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Neubukow Die Straße war frei, plötzlich knallte es
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow Die Straße war frei, plötzlich knallte es
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00:00 01.04.2014
Der Baggerarm schlug aus der Brücke eine Stück Beton heraus und spritzte Hydrauliköl auf den Hundehäger Weg. Quelle: Feuerwehr Kröpelin

„Das war ein Schreck, aber wie“, sagt der Kröpeliner, der sich gestern Morgen in ein paar Sekunden quasi seine stundenlangen Mühen vom Wochenende wieder zunichte gemacht hatte.

Gegen 6.15 Uhr war er an diesem Montagmorgen auf der Umgehungsstraße mit dem Arm eines Mietbaggers gegen die Betonbrücke gestoßen, auf der der Hundehäger Weg entlangführt. „Ich habe immer geguckt, dass ich rechts und links schön die Spur halte, weil das Ding ja auch ziemlich breit ist“, schildert er seine Fahrt zur Tankstelle, die er sich am Vorabend extra angeschaut hatte, damit er dort nicht mit den Dächern über den Zapfsäulen kollidiere. „Dass die Brücke zu niedrig sein könnte, hatte ich überhaupt nicht im Blick“, ärgert sich der Kröpeliner, der mit dem Gerät am Freitag und Sonnabend für die Kirchengemeinde mehrere Baumwurzeln ausbaggerte und es an diesem Morgen nach Reddelich zur Mietstation zurückbringen wollte. 6.30 Uhr sollte er den Bagger abgeben. Doch der wurde, schwer beschädigt, erst Stunden später auf den Hof gebracht. Er hatte mit seinem Arm von der Brücke ein 30 mal 30 Zentimeter großes Betonstück herausgeschlagen. Nach Angaben vom Sprecher der Polizeiinspektion Güstrow, Gert Frahm, entstand ein Gesamtschaden von 120 000 Euro.

Nachdem es an der Brücke geknallt hatte, muss der Fahrer einen kurzen Aussetzer gehabt haben, denn er sagt: „Da war ein bisschen was weg bei mir und dann hörte ich schon die Sirene. Es hatte jemand den Unfall gesehen und die Feuerwehr alarmiert. Er winkte mir auch zu: ,Alles in Ordnung?‘ und ich sagte ja — dann dauerte es keine zehn Minuten mehr, bis Hilfe kam.“

Als er realisiert hatte, dass oben aus einem defekten Schlauch Öl „rauskleckste“, war unten auf der Straße schon ein großen Fleck zu sehen. Wohl erst dann schaltete er den Baggermotor aus und stoppte damit auch die Hydrauliköl-Pumpe. Bis dahin war durch sie eine ganze Menge Öl auf den Hundehäger Weg geblubbert. Insgesamt 25 Säcke mit „Elephant Sorb“-Ölbindemittel mussten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Kröpelin auf der Brücke und auf der Straße darunter verteilen.

Da die Leute, die dort mit ihrem Auto lang mussten, einfach durch die Öl-Lachen fuhren, wie Gemeindewehrführer Roland Bull berichtet, „wurde der ganze Kram Richtung Steffenshagen, zur Milchviehanlage und auch stadteinwärts zum Friedhof auseinandergefahren“. Schließlich waren neben den zehn Feuerwehrleuten, Mitarbeiter der Straßenmeisterei Kröpelin und des Bauhofs der Stadt zusammen fast viereinhalb Stunden im Einsatz.

Die Kameraden der Kröpeliner Feuerwehr waren gestern genau 6.27 Uhr alarmiert worden. Der Gemeindegerätewart, Christian Framm, seit einiger Zeit Hausmeister der Kröpeliner Grundschule, wollte sich gerade auf den Weg zu seiner Arbeit machen. Auch Kamerad Jürgen Eckert, in der Landwirtschaft beschäftigt, war drauf und dran in seine Werkstatt zu gehen. „Wir bereiten die Technik vor, am Mittwoch gehts in die Kartoffeln.“

„Ich habe noch geschlafen, als der Alarm kam“, sagt Feuerwehrmann Maik Wirkus, der in der Bützower Straße wohnt. In etwa drei Minuten will er schon im Gerätehaus (für ihn einmal um die Ecke) gewesen sein. Von Beruf ist der Mann Baggerfahrer und er sagt zum Unfall: „Das Problem ist ja auch manchmal, du hast keine erfahrenen Leute, die sich so eine Mietmaschine holen...“. Obwohl der Kröpeliner Pechvogel von gestern schon vor Jahren Erfahrungen mit Baggerarbeiten gesammelt hat, wie er erzählt — auch besitze er „alle Führerscheine, die es so gibt.“ Trotzdem musste er nun gestern auch noch zum Doktor. „Ich bin so gegen das Lenkrad geknallt, wahrscheinlich habe ich mir den Brustkorb geprellt“, sagt er mittags. Da hat es sich Kameradin Gabriele Möller aus Boldenshagen zu Hause erst einmal gemütlich gemacht, weil ihr Frühstück ja um halb sieben ausgefallen war, soll es wenigstens ein ordentliches Mittagessen geben.

Die Polizei hatte da schon vor einer guten Stunde die halbseitige Sperrung der B 105 an dieser Stelle wieder aufgehoben, nachdem ein Ingenieur des Straßenbauamtes Güstrow die Brücke kontrolliert hatte.

Heute soll es „weitere Begutachtungen“ der Brücke geben, weiß Polizeisprecher Gert Frahm noch zu berichten und erklärt, dass das Pech des Kröpeliner Fahrers ihn als „Ordnungswidrigkeit“ zudem ein Bußgeld kosten werde: „Hier wurden offensichtlich nicht die Vorschriften eingehalten, die festschreiben, mit welcher Maximalhöhe des Baggers am Straßenverkehr teilgenommen werden darf.“



Thomas Hoppe

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