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Neubukow Bald dreht sich Brusows umstrittenes Windrad
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow Bald dreht sich Brusows umstrittenes Windrad
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01:23 13.01.2015
Ende Januar soll das Windrad bei Brusow stehen. Bauleiter Florian Begerow musste den Bau wegen des Sturms unterbrechen. Quelle: Jens Wagner

Ganze 92 Meter hoch sind die beiden neuen Windkraftanlagen, die in nur knapp einem Kilometer Luftlinie von Brusow stehen. Ein neuer Prototyp des Reriker Windenergieunternehmens Eno Energy steht bereits. Weniger Meter daneben wird zur Zeit eine zweite Anlage gebaut. Bis Ende Januar sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. „Eigentlich sollte die zweite Windkraftanlage längst stehen“, sagt Bauleiter Florian Begerow. Schon Mitte Dezember hatten die Arbeiten dort begonnen. Knapp eine Woche dauere der Aufbau unter guten Wetterbedingungen. „Doch durch die Stürme mussten wir den Aufbau des Windrades abbrechen“, sagt Begerow. Deshalb hat er die Baustelle in den vergangenen Tagen allein überwacht, den Monteuren frei gegeben. Jetzt hofft er, dass sich die Rotorblätter spätestens Ende Januar drehen.

Bis dahin soll sein zehnköpfiges Team alles aufgebaut haben. Der Turm steht schon. „Der besteht aus vier Einzelteilen, die mit dem Kran nacheinander aufgetürmt werden. Dann werden Triebstrang und Nabe aufgesetzt, zum Schluss die Rotorblätter“, erklärt Bauleiter Florian Begerow. Mit einer so genannten Nennleistung von 3,5 Megawatt und 114 Meter langen Flügeln wird so künftig auch von Brusow aus frische Windenergie in das örtliche Stromnetz gespeist. „Der erzeugte Strom wird erst im Trafohäuschen direkt an der Anlage aufgefangen, dann unterirdisch mit Kabeln zur so genannten Kundenübergabestation im Ort geleitet“, sagt Begerow. Und von dort wird er in das Netz von Stromversorger Edis geleitet.

Heute sollen die Monteure ihre Arbeit wieder aufnehmen — wenn der Wind es zulässt. „Dann geht hoffentlich alles gut über die Bühne“, sagt Florian Begerow — zur Not auch in Nachtschichten. „Da geht der Wind häufig zurück — und wir müssen ja fertig werden.“ Wenn das zweite Windrad bei Brusow steht, sollen erstmal keine weiteren folgen — jedenfalls nicht für Florian Begerow und sein Team.

„Als nächstes steht ein Projekt in Schweden auf dem Plan, dann eines in Wansleben bei Halle“, sagt er.

Gegen den Bau der Windkraftanlagen regt sich jedoch auch Widerstand. Die Bürger von Brusow und Glashagen befürchten weiter Einbußen ihrer Lebens- und Wohnqualität. Ulrich Tauchel von der „Bürgerinitiative gegen Windkraftanlagenbau in der Region Brusow/Glashagen“ weiß: Den Bewohnern schmeckt das gar nicht. „Wenn der Wind aus südwestlicher Richtung weht, hört man die Anlagen in Glashagen so laut als wären es Düsenjets“, klagt Tauchel.

Wie schlimm müsse es dann in Brusow sein? Dort werde der vorgeschriebene Abstand von der Anlage bis zum Wohngebiet von 1000 Metern nur ganz knapp eingehalten. „Auch wenn rechtlich alles in Ordnung ist und die Baugenehmigung erteilt wurde: Das ist zu dicht“, sagt Ulrich Tauchel.

Generell sei die Bürgerinitiative nicht gegen Windenergie, aber dagegen, in so beengtem Raum wie zwischen Brusow, Glashagen, Retschow und Reddelich zu bauen. Und: „Das Planungsverfahren läuft noch.

Für die Region um Kröpelin könnten so noch mehr Windräder genehmigt werden“, sagt er.

Reriker Unternehmen macht seit 1999 Wind
3500 Kilowatt erzeugt eine Windkraftanlage des Typs „Eno 114“ der Firma Eno Energy. Mit einer Nabenhöhe von 92 Metern und 114 Meter langen Rotorblättern ist diese Anlage eine der stärksten des Unternehmens, das seinen Hauptsitz in Rerik und Rostock hat.
200 Mitarbeiter sind bei Eno Energy beschäftigt. Das Unternehmen wurde 1999 in Rerik gegründet.



Michaela Krohn

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