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Bad Doberan Modellbau: Eisenbahn im Miniaturformat
Mecklenburg Bad Doberan Modellbau: Eisenbahn im Miniaturformat
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16:16 25.11.2018
Michael Giersberg (67) aus Stülow ist seit seinem 13. Lebensjahr Eisenbahnmodellbauer. Er ist Mitinitiator der Ausstellung im Kühlungsborner Hotel Aquamarin. Die erste nach 32 Jahren. Quelle: Anja Levien
Kühlungsborn

Sie sind Handwerker, Architekten und Elektriker in einem – die Modelleisenbahner, die am Wochenende ihre Anlagen bei der ersten Modelleisenbahnausstellung nach 32 Jahren in Kühlungsborn gezeigt haben. Michael und Stephan Giersberg haben die Schau im Hotel Aquamarin initiiert. Sie zeigt fiktive Landschaften und Nachbauten, alle mit Liebe zum Detail. Beim Baumaterial sind die Modellbauer kreativ, verwenden Draht, Türfurnier oder auch Aquariumfilter.

Die Idee, nach so langer Zeit in Kühlungsborn wieder eine Modelleisenbahnausstellung zu machen, kam Michael Giersberg und Sohn Stephan beim Besuch der Eisenbahnausstellung in Löbau bei einem Bier. Beide sind Mitglied der Interessengemeinschaft „Mecklenburgische Eisenbahnen“. Nach dem Anruf bei ein paar Freunden war klar, die Schau kann stattfinden. Und so sind Modellbauer aus dem Erzgebirge, Ilmenau, Weimar und Rostock mit ihren Anlagen zu Gast. „Es ist eine schöne, kleine Ausstellung geworden und ein zusätzliches touristisches Angebot“, sagt Michael Giersberg. Sohn Stephan ergänzt: „Bei dem großen Angebot an Kulinarik ist das mal was anderes.“ In Kühlungsborn sind derzeit Gourmettage.

Zwei Jahre Bauzeit

Anders als sein Vater baut Stephan Giersberg nicht selbst, unterstützt ihm aber beim Hobby. Das hat der 67-Jährige seit seiner Kindheit. „Die Eisenbahn hat mich schon immer begleitet. Ich habe Schienenfahrzeugelektriker mit Abitur bei der Reichsbahn gelernt“, sagt Giersberg. Danach hat er Biologie in Rostock studiert und seinen ersten Beruf zum Hobby gemacht. Gut zwei Jahre hat er an der Feldbahnanlage „Annerode“ im Maßstab 1:87 gebaut. Eine Lok zieht einen Wagen mit Fässern, eine andere Waggons mit Kies, eine dritte transportiert Holz. Am Flussufer angelt der Vater mit seinem Sohn, auf dem Schuppen nisten die Störche. „Ich versuche, kleine Geschichten zu erzählen, wie der Vater, der mit dem Sohn angelt“, sagt Giersberg. Die Bäume hat der Stülower zum Teil selbst aus Draht gebaut, die Holzplatten auf dem Zug sind aus altem Türfurnier, der Schuppen besteht aus Plastikstäben. Das Schöne am Bauen sei, dass er alles dabei habe: „Ich kann Architekt sein, um Häuser möglichst naturnah nachzubauen, bin Landschaftsplaner, aber auch Handwerker und Elektriker.“

Bernd Rüger, 67, aus Nassau nimmt mit seiner Anlage, ein Nachbau des Bahnhofs Dorf Chemnitz, an der Ausstellung in Kühlungsborn teil. Quelle: Anja Levien

Wenn der Stülower unterwegs ist, mache er viele Fotos und schaue, was sich nachbauen lasse. Bernd Rüger zieht zum Teil auch mit dem Zollstock los, um alles maßstabsgetreu nachbilden zu können. Der 67-Jährige aus dem Erzgebirge hat den Bahnhof Dorf Chemnitz nachgebaut. „Die Strecke ist 66 eingestellt worden“, so der Nassauer. Drei bis vier Jahre habe er am Modell gearbeitet, die Kirche, der Bahnhof, das Ausflugslokal finden sich jetzt im Miniaturformat wieder. „Es macht Spaß, alles selbst zu bauen“, sagt Rüger. Für das Baumkleid habe er beispielsweise Aquariumfilter verwendet. „Den kann man ziehen, dass er ganz fein wird“, so der Tischler. Für das Hobby brauche man Fingerspitzengefühl.

Matthias Böttcher baut Loks selbst

Sebastian Schmidt hat die fiktive Anlage „Anschluss Ettershausen“ mitgebracht, die nicht analog betrieben wird. Über den PC hat er die Weichen eingestellt, hat programmiert, wann welcher der neun Züge über die Anlage fährt. Für ihn sei das Handwerkliche und Künstlerische der Reiz am Modelleisenbahnbau. Matthias Böttcher aus Jena baut die Wagen und Loks noch selbst. Diese können sonst zum Teil fertig gekauft oder im Baukasten erworben werden. „Ich bin durch meinen Opa zur Eisenbahn gekommen. Er hat früher die Loks aus Messing und Holz gebaut, später dann aus Kunststoff“, erzählt der 47 Jahre alter Lokführer.

Liebe zum Detail: Nahaufnahmen von Anlagen der Modelleisenbahnausstellung im Hotel Aquamarin in Kühlungsborn.

Michael Giersberg hofft, durch die Ausstellung auch Nachwuchs zu finden. Modelleisenbahnbau sei nicht nur was für die ältere Generation. „Über Handyapp kann die Anlage gesteuert werden, es gibt so viel Elektrik und Digitaltechnik, das ist auch für junge Leute interessant.“

Interessengemeinschaft „Mecklenburgische Eisenbahnen“

1985 hat sich die Interessengemeinschaft „Mecklenburgische Eisenbahnen“ gegründet. Anlass dafür war, 1986 eine Ausstellung zum 100. Geburtstag der Mecklenburgischen Bäderbahn Molli auf die Beine zu stellen.

Bis zur Wende hat die Interessengemeinschaft im Gymnasium in Bad Doberan ein Mal im Jahr ausgestellt, schlossen sich nach dem politischen Umbruch den Ausstellungen in der Stadthalle Rostock an, erzählt Michael Giersberg. Als die Schau dann in die Messe zog, wurde es den Eisenbahnfans zu kommerziell.

20 Mitglieder zählt die Interessengemeinschaft heute. Sie treffen sich vier Mal im Jahr.

Anja Levien

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