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Bad Doberan Müllwerker wider Willen erwarten Hilfe
Mecklenburg Bad Doberan Müllwerker wider Willen erwarten Hilfe
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00:00 17.04.2013
Die Entsorger sind geschützt, die Bürger nicht. Wer haftet, wenn uns was beim Tonnenschieben passiert?“ Klaus Sawallisch (75), Bargeshagen Quelle: Klaus Walter
Bad Doberan

Ihr Problem ist alt. Auch sie sind nicht mehr die Jüngsten, doch sie werden nicht müde: Heute wollen Vertreter der Bürgerinitiative „Schildbürgerstreich Müllabfuhr“ die Bürgersprechstunde von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) in Bad Doberan nutzen, um endlich Hilfe und Gehör zu finden: Genau 190 von rund 34 000 Grundstückseigentümern im Altlandkreis Bad Doberan sind seit fast fünf Jahren Woche für Woche gezwungen, ihre Mülltonnen oft über hunderte Meter hinweg auf sogenannte Sammelplätze zu schieben. Bei Wind und Wetter, Glatteis, vollem Unfallrisiko und ganz gleich, ob jung und kräftig oder alt und gebrechlich. Für sie gilt die „grundstücksbezogene Hausmüllentsorgung“, wie sie in den Satzungen und Verträgen des Landkreises festgeschrieben ist, nicht mehr.

„Zehn Jahre lang funktionierte die Müllabfuhr bei uns reibungslos“, erzählt Günter Müller (75) aus Bargeshagen. „Dann plötzlich kam ein Schreiben vom Amt, dass unsere Straßen zu eng sind, die Müllfahrzeuge nicht mehr wenden oder rückwärts fahren dürfen.“ Der „Unfallschutz für die Müllwerker“ sei vorgeschoben worden, angeblich von seiten der Berufsgenossenschaften. Seitdem, so berichtet Müller, müssten die Bürger „zwangsverpflichtet“ ihre Mülltonnen oft ganze Straßenzüge entlang zu Sammelplätzen schieben, die es mittlerweile in 23 Städten und Gemeinden im Altkreis Bad Doberan gibt.

„Das volle Unfallrisiko tragen seitdem die Anwohner“, schimpft Klaus Sawallisch (75) aus Bargeshagen. „Und die haben keinen Versicherungsschutz beim Tonnenschieben wie die Müllwerker.“

Weil die Proteste Einzelner nichts nützten, gründete sich die Bürgerinitiative „Schildbürgerstreich Müllabfuhr“. Doch auch ihr Protest bei der Kreisverwaltung, bleibt seit Jahren ungehört, findet oft nicht einmal Antwort. Mehrere Schreiben an Landrat, Kreistagspräsidentin, Entsorgungsfirmen und viele Politiker aller Fraktionen sind ohne Antwort geblieben.

Tatsächlich hat es schon zwei Unfälle gegeben, wie Ewald Wysgalla (81) aus Hohenfelde berichtet. Ein Betroffener landete am 23. Dezember verletzt im Krankenhaus. Er konnte sein Weihnachtsfest „buchstäblich in die Tonne treten“.

Als dreist bezeichnet Wysgalla das Angebot der Kreisverwaltung, gegen eine Extra-Gebühr von 4,20 Euro pro Tonne und Abholvorgang die „grundstücksbezogene Entsorgung“ wieder in Kraft setzen zu wollen.

„Wenn man zahlt, sind die Straßen plötzlich wieder breit genug, das angebliche Unfallrisiko für die Entsorger ist verschwunden und der ,Tonnendienst‘ klappt reibungslos“, sagt Wysgalla, dessen Nachbar den teuren Service ausprobiert hat. Besonders frech ist aus seiner Sicht, dass die 190 Haushalte sogar für die Gelbe Tonne, deren Aufstellung und Abfuhr durch das „Duale System Deutschland“

bereits voll bezahlt ist, die Extra-Gebühr entrichten sollen. Genauso wie für die Blaue Tonne, die sich über die Verwertung des Altpapiers voll finanziert.

Das Problem der „Müllwerker wider Willen“, wie sie sich oft selbst nennen, wird nicht das einzige sein, mit dem Ministerpräsident Erwin Sellering in seiner 40. Bürgersprechstunde konfrontiert werden wird. Die Schließung des Amtsgerichts Bad Doberan, der Verlust der Kreisverwaltung und der Verfall der Villen der Perlenkette in Heiligendamm sind weitere Themen, zu der die Bürger Lösungen erwarten.

Sellering ist überzeugt, in puncto Bürgernähe auf dem richtigen Weg zu sein. „Die Zahl der Bürger, die sich an mich wenden zeigt, wichtig solche Sprechstunden sind“, sagte er. Immerhin lagen bis gestern Vormittag 39 Anmeldungen vor — und deshalb wird Sellering seine Doberaner Sprechstunde voraussichtlich am Freitagnachmittag fortsetzen.

Beschämend
Es ist mehr als respektlos, mit welcher Arroganz und Ignoranz vom Steuergeld der Bürger bezahlte Verwaltungsangestellte in der Kreisverwaltung — und sogar gewählte Kreistagsmitglieder — reagieren, wenn die Männer und Frauen der Bürgerinitiative „Schildbürgerstreich Müllabfuhr“ ihre berechtigten (!) Forderungen in Bürgerfragestunden der Ämter und im Kreistag vortragen. Ich habe mehrfach mit ansehen müssen, wie gewählte Volksvertreter demonstrativ gelangweilt mit den Augen rollten. Das ist beschämend. — Den 190 Hauseigentümern, die auf Betreiben der Kreisverwaltung und in vollem Bewusstsein der Politik aus der Solidargemeinschaft aller ausgeschlossen wurden, ist nur zu wünschen, dass wenigstens der Ministerpräsident ihnen zuhört und — vor allem — hilft.
Aus der Ausschreibung zum Entsorgungsvertrag
„Der Bieter hat sich über das Straßennetz des Landkreises Bad Doberan, insbesondere über schmale und z.T. unbefestigte Straßen sowie u.U. bestehende weitergehende Einschränkungen in der Befahrbarkeit, z. B. mit 3-achsigen Fahrzeugen, eigenverantwortlich zu informieren . . . Der Auftragnehmer hat die Entsorgung aller Grundstücke sicherzustellen, die sich mit einem 2-achsigen Müllfahrzeug . . . anfahren lassen. Weiterhin hat der Auftragnehmer alle möglichen Ausnahmevorschriften und Übergangsregelungen (z.B. §§35 STVO, 39 BGV C27) zum Anfahren der Grundstücke zu nutzen.“

Klaus Walter

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