Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 13 ° heiter

Navigation:
Nach 146 Jahren neue Wasserrohre

Rostock Nach 146 Jahren neue Wasserrohre

Vor der Nikolaikirche in Rostock läuft die Sanierung der Versorgungsleitungen, bevor der Platz gestaltet werden soll.

Voriger Artikel
Wochenmarkt am See geplant
Nächster Artikel
Schul-Sanierung wird teurer

Udo Schultz zeigt drei Leitungsgenerationen: Holz (um 1810), Guss (1867) und Kunststoff (2013).

Rostock. Wenn die Bauarbeiter Pause machen, wird Marlies Konze richtig produktiv. Die Archäologin vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege hat einen eigenen Baucontainer mit ihrem kleinen Büro auf der Baustelle vor der Nikolaikirche. Sie zeigt die Zeichnung einer Mauer auf Millimeterpapier. „So dokumentiere ich die Grundmauern der ehemaligen Gebäude, wie wir sie hier unter der Erde vorfinden“, erzählt sie.

0000zeu3.jpg

Wo Archäologin Marlies Konze steht, endete einst das Originalhaus aus dem 13. Jahrhundert. Erst um 1700 wurde es zur Straße hin erweitert.

Zur Bildergalerie

Bis zum ersten Bombenangriff auf Rostock im Zweiten Weltkrieg 1942 war der Platz bebaut. Mit verschiedenen Farben kennzeichnet Konze die Bauzeit. „Das hier ist eine typische Brandmauer“, erzählt sie, in der Baugrube stehend. Sie stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert. Besonders interessant ist dabei, dass die Mauer an einer Stelle endet, das Haus aber noch weiter geht. Offenbar ist um 1700 angebaut worden — die Fassade des Hauses und zweier benachbarter Häuser näher an die Straße Am Wendländer Schilde gerückt. Entsprechend markiert Konze die Stellen in ihrer Zeichnung mit einer anderen Farbe. Die Zeichnungen fertigt sie meist in den Pausen der Tiefbauer an — viel Zeit hat sie nicht. Die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (RGS) gestaltet im Auftrag der Hansestadt den Platz zwischen Mühlenstraße, Nikolaikirche und Am Wendländer Schilde um. Zeitgleich lässt Eurawasser das Trink- und Abwassernetz unter dem Platz und den angrenzenden Straßen sanieren. Dafür muss der Boden bis auf ein bestimmtes Niveau ausgehoben werden. „Bis zu der Tiefe dokumentiere ich“, sagt Konze. „Wir graben das aus, was vom Bau vernichtet wird.“ Alles, was noch tiefer liegt, bleibt dort. Sollte irgendwann in der Zukunft noch tiefer gegraben werden, sollen dann die Archäologen mit ihren vermutlich weiter entwickelten Methoden auch noch etwas vorfinden.

Aus einer längst vergangenen Zeit stammen auch die Wasserleitungen, die die Kanalarbeiter derzeit erneuern. „Die Trinkwasserleitung ist von 1867, die Schmutzwasserrohre von 1880“, erzählt Udo Schultz, Oberbauleiter bei Eurawasser. Außerdem stoßen die Bagger hin und wieder auf alte Holzrohre. „Die wurden in Rostock zuletzt um 1810 verlegt“, sagt Schultz.

Um die Erreichbarkeit des Quartiers für Anwohner und Autofahrer zu erhalten, wird in mehreren Bauabschnitten gebaut. Die neue Kunststoff-Leitung für Trinkwasser ist Am Bagehl bereits verlegt, die getrennten Kanäle für Schmutzwasser folgen in den nächsten Tagen. „Früher hat man das in einem entsorgt, heute wird getrennt“, erklärt Schultz. Das Wassernetz aus dem 19. Jahrhundert wird zwischen Bagehl, Nikolaikirche und Grubenstraße komplett saniert.

Erst danach kann die RGS mit der Neugestaltung des Platzes beginnen. Das wilde Parken soll es künftig nicht mehr geben. Verweilflächen mit Bäumen werden entstehen und Mauerscheiben sollen an die frühere Bebauung erinnern. Das Originalpflaster wird wieder verbaut, aber an den Straßenrändern radfahrerfreundlich verlegt. Ebenso bleiben die Schienen erhalten, die daran erinnern, dass einst eine Straßenbahn durch die Östliche Altstadt nach Gehlsdorf fuhr. Außerdem soll der ganze Platz einschließlich Kirche künftig für Rollstuhlfahrer erreichbar sein. Auch Parkplätze entstehen wieder — allerdings nur 38, wo bisher bis zu 80 Autos standen. Dafür würden im benachbarten Petriviertel neue Parkplätze angelegt, sagt RGS-Geschäftsführer Reinhard Wolfgramm. Die komplette Umgestaltung soll bis September 2014 abgeschlossen sein. Sie kostet 1,35 Millionen Euro. Hinzu kommen noch 860 000 Euro für die Sanierung des Wassernetzes.

Die Baustelle in Zahlen

445 Meter lang ist das Trinkwassernetz von 1867, das jetzt saniert wird. Die Leitungen liegen etwa zwei Meter tief. Bis zu

vier Meter tief liegt künftig das

jeweils 380 Meter lange Regen-

und Schmutzwassernetz. Bislang

wurde hier beides zusammen als Mischwasser entsorgt.

2,2 Millionen Euro kostet die gesamte Baumaßnahme. Das Geld kommt aus Städtebaufördermitteln, ein Drittel zahlt die Hansestadt Rostock.

38 Parkflächen wird es künftig auf dem Platz geben, darunter drei Behindertenparkplätze.

 

 

Ove Arscholl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bad Doberan
Verlagshaus Bad Doberan

Service-Center:
Am Markt 2
18209 Bad Doberan

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
10.00 bis 17.00 Uhr

Redaktion:
Alexandrinenplatz 1 a
18209 Bad Doberan

Leiterin Lokalredaktion: Anja Levien
Telefon: 0 38 203 / 55 300
E-Mail: bad-doberan@ostsee-zeitung.de

Beilagen
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.