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Bad Doberan Mehr Patienten in der Notaufnahme
Mecklenburg Bad Doberan Mehr Patienten in der Notaufnahme
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00:05 01.08.2017
Jördis Rothe, leitende Ãrztin der Notaufnahme im Krankenhaus Bad Doberan, im Gespräch mit Patient Wolfgang Wünsch. Quelle: Foto: Anja Levien
Bad Doberan

Jördis Rothe kommt gerade aus Rostock zurück. Dorthin hat die leitende Ärztin der Notaufnahme des Krankenhauses Bad Doberan einen Patienten begleitet, dessen Hauptschlagader angerissen war. Im Wartezimmer der Notaufnahme sitzen am Freitagmittag sechs Personen. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Denn wenn die niedergelassenen Ärzte keine Sprechzeiten haben, herrscht in der Notaufnahme meist Hochbetrieb. Die Ärzte behandeln hier alles – vom Mückenstich über die Fraktur bis eben zum Anriss der Hauptschlagader.

Von Mückenstich bis Fraktur: Team im Krankenhaus Bad Doberan behandelt rund um die Uhr

Uwe Borchmann,

Geschäftsführer

Krankenhaus

Bad Doberan

Die Zahl der Patienten, die in der Notaufnahme des Krankenhauses Bad Doberan behandelt werden, ist in den vergangenen vier Jahren um 38 Prozent gestiegen, teilt das Krankenhaus mit. Wurden 2012 noch 3900 Fälle in der Notfallambulanz gezählt, waren es im vergangenen Jahr 5400 Fälle, davon 1500 Urlauber. „Wir haben mehr Urlauber in der Region, und die Menschen wissen, im Krankenhaus ist jemand.

Viele fahren daher direkt zu uns, statt den Arzt aufzusuchen, der ambulanten Notdienst hat“, erläutert Krankenhaus-Geschäftsführer Uwe Borchmann den Anstieg und spricht damit die Zeiten an, in denen die niedergelassenen Ärzte keine Sprechzeiten haben. „Das ist vor allem am Wochenende und am Mittwoch- und Freitagnachmittag“, sagt Borchmann. Dann ist in der Notaufnahme sehr viel Betrieb, obwohl ein kassenärztlicher Notdienst eingerichtet ist.

Die Gründe für das Aufsuchen der Notaufnahme seien unterschiedlich, aber überwiegend chirurgisch, sagt Jördis Rothe. „Die Patienten kommen mit Wunden, Schnittverletzungen durch Glasscherben oder das Küchenmesser, haben Platzwunden, weil sie hingefallen sind, oder Verstauchungen, weil sie umgeknickt sind“, sagt die Fachärztin. Aber auch Mückenstiche, Zeckenbisse, Sonnenbrand, Sonnenstich und Kreislaufprobleme zählen zu den Fällen, die derzeit öfter in der Notaufnahme behandelt werden. „Das sehen wir viel im Sommer“, sagt Rothe. „Die Patienten, die hierher kommen, sind sehr besorgt.“

Gerade am Wochenende kann die Belastung für Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger und Patienten steigen. Dann sind die notdiensthabenden Fachärzte gemeinsam mit einem Assistenzarzt für die Notaufnahme und die Stationen im Haus zuständig. Die leitende Ärztin, die in der Woche die Notaufnahme betreut, fehlt am Wochenende – auch eine Kostenentscheidung. Denn die Notaufnahme sei nicht kostendeckend, erklärt Borchmann: „Nahezu alle Krankenhäuser subventionieren die Notfallambulanz.“

Für die Kontrolle eines Mückenstichs auf Infektion oder allergische Reaktion erhält das Krankenhaus beispielsweise 4,50 Euro von der kassenärztlichen Vereinigung. Dafür können Personal- und Materialkosten nicht bezahlt werden. Denn jeder Patient, der selbstständig zum Krankenhaus kommt, meldet sich am Empfang, wird in den Warteraum der Notaufnahme geschickt, wo eine Schwester eine Akte anlegt und den Fall aufnimmt. Ein Arzt schaut sich den Patienten an, dann muss der Fall dokumentiert und später abgerechnet werden. „Wir brauchen dringend neue Regeln, die praktikabel sind für Patienten, Krankenhausmitarbeiter und niedergelassene Ärzte“, sagt Uwe Borchmann. „Die Vergütungsregeln, die versuchen, Patienten zu lenken, sind fernab jeder Realität.“ Heißt: Gesetzlich sei festgelegt, was jeder Arzt zu behandeln habe. So gehöre der Patient mit dem Mückenstich eigentlich, wenn er behandelt werden muss, in das Behandlungszimmer eines niedergelassenen Arztes: „Doch die Patienten stimmen mit den Füßen ab. Egal, wohin sie gehen, ein Arzt ist verpflichtet, sie sich anzuschauen.“

Für Ärzte und Patienten nicht immer eine leichte Situation. „Eltern mit Kindern haben oftmals das Gefühl, besonders dringend behandelt werden zu müssen. Das ist auch verständlich, es geht ja um das eigene Kind“, sagt Uwe Borchmann. Dennoch: „In der Notaufnahme wird unterschieden nach Schwere der Erkrankung, lebensbedrohliche werden zuerst behandelt“, sagt der Geschäftsführer des Krankenhauses.

Die Wartezeit in der Notaufnahme liege im Schnitt unter einer Stunde.

„Wir hatten heute schon gut zu tun“, sagt Jördis Rothe. „Freitag ist Großkampftag. Die Patienten wollen ihre Beschwerden nicht mit ins Wochenende nehmen“, erklärt die Ärztin – und kümmert sich um den nächsten Fall.

Kassenärztlicher Notdienst

Außerhalb der Sprechzeiten der niedergelassenen Ärzte hat die kassenärztliche Vereinigung einen ärztlichen Bereitschaftsdienst eingerichtet. Unter die kostenfreie, bundesweite Nummer ☎

116117 werden Hilfesuchende direkt mit einer Leitstelle, einer Bereitschaftsdienstpraxis oder einem Arzt in der Nähe verbunden. Der ärztliche Bereitschaftsdienst wird bei nicht lebensbedrohlichen Beschwerden, etwa hohem Fieber, starken Bauchschmerzen oder Erbrechen konsultiert. Bei lebensbedrohlichen Symptomen, beispielsweise Bewusstlosigkeit, akuten Blutungen, starken Herzbeschwerden, schweren Störungen des Atemsystems, Komplikationen in der Schwangerschaft und Vergiftungen ist die 112 zu wählen.

Anja Levien

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