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Im Gutshaus wird Energie getankt

Garvensdorf Im Gutshaus wird Energie getankt

Anlässlich von 20 Jahren „Gutes Haus“ in Garvensdorf blicken Bewohner auf Erreichtes zurück und stecken neue Ziele ab.

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Blick auf die Rückseite des Gutshauses von Garvensdorf. Seit 1993 wohnt hier eine Gemeinschaft von Kunst- und Kulturinteressierten.

Quelle: Thomas Hoppe

Garvensdorf. „Das war total kurios: Vor zwei, drei Wochen kam hier einer mit ´nem Elektroauto an und wollte tanken. Ich hatte uns 1998 im Internet als Stromtankstelle ausgeschrieben, nachdem wir hier gemeinsam mit Schülern eine Solaranlage aufs Dach gesetzt hatten. Er war der erste, der jetzt kam danach“, erzählt der Garvensdorfer Gutshausbewohner Holger Stein und wirft damit schlaglichtartig einen Blick in die jüngere Geschichte des „Guten Hauses“, dessen 20. Geburtstag am kommenden Wochenende begangen wird.

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Holger Stein legt hier gern 35-Millimeter-Kinofilmkopien ein.

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Denn von 1993 bis 1999 hatten Leute wie Lehrer Stein insbesondere das einst marode Dach des von der Stiftung Denkmalschutz aufgelisteten Hauses mit rund 26 000 alten, aus der Umgebung zusammengetragenen, Biberschwänzen neu eingedeckt — inklusive der 21 Quadratmeter großen Solaranlage zur Wassererwärmung. Zehn Studenten und Absolventen der damaligen Fachhochschule für Angewandte Kunst von Heiligendamm waren vor 20 Jahren in den um 1830 herum erbauten Herrensitz derer von Platen eingezogen, weil sie hier eine selbstverwaltete Basis für ökologisches Bauen und Wohnen sahen.

Dabei wurden sie in den vergangenen Jahren auch von vielen Wanderhandwerkern unterstützt.

Der vorgefundene Baustoff wurde zu ihrem Thema: Lehmöfen, Lehmsteine, Lehmputz, Lehmhütten. So gab es hier ab 1995 über lange Zeit auch das alljährliche Lehmfest. Über ein in der Hansestadt ausgefallenes Lehmbau-Seminar war der Rostocker Physiker Dr. Holger Stein Mitte der 90er letztlich aufs Land gekommen: Die Glasmacher Steffen Mau und Olaf Giertz, von der Gutes-Haus-„Anfangscrew“, waren dort ebenfalls erschienen und hatten gerade selbst zu ihrem ersten Lehmbau-Seminar nach Garvensdorf eingeladen. „Sie haben quasi aus dem Haus heraus auch ihren Job gefunden — jetzt sind sie Lehmbauer“, sagt der in Neu-Zittau am Rande Berlins aufgewachsene Holger Stein, der seit zwei Jahren an Reriks Freier Schule Physik und „Freiarbeit“ unterrichtet und schließlich gemeinsam mit Steffen Mau das Gebäude von der Gemeinde Kirch Mulsow gekauft hatte.

Die Gemeinde habe das Projekt auch immer wieder unterstützt, noch immer habe man einen guten Draht auch zum Bürgermeister. Thomas Jenjahn schaue hin und wieder insbesondere zu Kinoveranstaltungen vorbei, heißt es. Im Dorf gebe es keine Probleme mit der Wohngemeinschaft, auch wenn viele Angebote nicht der Magnet für die Einheimischen sein sollen. „Uns ging es darum, ein offenes Haus zu schaffen, wo Veranstaltungen möglich sind, auch auf einem möglichst geringen finanziellen Niveau. Ohne vorher schon eine Menge Geld reinzustecken“, erklärt der 47-jährige Holger Stein und schätzt ein, dass man über die Jahre, gerade wenn man noch außen arbeite „dafür ganz schön Energie“ aufbringen müsse, die dann bei so einem offenen Haus auch noch „gestreut“ werde. Deshalb werde im Haus, in dem derzeit fünf Leute fest wohnen würden, gerade das Konzept überdacht, wie alles nachhaltiger werden könne, damit letztlich nicht so viel Energie verloren gehe. Das Schöne sei auf alle Fälle, dass hier ein freier Raum für Kultur geschaffen wurde, dass es Freiheit und damit Gestaltungsspielraum gibt. „Ich finde auch spannend, wie sich hier die Bereiche verbinden“, sagt er und zeigt mit etwas Stolz einen seiner persönlichen Einsatzorte an Kulturabenden im Guten Haus: Den Raum des Filmvorführers, der an einem Zeiss-Projektor TK-35 vom einstigen Studentenfilmklub aus Wismar, die Filmrollen wechselt, damit zum Beispiel vom 1. bis zum 3. November die Streifen über das Schulleben zum diesjährigen Garvensdorfer Filmfest über die hiesige Leinwand flimmern können.

Vom Motto des ersten Filmfestes im Dorf soll übrigens der Name „Gutes Haus“ abgeleitet sein. „Damals liefen die Vorführungen unter dem Titel: Gutes Hauskino“, erinnert sich der Filmvorführ-Experte und sagt mit Blick auf den 20. Geburtstag des Guten Hauses: „Das ist für uns gerade eine Aufgabe, zu vergleichen, was es hier zu Beginn für Ziele gegeben hat, was davon umgesetzt worden ist und wo wir die nächsten 20 Jahre hinwollen.“

Einladung an Freunde vom Guten Haus
In der Einladung des Guten Hauses von Garvensdorf zu einem Jubiläumskonzert mit der Kieler Klesmerband „Di Chuzpenics“ am kommenden Sonnabend heißt es unter anderem : „Hiermit zeigen wir an, dass das GuteHaus in Garvensdorf seit 20 Jahren einen öffentlichen kulturellen Raum bietet. Seitdem haben sich im Kino, bei Konzerten, Theateraufführungen und Workshops, bei den legendären Lehmfesten, Fachvorträgen für ökologisches Bauen, den Kunst-Hand-Werk-Märkten, dem jährlichen Filmfest und vielen anderen Gelegenheiten zahlreiche Wege in unserem Haus gekreuzt.

Daran wollen wir erinnern und laden Euch alle am 7. September um 21 Uhr zu einem Jubiläumskonzert mit alten Freunden ein.“ (Eintritt 10 Euro)

 

Thomas Hoppe

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