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Junger Forscher verhängte Stöckelschuhverbot in der Mühle

Kröpelin Junger Forscher verhängte Stöckelschuhverbot in der Mühle

Rostocker Doktorand ließ Kröpeliner sensorenüberwacht durch ihr Wahrzeichen laufen.

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Auch Irmtraud und Franz Becker wurden von ihrem forschenden Enkel Felix Katlun (r.) in die Senioren-Sensoren-Spur geschickt. Hoppe

Quelle: Thomas

Kröpelin. Es waren nur wenige Schritte von Kröpelinern, aber sie könnten viele Anwendungsmöglichkeiten weltweit erbringen — vom Gesundheitswesen bis hin zur Schuhproduktion. Dafür hatte unlängst der Medizinstudent Felix Katlun im Erdgeschoss der Gallerieholländerwindmühle Apparaturen aufgebaut, die auf den ersten Blick einen beleuchtungstechnisch unterstützten Auftritt von Linedancern zum nächsten Tanztee in Kröpelins Wahrzeichen vermuten ließen. Auch Irmtraud und Franz Becker vom hiesigen Mühlenverein waren vor Ort. Insofern passte alles zum Tanztee, aber es stimmte nicht: „Ich mache hier in Kooperation mit der Orthopädie der Universitätsklinik Rostock und mit der Uni-Sektion Sportwissenschaft Gangstudien. Wir vergleichen dann zwischen Jung und Alt (über 65 Jahre) und arbeiten die unterschiedlichen Einflussfaktoren auf den jeweiligen Gang der Testpersonen, die alle gesund sein müssen, heraus. Am Ende hoffen wir, die genauen Zusammenhänge zwischen Gangbild, Lebensalter und anderen Einflussfaktoren darstellen zu können“, erklärte der junge Mann, der die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung in seine Doktorarbeit einfließen lassen möchte. Insofern hielt sich der ansonsten aufgeschlossene 24-Jährige, der im 4. Jahr in Rostock Medizin studiert, mit Details zu seinen erst seit ein paar Wochen laufenden Untersuchungen und der dafür genutzten Computer- und Kameratechnik zurück. Zu sehen waren auf dem Mühlensteinfußboden zwei jeweils sechs Meter lange, parallel angeordnete Lichtsensorenleisten auf die zudem USB-Kameras schauten. Auf einem Tisch lagen dicke Aktenordner mit zahlreichen Testprotokollen. Die Aufgaben der Probanden bestanden zum Beispiel aus einem normalen — gedankenversunkenen — Gang durch diese Gasse und einer zweiten Tour bei gleichzeitiger Erledigung einer kleinen Substraktionsaufgabe. Angesprochene Rostocker fanden das Projekt grundsätzlich interessant, wollten aber letztlich nichts damit zu tun haben, wie Felix Katlun erzählte. Damit kam Irmtraud Becker auf den Plan: Sie ist die Oma von ihm und hatte keine Probleme aus ihrem Bekanntenkreis 14 Kröpeliner zu einem solchen selbstlosen Einsatz für die Forschung zu gewinnen: „Sie sahen sich das vorher an und waren durchweg positiv gestimmt“, erklärte Irmtraud Becker und verriet lachend, dass sie selbst am meisten die „krummen“ dreistelligen Zahlen beschäftigten, die ihr Enkel ihr beim Gang durch die Mühle zurief. Ganz anders reagierte ein älteres Urlauberpaar, das zur Mühle geradelt kam und von Felix Katlun schelmisch mit den Worten begrüßt worden war: „Sie kommen genau richtig, Sie können gleich zur Untersuchung“. Die Herrschaften verstanden keinen Spaß und traten sofort kräftig in die Pedale.

Ansonsten empfanden alle anderen Touristen die Forschungsapparate eher als weitere Attraktion im historischen Gemäuer. Obwohl auch die Apparaturen ihre Tücken hatten. So beschrieb der junge Forscher einen Zwischenfall, nachdem eine Kröpelinerin mit schicken Stöckelschuhen zum Gangtest angerückt war. Die Computerberechnung ergab bei ihr dann jedoch nur kleine Kinderfüßchen. Die Sensoren waren durch diesen Auftritt offenbar verwirrt worden. Für den Experten stand damit sofort fest, Stöckelschuhe sind für diesen Laufsteg tabu.

 



Thomas Hoppe

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