Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Marinas an der Küste boomen
Mecklenburg Bad Doberan Marinas an der Küste boomen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:11 24.02.2018
Wismar/Rostock

/Boltenhagen. Rund 8000 Schiffsankünfte im vergangenen Jahr – da hatte der verregnete und kühle Sommer die Zahl gedrückt. 10000 Ankünfte waren es im Durchschnitt der zurückliegenden Jahre. Aber selbst das verregnete Jahr 2017 brachte einen Umsatz von 1,25 Millionen Euro: Der Bootshafen Kühlungsborn – wie die Marina mit ihrem Namen etwas sehr bescheiden daherkommt – ist weiter auf Erfolgskurs.

Hafen-Betreiber: Wert für Tourismusstandorte ist nicht in Geld zu beziffern

„Es gibt Jahre, in denen wir Gewinn machen, und Jahre wie 2018, in denen mit Rücklagen große Investitionen umgesetzt werden. Was ganz wichtig ist in dieser Branche: Wir stehen solide da, bewirtschaften den Hafen ohne irgendwelche Förderungen und Zuschüsse“, sagt Ulrich Langer, Chef der Touristik Service Kühlungsborn GmbH (TSK). Die TSK betreibt den Hafen.

Welche Bedeutung hat der Kühlungsborner Hafen als Wirtschaftsfaktor – vor allem für die Wertschöpfung im Tourismus-Geschäft? Zahlen gebe es darüber nicht. Aber auf jeden Fall strahle der Hafen weit über das wassertouristische Kerngeschäft hinaus. „Der Hafen mit den offenen Stegen entlang der Mole und der Hafen-Promenade mit ihren Geschäften und Restaurants ist ganzjährig einer der attraktivsten Anziehungspunkte gleichermaßen für Übernachtungs- und Tagungsgäste. Aber wer kann das in Geld hochrechnen? Dazu wäre eine sehr aufwendige Analyse notwendig. Auf die Idee ist auch noch niemand gekommen“, so Langer. 400 Liegeplätze hat der 2003 fertiggestellte Hafen, etwa die Hälfte ist an Dauerlieger vermietet.

Und er ist der internationalste Teil des Ostseebades Kühlungsborn. Denn während der Anteil der ausländischen Gäste an Land sich schon seit vielen Jahren um kaum nennenswerte ein Prozent bewegt, bringen die Schiffsbesatzungen internationales Flair mit. Es sind vor allem Skandinavier und Niederländer, die – von Jahr zu Jahr unterschiedlich – zwischen acht und elf Prozent der Hafen-Gäste ausmachen. Darunter sind auch immer mal wieder historische Großsegler, wie der holländische Dreimastschoner „Albert Johannes“, der es immerhin auf die stattliche Länge von 46 Metern bringt. „Für ein paar solcher großen Schiffe haben wir Platz – aber nicht für viele“, deutet Langer Grenzen an.

Mit 350 Liegeplätzen – ein paar weniger als in Kühlungsborn – dafür aber einem größeren Hafen-Becken, in dem mehr Platz zum Manövrieren ist: So kommt eine weitere neu gebaute Marina daher, die in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag feiert. Gemeint ist die Weiße Wiek in Boltenhagen-Tarnewitz. 2500 Schiffsankünfte gab es dort im vergangenen Jahr und einen Umsatz von rund einer Million Euro, so Edzard Plath, Generalbevollmächtigter der 12.18. Boltenhagen Marina. In diesen Hafen können sogar Schiffe bis zu einer Länge von 60 Metern einlaufen. Auch Plath sagt: „Der wirtschaftliche Wert eines Hafens für den Wasser-Tourismus – möglichst gepaart mit traditioneller Fischerei wie bei uns und anderswo – kann für einen Urlaubsort am Wasser eigentlich kaum beziffert werden. Denn abgesehen von der wassersportlichen Betätigung, die hier möglich ist: Schiffe ziehen Menschen an, inspirieren zum Träumen.“

Damit allerdings auch die Schiffe beziehungsweise ihre Crews angezogen werden, ist schon ein hoher Aufwand nötig. Kühlungsborn bietet in Ausstattung und Service Vier-Sterne-Luxus, Boltenhagen bringt es gar auf fünf Sterne. Wasser und Strom am Liegeplatz sowie modern ausgestattete Sanitäreinrichtungen, Waschmaschinen und Trockner im Hafen-Gebäude seien dabei selbstverständlich. Auch Wlan werde eigentlich längst als Service vorausgesetzt.

Die Schiffe, viele von ihnen eigentlich schon Yachten, werden immer größer, beobachten Langer und Plath gleichermaßen einen Trend. Und Hausboote werden immer populärer. In Boltenhagen liegen acht dieser schwimmenden Wohnungen. Kühlungsborn allerdings bietet dafür keine Plätze an.

19 Häfen im Verbund

ühlungsborn. 19 Yacht- und Sportboothäfen an den Küsten Deutschlands, Schwedens, Dänemarks und Polens sind im Marina-Verbund Ostsee zusammengeschlossen, der auch als Marina Network Association daherkommt. Mit dabei sind von Anbeginn Kühlungsborn und Boltenhagen, auch Hohe Düne schloss sich später an. Die Mitglieder arbeiten unter anderem bei Online-Buchungen und einem gemeinsamen Bonus-System zusammen und sichern in ihren Häfen durch eine Zertifizierung vergleichbar hohe Qualitätsstandards.

Triebfeder der Internationalisierung

Die Marinas – die Sportboot- und Yacht-Häfen – entlang der Ostseeküste tragen wesentlich zur Wertschöpfung im Tourismusgeschäft bei und sind eine Triebfeder bei der Internationalisierung des Tourismus, meint Tobias Woitendorf, stellvertretender Geschäftsführer des Tourismusverbandes MV. Lutz Werner sprach mit ihm.

Wie groß ist der Wirtschaftsfaktor „Marina“ im Tourismusgeschäft von MV?

Tobias Woitendorf: Neuere Zahlen gibt es leider nicht, aber doch einigermaßen aussagefähige Schätzungen. Pro Jahr machen alle 350 Marinas im Land – von den großen bis zu den ganz kleinen – einen Umsatz von rund 500 Millionen Euro. Das umfasst das wassertouristische Kerngeschäft und das Hafen-Umfeld mit Gastronomie, Einzelhandel, Service, Event-Anbietern in den Häfen und Beherbergung direkt hinter den Anlegern. Etwa 300 Millionen Euro davon entfallen auf die Häfen entlang der Ostsee- und Haff-Küsten. Das ist schon eine Größenordnung.

Gibt es genügend Yacht- und Sportboothäfen entlang der Ostseeküste?

Im westlichen Teil – von Warnemünde bis Lübeck – ist das Netz gut ausgebaut. Mit relativ kurzen Fahrtzeiten von Hafen zu Hafen und Anschluss an die Marinas in Ostholstein, Fehmarn und Dänemark.

Östlich von Warnemünde gibt es mitunter noch zu weite Strecken zwischen benachbarten Häfen. Bedarf besteht beispielsweise auf dem Darß und an der Außenküste von Usedom.

Der Anteil ausländischer Gäste in MV ist nicht gerade hoch. Was können Marinas bei der Internationalisierung des Tourismusgeschäftes im Land leisten?

Sie sind dabei geradezu Triebfeder. Es ist unkompliziert, sich auf der Ostsee zwischen Deutschland, Dänemark, Schweden und Polen zu bewegen. Das Resultat sehen wir vor allem in den größeren Häfen. Der Anteil ausländischer Gastlieger ist dort deutlich höher als beim Tourismus an Land. Das ist gut so. Bargeldloses Zahlen, Sprachkenntnisse – an den Voraussetzungen dafür müssen wir noch stärker arbeiten.

In den Marinas wird viel gebaut

In beiden Marinas wird 2018/19 viel gebaut werden. Im Kühlungsborner Hafen sind ein Anbau an das Hafenhaus mit Sauna, daneben ein neues Jüngstensegelzentrum und eine technisch aufwendige neue Slipanlage geplant. Gut 1,3 Millionen Euro werden dabei von der Stadt, die das Jüngstensegelzentrum errichtet, und vom Hafen-Betreiber Touristik Service investiert. Hinterm Hafen ist durch einen privaten Investor ein Sporthotel geplant. Am Rande von Boltenhagens Marina wird eine Ferien-Siedlung aus Fass-Häusern entstehen.

Viel maritim-historisches Flair

Insel Poel Vier kleinere Hafen-Standorte in einem historisch gewachsenen Umfeld, Fischkutter-Romantik, am Hafen von Timmendorf-Strand steht sogar ein Leuchtturm: Auf der Insel Poel bietet sich ein eher traditionelles maritimes Bild mit vielen verschiedenen Facetten. Hier ist es anders als in den neu gebauten, kompakten Marinas in Boltenhagen und Kühlungsborn, die als Einheit geplant wurden.

Dennoch: Auch die vier kleineren Häfen in Timmendorf Strand, Kirchdorf und Niendorf kommen auf beachtliche Zahlen. 224 Liegeplätze stehen dort für Dauer- und Gastlieger zur Verfügung. Dazu kommen die Station der Seenotretter, eine Lotsen-Station, acht Fischer im Haupt- beziehungsweise Nebenerwerb, Restaurants, die teils selbst räuchern, Traditions- und Ausflugsschiffe. Dem Besucher bietet sich eine vielfältige, interessante und kleinteilige maritime Szene. Auch hier ist der Verkehr sehr rege, eine Statistik über Schiffsankünfte und Crews gibt es allerdings nicht. Markus Frick, der Kurdirektor von Poel, freut sich über alle maritimen Gäste in den Häfen. Macht aber hinsichtlich der Wertschöpfung, die sie der Insel bringen, interessante Unterschiede. „Skipper, die mit ihren Crews als Wasserwanderer von Hafen zu Hafen unterwegs sind, bringen uns sehr viel Geld in die Gemeinde. So ein Törn über die Ostsee ist oft anstrengend und abends haben die Crews dann selten die Lust, noch selbst zu kochen. Sie gehen in unsere Restaurants und sorgen dort für beträchtlichen Umsatz“, sagt Frick. Und fügt hinzu: „Mit den Dauerliegern ist das ein wenig anders. Die Dauerliegeplätze sind eigentlich Parkplätze für die Schiffe und viele Eigner nutzen sie vor allem als schwimmende Ferienwohnungen. Sie verbringen ihre Zeit vor allem auf den Booten.“

Auch Frick weiß: „Häfen und Leuchttürme sind in Urlaubsorten am Wasser ein touristischer Hauptanziehungspunkt, werden geradezu gesucht.“ Das sei ein wirtschaftlicher Faktor, „der kaum in Geld zu beziffern ist“. lwr

Die OZ sucht Ihre Werftbilder

Ob in Rostock, Bad Doberan, Wismar oder Grevesmühlen – viele Menschen haben eine Verbindung zu den Werften in Mecklenburg. Ihre Geschichte erzählt vom Schiffbau, von der Werftenkrise, bei der Tausende Menschen ihren Job verloren, bis hin zum Neubeginn mit der Windkraftbranche. Die OSTSEE-ZEITUNG sucht Bilder und Geschichten über das Leben und die Arbeit auf den Werften in Wismar und Rostock. Wie sah die Arbeit damals im Vergleich zu heute aus? Wir freuen uns, wenn Sie, liebe Leser, uns Ihre Fotos und Geschichten zukommen lassen.

Per Mail: mecklenburg@ostsee-zeitung.de, per Post: Ostsee-Zeitung, Redaktion Sekretariat, Richard-Wagner-Straße 1a, 18055 Rostock.

Lutz Werner

Mehr zum Thema

Seit über 125 Jahren kümmern sich die Everts darum, dass es draußen grünt und blüht

22.02.2018

Wellness-Urlaub und Glücksmomente-Bad locken Schnäppchenjäger auf die Insel

22.02.2018

Kühlanlage wird komplett erneuert / Jürgen Becher bietet als Privatinitiative Einkauf-Shuttle an

23.02.2018

Der Natur- und Erlebnispfad am Wanderweg „Hellbachtal“ wird in diesem Jahr erweitert.

01.02.2018
Bad Doberan GUTEN TAG LIEBE LESER - Beliebt für Film und Buch

Dass Heiligendamm und das Grand Hotel für Filmemacher interessant ist, ist längst bekannt. Zahlreiche Streifen wurden hier gedreht, darunter die Martin-Suter-Verfilmung „Allmen und der rosa Diamant“.

01.02.2018

Ein aufmerksamer Anwohner hat bei Güstrow für die Festnahme von drei mutmaßlichen Einbrechern gesorgt.

01.02.2018