung geben. Bis dahin keine weiteren Auskünfte.

Die Stimmung in Laage ist schlecht. So viele Fragen sind offen. Die Kollegen sind sauer und eingeschüchtert, wollen nicht mit Namen in der Zeitung erscheinen. „Wenn ich nicht wäre, würdet ihr noch heute mit der Bierflasche vor dem Fernseher sitzen“, hätte Geschäftsführer Adam die Belegschaft immer wieder wissen lassen, wenn er mit dem eigenen Flugzeug zum Kurz-Management bei den „Ossis“, die nicht so viel verdienen müssten, „weil die sowieso nur in der Platte wohnen“, einflog. Ein niedriges Lohnniveau war dem Unternehmer aus Baden-Württemberg von Anfang an wichtig. „Das lässt uns mehr Raum für Leistungs-, Zuverlässigkeits- und Qualitätssicherungsprämien“, hatte Adam 2006 dem Gewerkschaftsmagazin „Druck und Medien“ gesagt.

Bis Dezember hätten die Druckmaschinen in Laage noch gut laufen können. Es habe genug Aufträge gegeben, wie Mitarbeiter bestätigen, doch die Arbeit sei ausgelagert oder nach Bruchsal vergeben worden — zur offenbar geglückten Rettung des Stammsitzes.

Im Januar 2013 war der Insolvenzantrag nach Rechtsstreit mit der Bank des Maschinenherstellers gestellt worden. Adam hatte auf Anraten seines Anwalts Kreditraten eingestellt. Die Bank, die das gesamte Projekt in Laage finanziert haben soll, forderte die ausstehende Summe in einem Satz zurück. „Da blieb nur die Insolvenz“, hatte Insolvenzverwalter Fischer der Belegschaft im Januar erklärt.

Die Bank sitzt im Gläubigerausschuss und habe laut Insolvenzbericht große Zugeständnisse gemacht, die das Fortführen des Betriebs bis Ende August ermöglichte. Sie erhebt aber auch besondere Ansprüche auf die Maschinen, die aus der normalen Insolvenzmasse herausgenommen wurden. Im Ausschuss sitzt für Gläubiger mit den höchsten Forderungen auch die Adam GmbH Bruchsal. Heißt: Der Chef der insolventen Firma, Walter Adam, gehört mit der zweiten (auch insolventen) Druckerei zu den Hauptgläubigern, die Millionen-Darlehen einfordern. Auch die Werbefirma seiner Ehefrau macht enorme Schulden geltend. Leer ausgehen werden wohl nur die Arbeitnehmer, die zumindest pro Forma auch einen Abgesandten im Gläubigerausschuss sitzen haben.

Nur wenige Interessenten haben sich die hochmoderne Druckerei in den letzten Monaten angeschaut. Der Wert der Immobilie wird schon mal „aus Vorsichtsgründen“ auf zwei Millionen Euro runtergerechnet.

Mitarbeiter gehen davon aus, dass Anfang 2014, nach Ablauf aller Förder-Bindungsfristen, doch ein neuer Investor in der Tür steht. Oder vielleicht auch der alte?

Walter Adam war für eine Reaktion nicht zu erreichen.

Doris Kesselring

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