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Neubukow Bürgermeister über Ruhestands-Beschluss fassungslos
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow Bürgermeister über Ruhestands-Beschluss fassungslos
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08:00 22.03.2014

„Sie können ja schreiben, dass Sie eine große Umfrage in der Stadt gemacht haben und innerhalb der Bevölkerung die einhellige Meinung herrscht: ,Er muss weg‘“, schlägt eine Kröpelinerin dem OZ-Reporter ganz forsch vor, als er sie nach ihrer Meinung zum Ruhestandsbeschluss der hiesigen Volksvertreter für Rathauschef Hubertus Wunschik (Grüne) befragt. Der Beschluss war am Donnerstagabend im nichtöffentlichen Teil der 40. Stadtvertretersitzung einstimmig gefasst worden, OZ berichtete gestern.

Darüber sei er fassungslos, sagt Kröpelins Bürgermeister, der seit dem 9. April 2013 krankgeschrieben ist. „Dieser Beschluss reiht sich ein in die Strategie der Stadtvertreter, mich seit meinem Amtsantritt 2008 los werden zu wollen. Nach vielen Schikanen, misslungenen Dienstaufsichtsbeschwerden, misslungenem Abwahlverfahren und mehreren Strafanzeigen von Stadtvertretern — die allesamt eingestellt wurden, weil an den Anschuldigungen nichts dran war — soll ich jetzt also aufgrund von Krankheit gehen. Ich bin einigermaßen fassungslos: Niemand aus der Stadtvertretung hat sich je bei mir erkundigt, wie es mir geht. Der Grund für meine Krankheit ist doch das Mobbing!“, betont der Rathauschef am OZ-Telefon. Gefragt nach dem letzten „Gesprächsangebot“ des Stadtvertretervorstehers, Jürgen Borchardt, auf das dieser gegenüber der OZ verwiesen hatte, antwortet Hubertus Wunschik: „Das bezog sich allein auf die beabsichtigte Versetzung in den Ruhestand, nicht auf eine Verbesserung der Situation zwischen Stadtvertretung und Bürgermeister“.

„Die Zusammenarbeit eines Bürgermeisters mit der Stadtvertretung ist noch nie so eskaliert“ schätzt auch die Dame „ohne Zeitungsnamen“ ein, bevor sie meint, dass es nun natürlich von der „neuen Personalie“ abhänge, ob es in der Stadt endlich vorangehen werde, oder nicht. Für Möpper Kruse vom Restaurant „Zum Giebel“ ist das dagegen gar keine Frage. Auch nach 12 Uhr will er gestern zwar noch nichts vom Ruhestandsbeschluss für den Bürgermeister gehört haben, aber er betont, dass er keinen Kontakt mehr zu Hubertus Wunschik habe: „Früher, als er am Anfang noch beim Fußball war, oder als er hier noch essen kam... aber seitdem er aus dem Rennen ist, Schluss aus, fertig ist.“ Sein Fazit: „Wenn er weg ist, geht es hier auf alle Fälle voran. Klar! Es war ja auch schlecht, was die sich in der Wolle hatten.“

Differenzierter sieht es ein Mittagsgast im „Giebel“, der seit 1951 in Kröpelin lebt und darauf verweist, dass es in der Stadt schon lange zwei Parteien gebe: „Die einen wollen was sie wollen und die anderen wollen das nicht, was die anderen wollen. Die setzen sich nicht an einen Tisch und sprechen wie erwachsene Leute.“ Auch er möchte nicht namentlich genannt werden, aber ist sicher: „Jetzt wird es schlechter, logisch.“ Auch am Mittagstisch von Manfred Pfeffer ist der Ruhestandsbeschluss ein Gesprächsthema. Für ihn und seinen Enkel ist klar, dass Bürgermeister und Stadtvertretung gut zusammenarbeiten müssen, wenn es in Kröpelin vorangehen soll. Unterschiedlich schätzen die Bauingenieure jedoch die gegenwärtige Lage ein: Während Opa Manfred klar sagt, dass es höchste Zeit für so eine Entscheidung der Stadtvertreter gewesen sei, meint Enkel Christian Wengatz: „2008 war auf frischen Wind gehofft worden. Ich bin sehr enttäuscht, wie sich das Ganze entwickelt hat. Ich kann nicht verstehen, dass die so gegeneinander arbeiten. Der Bürgermeister trägt auch eine gewisse Schuld dafür, aber nicht zu 100 Prozent. Nun hat er mehr Zeit für seinen Verein. Das scheint ja zu funktionieren.“

Für Christel Kröning ist trotz allem zu wenig in Kröpelin los. Früher hätte es mehr Tanz und auch Kino gegeben, meint die 75-jährige Mutter zweier Kinder. Sie hat Hubertus Wunschik vor drei Jahren einmal zu ihrer Goldenen Hochzeit gesehen — ansonsten habe sie zu ihm keinen Kontakt, weiß deshalb nicht, ob der Ruhestand eine gute Idee wäre. Sie sagt allerdings, auch andere Bürgermeister hätten hier wenig erreicht, das hänge wohl mittlerweile auch mit der zerfallenen Gemeinschaft der Kröpeliner zusammen.

Der für seine kritischen Auftritte bei Bürgerfragestunden bekannte Ulrich Holdack aus Brusow sieht Hubertus Wunschik ganz anders: „Also ich war mit ihm zufrieden. Wenn ich ihn auf der Straße angesprochen habe, hat er mir klipp und klar eine Antwort gegeben. Aber er kam mit seiner Antwort nicht ins Rathaus rein, weil sie ihn da wieder blockiert haben.“ Dagegen freut sich der Vorsitzende des Ortsrates von Altenhagen, Helmut Lehner, darüber, „dass die Verwaltung jetzt wieder vernünftig besetzt wird.“ Er hoffe es zumindestens, denn noch wisse man ja nicht, wer neuer Bürgermeister wird, ergänzt er schnell. So wie jetzt, gehe es nicht weiter: „Nun ist es ja auch so, dass noch Frau Erdmann ihrem Ruhestand entgegengeht und das vertretungsweise macht — also nur noch Pflichtaufgaben erfüllen kann. Da guckt keiner mehr in die Zukunft“, schätzt der einstige Stadtvertreter ein. Zudem gebe es Stagnation, weil sich niemand mehr aus dem Fenster lehnen wolle. „Wichtig ist, dass künftig das, was an die Verwaltung herangetragen, auch umgesetzt wird und nicht liegen bleibt, wie zum Beispiel unsere Straße oder die Frage der Verlegung des Altenhäger Spielplatzes.“ Es fehle derzeit eine Rückantwort aus dem Rathaus. „Es wird einfach ausgesessen“, sagt Helmut Lehner. Ganz anders sieht diese Fragen die Leiterin der Kröpeliner Grundschule, Manuela Jürgens: „In den Monaten, die der Bürgermeister nun schon krank ist, habe ich alles, was ich für die Schule zu regeln hatte, durch Frau Erdmann regeln können. So hat in der Zusammenarbeit Stadt — Schule keine

Stagnation stattgefunden.“

Apropos Krankschreibung des Bürgermeisters. „Das amtsärztliche Gutachten bestätigt, dass ich als Bürgermeister diensttauglich bin, nur eben nicht in der Stadt Kröpelin...“, erklärt Hubertus Wunschik noch und stellt die Frage in den Raum „Warum wohl?“, bevor er abschließend sagt: „Ich werde mich mit meinem Anwalt über das weitere Vorgehen beraten.“



Thomas Hoppe

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