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Neubukow Brieftauben sind ihre Leidenschaft
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow Brieftauben sind ihre Leidenschaft
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00:01 28.10.2017
Karl-Heinz Zechert (li.) und Rudolf Klatt sind die beiden einzigen Brieftaubentüchter im Neubukower Verein „Eilbote“. FOTOS (2): SABINE HÜGELLAND
Neubukow

. Brieftauben waren einst Überbringer wichtiger Nachrichten. Der starke Orientierungssinn, auch Heimfindeverhalten genannt, ist ihnen angeboren. Die auch als Haustauben bezeichneten grau gefiederten Vögel können mehr als 1000 Kilometer zurücklegen. Damit sie das schaffen, werden sie von Brieftaubenzüchtern, wie Rudolf Klatt und Karl-Heinz Zeckert, trainiert. Die beiden gehören dem Neubukower Brieftaubenzuchtverein „Eilbote“ an, den es seit Anfang der 1950er Jahre gibt. Doch sie sind die einzigen verbliebenen Mitglieder des Vereins. Dem „Eilboten“ fehlt es an Nachwuchs.

Rudolf Klatt und Karl-Heinz Zeckert sind die letzten Mitglieder des Züchtervereines „Eilbote“

„Brieftauben sind aufwendig und brauchen viel Pflege“, sagt Rudolf Klatt. Um sechs Uhr in der Früh ist er bereits an den Käfigen, die täglich gereinigt werden. Zwei Mal am Tag wird trainiert – und an den Wochenenden von Mai bis August gehen sie auf Reisen. „Es ist ein aufwendiges Hobby“, schlussfolgert Rudolf Klatt. Er sieht sich als Trainer seiner Sportler, denn der Züchter nimmt an Flugwettbewerben teil. „Brieftaubenzucht ist Sport“, betont der 81-Jährige.

Wenn die Tauben zu Wettkämpfen auf Reisen sind, ist der Reisevereinigungs-Vorsitzende der wichtigste Ansprechpartner für die Züchter. Er hält den Kontakt zu den Fahrern und dem Flugleiter. Die Tauben besitzen einen elektronischen Flugring, der übermittelt, wann sie ihren Heimatschlag erreicht haben. An den Kosten für den Speziallaster, dem Kabinenexpress beteiligen sich viele Brieftaubenzüchter der Region von Rostock bis nach Ribnitz-Damgarten.

Zwölf Touren fliegen die Alttiere im Jahr. Vier Flüge von bis zu 50 Kilometern die Jüngeren. Der Anreiz, warum der Neubukower sich für den Taubensport interessiere, sei, dass er so mit anderen kommunizieren könne. Für 400 Kilometer brauchen Brieftauben etwa fünfeinhalb Stunden, wenn die Wetterverhältnisse stimmen und kein Gegenwind herrscht. „600 bis 800 Kilometer schaffen sie an einem Stück“, sagt der Kfz-Meister.

„Aber nicht alle Vögel kommen zurück“, erklärt Klatt. „Das liegt zum Teil daran, dass mehr Greifvögel unterwegs sind. Wenn unsere Tiere lange fliegen, verlieren sie an Kraft und dann sind sie schnelle Beute.“

Auch Karl-Heinz Zeckerts Vögel erhielten viele Pokale und das, obwohl er 2004 nach jahrzehntelanger Pause erst wieder damit begann. Als 14-Jähriger trat Zeckert 1951 dem Verein bei. Seine Tauben flogen unter anderem in diesem Jahr 650 Kilometer von Warschau nach Hause. „Im Schnitt sind unsere Vögel 70 km/h schnell“, schätzt der 65-Jährige. Und ergänzt: „Früher hielten viele Bauern Tauben. Heutzutage ist Taubenzucht kaum noch möglich. In Neubaugebieten mit Einfamilienhäusern ist das Halten von Kleintieren oft verboten. In Malpendorf, wo ich wohne, gibt es keine Probleme.“ 70 Brieftauben leben bei ihm im Taubenschlag. „Das sind so liebe Vögel“, sagt der ehemalige Berufskraftfahrer. Auch Klatt ist fasziniert von der Treue seiner 80 Brieftauben, mit denen er im kommenden Jahr wieder an Wettbewerben teilnehmen möchte: „Sie wollen absolut nach Hause.“

Die Leidenschaft für ihr Hobby würden die beiden Männer gern an den Vereinsnachwuchs weitergeben. Doch die Hoch-Zeiten des „Eilbotens“ sind vorbei. „Zu DDR-Zeiten besaß der Verein bis zu 20 Mitglieder“, so Klatt: „Nach der Wende wurde die Zeit knapper, viele zogen auch weg.“

Interessenten können sich unter

☎ 0152 / 5 71 44 46 melden.

Sabine Hügelland

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