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Kröpelin Milchviehställe werden geräumt

Kröpelin: Nach einem positiven Fall von Rinderherpes werden die meisten Tiere geschlachtet

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Kröpelin. „Ach, wir waren gerade so, dass es richtig rund lief“, sagt betroffen Christian Hingst, der Leiter der Außenwirtschaft des Kröpeliner Agrarbetriebes, zu dem die Milchviehanlage gehört. Sie war in den vergangenen Jahren umfangreich modernisiert worden.

OZ-Bild

Kröpelin: Nach einem positiven Fall von Rinderherpes werden die meisten Tiere geschlachtet

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Rund 1700 Rinder standen zum größten Teil in nagelneuen Ställen. Jetzt sind jedoch nur noch die Hälfte der Tiere hier. Der Rest wurde bereits von Amts wegen geschlachtet, einige Kälber erlaubtermaßen ins Ausland verkauft.

Im letzten Herbst war in der Milchviehanlage das Bovine Herpesvirus 1 (BHV-1) festgestellt worden und Mitte Januar nach Angaben des Schweriner Landwirtschaftsministeriums bei einem Tier die Krankheit – landläufig Rinderherpes genannt – ausgebrochen.

Die Amtstierärztin erließ einen Schlachtungserlass für den ganzen Bestand und die Hälfte der Tiere sei bereits geschlachtet, wie Christian Hingst sagt.

Nicht gekeult, ergänzt er, denn das Fleisch könne bedenkenlos verbraucht werden. Selbst auf die Milch der Kühe habe das Virus keine Auswirkungen. Deshalb zweifelt der Landwirt an der Sinnhaftigkeit des Schlacht- und Verkaufszwangs und stellt in Frage, dass in Deutschland eine Impfung gegen BHV-1 verboten ist. Damit steht er nicht allein.

Auch der Tierarzt, der die Kröpeliner Anlage betreut, Dr. Bernd Linke aus Güstrow, spricht sich für eine Impfmöglichkeit aus, um eine mögliche Existenzbedrohung, von Milchviehhaltern zum Beispiel, abzuwenden. „Mit bestimmten Auflagen“, betont der Veterinär und meint auch gezielte Handelsbeschränkungen. Der Handel gehört zu den Argumenten der Befürworter des Impfverbots sowie des Schlacht- und Verkaufszwangs, weil Deutschland von seinem derzeitigen Status „BHV-1-frei“ bei der internationalen Vermarktung der Tiere profitiert.

„BHV-1 ist eine politische Seuche“, meint jedoch Dr. Linke. Er habe sich darüber gerade mit der Leiterin des Lehrstuhls für Veterinärmedizin in der Klinik für Klauentiere der Freien Universität Berlin, Prof. Dr. Kerstin E. Müller, verständigt. Denn das Virus wäre durch eine Impfung durchaus beherrschbar. „Ich bin ein Anwalt dieser Kühe und fordere einfach den Schutz durch Impfung“, erklärt Dr. Linke gegenüber der OZ.

Ein anderer Tierarzt aus der Region, der in der Zeitung aber nicht genannt werden möchte, weist noch auf das Problem hin, dass eine Herde, die noch nie mit dem Virus Kontakt hatte, bei Ansteckung „große Verluste insbesondere bei Kälbern und Jungtieren“ erleiden könnte.

Auswirkungen auf Menschen gebe es überhaupt keine, auch nicht auf das Fleisch oder die Milch, bestätigte der Experte. Allerdings drohten bei BHV-1-Befall Handelsrestriktionen: „Es wird international oft verlangt, dass die Bestände BHV-frei sind. Wenn die Kühe nicht negativ sind, werden sie dann nicht genommen, auch ihr Fleisch und ihre Milch nicht.“ Für Betriebe, die auf solchen Handel angewiesen sind, könne das Virus dann „echt tödlich“ sein.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) sagte zur Kritik an der Schlachtungsregelung bei Rinderherpes gegenüber dem NDR, dass er dies einerseits verstehe, aber andererseits sehe, dass sich die Landwirte dieser EU-Verordnung und wenn man so wolle, den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland unterworfen hätten.

Dass das Ministerium erst relativ spät über die Rinderherpesfälle informiert hat, ordnet Pressesprecherin Heike Lange auch so ein: „Wir bemühen uns grundsätzlich, betroffene Betriebe zu schützen, wenn es zunächst um Verdachtsmomente geht.“

Über den finanziellen Schaden der Schlachtungsaktion oder Versicherungssummen ist in dem Kröpeliner Unternehmen nichts zu erfahren. Christian Hingst sagt zur OZ lediglich: „Nun werden die Ställe gereinigt und dann geht es irgendwann wieder los.“

Die Milchviehanlage war jahrelang Kröpelins größte Baustelle gewesen. Hier wuchsen Liegeboxenlaufstall, Melkhaus und Lagerhalle. Geplant wurde für rund 1800 Milchkühe, 320 Kälber und knapp 400 Tiere im Abkalbbereich. Die Arbeiten waren nach dreijähriger Planung im September 2014 gestartet.

Thomas Hoppe

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