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Neubukow Kirchspiel Mulsow/Moitin vor dem Aus
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow Kirchspiel Mulsow/Moitin vor dem Aus
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00:00 06.12.2017
Kirch Mulsow

„Miteinander zum Ziel“ war der Abend im Kirch Mulsower „Pendlereck“ überschrieben, als am vergangenen Mittwoch die „Schule der Landentwicklung“die Einwohner der Gemeinde zu einer Runde über die Zukunft der Dorfgemeinschaft eingeladen hatte (OZ berichtete). Dabei kamen auch die Sorgen und Wünsche der Bürger auf den Tisch.

Steffen Mau vom Garvensdorfer „GutenHaus“-Verein brachte seine gegenwärtige Lage so auf den Punkt: „Ich bin vor 25 Jahren hierher gekommen, um ökologisch zu bauen, zu leben und unsere Kinder in einer gesunden Umwelt aufzuziehen. Doch wir werden mit Windkrafträdern zugestellt, wir haben vergiftete Äcker, es gibt keine Feldraine mehr, es blüht kaum noch was“. Sein inneres Gefühl sage ihm, wenn er in die Stadt ziehe, lebe er ökologischer und gesünder. Einer der beiden Moderatoren des Abends, Prof. Henning Bombeck von der Uni Rostock, verwies dazu darauf, dass die Landwirtschaft nun nicht mit am Tisch sitze und er sehr gute Erfahrungen mit bäuerlich strukturierter Landwirtschaft gemacht habe, die engagiert am Dorfleben teilnehme. Er kenne aber auch verwaltete Betriebe, deren Verwalter überhaupt kein Interesse an Dorfgemeinschaft haben: „Das ist eine riesige Spanne im Land. Wir können das hier nicht vertiefen.“

Als die Sprache auf die Kirchengemeinde kam, warf Ulrich Timm ein, dass gerade das Kirchspiel Kirch Mulsow/Moitin „fast tot“ sei. „Die Gottesdienste und andere Veranstaltungen werden fast gar nicht angenommen. Wenn Arbeitseinsätze stattfinden, kommen drei, vier Ältere – kein anderer mehr. Wenn hier nichts mehr läuft, wird hier auch nichts mehr stattfinden. Wenn keine Leute mehr sind, die sie nutzen, wird es auch keine Kirche mehr im Dorf geben: Dann verfällt sie eines Tages oder wird umgenutzt“, sagte der Mann aus Alt Bukow, das gemeinsam mit den Kirchengemeinden in Dreveskirchen, Kirch Mulsow und Neuburg einen Pfarrsprengel bildet. „Das Problem ist, dass die etwa 80-köpfige Kirchengemeinde gerade eingestampft wird, mangels Leuten, die sich als Kirchenälteste engagieren. Es gibt keinen Kirchgemeinderat mehr und damit ist sie so nicht mehr lebensfähig und wird irgendwo mit (Tendenz Alt Bukow oder Neubukow, d. R.) fusioniert“, erläuterte der zuständige Pastor Helmut Gerber. Als eine weitere Baustelle in der Gemeinde nannten Teilnehmer der Runde, dass nur immer dieselben Leute Einsatz zeigen würden. „Es war in Garvensdorf ,eingeladen’ worden, das Bushaltestellenhäuschen wieder zu reparieren, was Kinder kaputtgeschossen hatten, aus Frust, weil sie lange keine Tore hatten – und es kamen nur zwei Kinder von der Familie, die sowieso immer da ist“, erklärte Bianca Sack ein Beispiel und ergänzte: „Wir haben die Bretter nicht rangenagelt“. Apropos Bushalte, zum Thema öffentlicher Nahverkehr wurde deutlich, das die Funktionsweise des Anruf-Busses noch zu wenig bekannt zu sein scheint. Als mehr gemeinsame Aktionen gewünscht wurden, erinnerte Bürgermeister Thomas Jenjahn daran, dass es jährliche Dorffeste gegeben hätte, die dann wegfielen, weil sie zu schlecht besucht worden wären. Peter Reimer begründete das damit: „Macht Kirch Mulsow was, fehlen garantiert bis auf Ausnahmen Garvensdorf und Clausdorf. Und Kirch Mulsower haben kein Interesse daran, nach Garvensdorf und Clausdorf zu fahren“.

„Gibt es da Befindlichkeiten“, fragte Prof. Henning Bombeck und meinte dann augenzwinkernd, dass das nichts Neues wäre, die gebe es überall: „In Niedersachsen haben wir eine diabolische Freude daran, das Osterfeuer im Nachbardorf eine Nacht früher anzuzünden. In Bayern sägen sie sich die Maibäume ab, das gehört einfach zum guten Ton im ländlichen Raum“.

Zu 700 Jahren Garvensdorf 2018 soll es noch einen Fest-Versuch in der Gemeinde geben.

Thomas Hoppe

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