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Neubukow Ausschuss gegen höhere Anlagen in Ortsnähe
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow Ausschuss gegen höhere Anlagen in Ortsnähe
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03:43 28.08.2013
Um 2002 entstand der Windpark Kröpelin nahe der Ortschaft Hanshagen. Jetzt sollen zwei neue Anlagen drei alte ersetzen. Quelle: RoBa
Kröpelin

Die Energiewende in Deutschland macht auch vor den Gremien der Kommunalpolitik nicht Halt. So hatte sich der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau, Planung, Umwelt und Landschaftsschutz der Stadt Kröpelin am Montagabend mit einem Antrag auf Änderung des Bebauungsplanes für den „Windpark Kröpelin“ im westlichen Randgebiet der Stadt zu befassen.

Die Betreiber des 2002 in Betrieb genommenen Windparks haben den Antrag gestellt, drei der über zehn Jahre alten 70 Meter hohen Anlagen durch zwei neue, effizientere Windmühlen zu ersetzen.

Vorgesehen ist eine Höhe von 125 Metern. Umsetzen will der Betreiber das „Repowering“ der Anlagen im Jahr 2015.

„Der Investor begründet seinen Antrag damit, dass neuere Anlagen wesentlich effizienter arbeiten und so mehr Strom gewonnen werden kann“, machte Bauamtsleiter Rüdiger Kropp die Ausschussmitglieder mit der Argumentation des Investors bekannt. Der Amtsleiter wies aber auch darauf hin, dass die Nähe dieser Anlagen zur Wohnbebauung schon jetzt sehr knapp bemessen sei. Eine der Anlagen, die erneuert werden soll, stehe schon jetzt nur 460 Meter vom nächsten Wohnhaus im Ortsteil Hanshagen entfernt.

„Bei der Argumentation gegen Windkraftstandorte in Brusow haben wir uns schon daran gestört, dass Standorte für Anlagen 1000 Meter von der Ortsanlage entfernt ausgewiesen werden sollten“, erinnerte Kropp an vielfachen Protest gegen Windkraftpläne im Ortsteil Brusow. Auf die Frage von Ausschussmitglied Guido Winkler, ob man das Vorhaben bei Hanshagen denn verhindern könne, meinte Kropp, dass eine Erweiterung, wie sie vom Investor beabsichtigt wird, nur über eine Änderung des Bebauungsplanes möglich sei.

Darüber aber entscheide die Kommune. Deshalb riet der Amtsleiter, über den Antrag die Stadtvertretung in einer ihrer nächsten Sitzungen entscheiden zu lassen. Der Bauausschuss aber könne schon mal eine Empfehlung aussprechen. Zwar wurde schon in der Diskussion eine ablehnende Haltung der meisten Ausschussmitglieder erkennbar. Aber es gab auch den Rat, nichts zu überstürzen. Karin Reichler (CDU) meinte, sie könne zum jetzigen Zeitpunkt weder für eine Ablehnung noch für eine Zustimmung plädieren. Dafür wisse sie noch zu wenig über dieses Vorhaben.

So wurde noch kurz darüber beraten, ob man den Investor zu Planungsdetails im Ausschuss oder in der Stadtvertretung anhören sollte, entschied sich dann aber dafür diese Anhörung gleich im größeren Rahmen durchzuführen. „Wenn wir mit dem Investor jemanden anhören, der Argumente für das Projekt vorträgt, dann sollten wir auch die andere Seite, die dagegen ist, zu Wort kommen lassen“, schlug Guido Winkler von der Freien Wählergemeinschaft Kröpelin vor. Das könne man machen, dafür sei wohl noch Zeit, fand auch Kropp. Eine Mehrheit von vier Mitgliedern votierte für die Empfehlung des Ausschusses an die Stadtvertretung, das Vorhaben abzulehnen. Zwei enthielten sich.

Obwohl der Antrag zur Änderung des B-Planes Gegenstand der öffentlichen Beratung im Bauausschuss war, scheinen vom Vorhaben unmittelbar betroffene Bürger noch völlig ahnungslos zu sein. „Nein, von einer beabsichtigten Vergrößerung der Anlagen wissen wir nichts“, meinte gestern Annett Jakubzyk auf Anfrage der OZ. Die 45-Jährige will von Börgerende-Rethwisch nach Hanshagen umziehen, wo sie mit ihrer Familie gerade ein Eigenheim baut — in unmittelbarer Nachbarschaft zum Windpark „Kröpelin“.

Die künftige Bewohnerin von Hanshagen erklärte auch, dass sie durchaus offen sei für Windkraft. „Das kenne ich ja schon aus Rethwisch. Aber wenn man schon neue Anlagen bauen will, dann kann man nicht dafür ausgerechnet die Standorte in Ortsnähe auswählen. Hinten auf dem Feld ist genug Platz. Da können sie von mir aus größere Mühlen bauen“, meinte Annett Jakubzyk. Helga Westendorf (76) pflichtete ihrer zukünftigen Nachbarin bei und erklärte: „Wenn sie mit neuen Anlagen mehr Strom erzeugen können, dann sollten wir auch als Verbraucher davon profitieren. Aber Leider ist das Gegenteil der Fall.

Man setzt uns die Mühlen vor die Nase und dann wird der Strom auch noch teurer.“

Rolf Barkhorn