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Mehr Schein als Sein

Rostock Mehr Schein als Sein

Summe des beschlagnahmten Falschgelds steigt um 40 Prozent. Andreas Vendt erkennt aber unechte Banknoten.

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Andreas Vendt (41) erkennt als Falschgeld-Experte jede unechte Banknote — auch ohne Lupe.

Quelle: Fotos: Bj�rn Wisker / Vivienne Griese (3)

Rostock. Auf den ersten Blick ist Andreas Vendt (41) einer der reichsten Rostocker. Dutzende Geldscheine liegen auf seinem Tisch. Neben den gelben 200 Euro-Noten und vielen 50ern besitzt er auch schon die neue Serie der Fünf-Euro-Scheine. In Massen. Vendt sitzt an der Quelle, am Ursprung allen Geldes — bei der Bundesbank in der Richard- Wagner-Straße. Und doch kann er dem Mammon wenig abgewinnen. Vor allem, weil es sich bei seinem vermeintlichen Reichtum um Falschgeld handelt. Dafür ist er ein Fachmann: ein Detektiv der Bundesbank.

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Ich würde Falschgeld am Wasserzeichen erkennen — wenn die Kopie nicht super gemacht ist. Ich denke, die 50-Euro-Scheine werden am häufigsten gefälscht.“Lisa Goldbeck (20), Stadtmitte

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„Beim Bäcker, beim Metzger und am Kiosk — dort verläuft eine Frontlinie. Das Einfallstor für Falschgeld ist der Einzelhandel“, sagt der 41-Jährige. Seit mehr als zehn Jahren spürt er in der Hansestadt die falschen Fünfziger auf. Er bemerkt jede Falschgeld-Schwemme, vor allem wenn die Urlaubs- oder Weihnachtszeit anbricht. Die Statistiken führt das Landeskriminalamt (LKA). Die Behörde registrierte 2012 einen Anstieg um 40 Prozent — der Schaden kletterte von 21 765 Euro auf 35 210 Euro. Von den 509 abgefangenen Banknoten flogen 162 in der Hansestadt auf, mehr als die Hälfte waren 20-Euro-Scheine.

Hinter den Schwemmen steckt die organisierte Kriminalität. Aus professionellen Gelddruck-Labors karren Betrüger Tausende Scheine heraus und bringen sie in den Wirtschaftskreislauf. Ein osteuropäisches Versteck flog vor wenigen Jahren auf. Auf einen Schlag wurde die Menge Falschgeld konfisziert, die in Deutschland binnen eines Rekordjahrs abgefangen wurde — 90 000 Scheine. Wert:

mehrere Hunderttausend Euro. „Bei uns in der Region werden eher kleine Stückzahlen — ein, zwei Scheine in Restaurants etwa — in Umlauf gebracht“, so LKA-Sprecherin Synke Kern.

Und sie zu erkennen wird immer schwerer. Top-Fälschungen kommen den Originalen mittlerweile bedrohlich nah. Zurzeit hat Vendt mit 200ern zu tun, die selbst den Experten auf eine harte Probe stellen.

Die Technik überlisten diese Druckerzeugnisse meist mühelos. Handelsübliche UV-Scanner, wie sie in Supermärkten oder Tankstellen zum Einsatz kommen, schlagen bei ihnen oft keinen Alarm. Nur die Spezialgeräte in den Katakomben der Bundesbank entlarven den Bluff sofort.

In der Regel, so Vendt, seien schlechte Kopien unterwegs. „Ich bin immer wieder erstaunt, welche miserablen Stücke hier bei uns landen“, sagt er. Gerade Einzelhändler — Leute, die Echt von Unecht eigentlich im Nu unterscheiden müssten, versagen häufig. Zwischen zehn und 15 Prozent aller gefälschten Scheine werden im Einzelhandel entdeckt. Der Rest landet über Geldtransport-Unternehmen und Geschäftsbanken, die ebenfalls Scheine filtern, wieder in den Maschinen der Bundesbank. Die Technik, so groß wie ein Zimmer, scannt die Scheine — und gilt als fehlerlos.

2012 wurden bundesweit 41 500 Scheine abgefangen. Experten schätzen, dass europaweit bis zu 15 Milliarden Fälschungen im Umlauf sind. Vor allem in Süd- und Osteuropa. 80 Prozent aller Fälschungen machen 20- und 50-Banknoten aus. Die Gewinnmarge ist bei ihnen am höchsten, das Entdeckungsrisiko minimal. „Die Masche läuft so: Die Herstellung von Falschgeld kostet fünf Euro, die Täter kaufen dann im Laden etwas Billiges und kassieren möglichst viel echtes Wechselgeld.“

Vendts Hauptaufgabengebiet ist die Prävention. Er referiert vor Berufsschulklassen, wie Falschgeld problemlos zu erkennen ist. Sein Tipp: der sogenannte Kassierergriff. „Alle Scheine sind so konzipiert, dass jeder schnell erkennen kann, was echt ist und was nicht.“ Kein Scanner, auch UV-Licht und spezielle Marker könnten etwa die Präzision des Tastsinns ersetzen. Gleiten die Finger über die Schrift am oberen Rand des Papiers, spüren sie raue Minihügel. Das gelingt mit Billigdruck nicht. Auch die vielen Streifen und Wasserzeichen auf den Originalen ließen sich nie 100-prozentig kopieren.

Die ultimative Fälschung in die Hände zu bekommen, sie zu entlarven, klingt für Vendt reizvoll. „Besser ist es aber, wenn wir den Kriminellen immer etwas voraus sind.“

Beim Bäcker

und am Kiosk: Dort verläuft die Frontlinie im Kampf gegen Falschgeld.“Andreas Vendt, Experte der Bundesbank

Björn Wisker

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