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Neubukow Natur sorgt für kreatives Potenzial
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow Natur sorgt für kreatives Potenzial
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03:41 27.08.2013
Eine Wippe für die Töchter entstand aus einem geschwungenem Eichenast.
Neubukow

Der knuffelige Hund hinter dem Gartenzaun ist echt. Aber die riesige Blume dahinter definitiv nicht. Sie ist aus Holz und wurde vom Hausherrn persönlich entworfen und gebaut. Je krummer umso mehr Kreativität fließt hinein. So könnte der Leitsatz von Mario Brüning lauten. Denn der gelernte Zimmermann baut auch in seiner Freizeit viel aus Holz — und das sollte möglichst urig gewachsen sein. Was andere achtlos wegwerfen würden, darin erkennt der Fachmann künstlerisches Potenzial. Unter seinen Händen entstehen Bänke mit knorrigen Armlehnen, geschwungenem Sitz und Füßen aus ausgehöhlten Baumstämmen — alles geschaffen von Mutter Natur.

Gut, wenn dann noch der Blitz eingeschlagen hat und dadurch dem Holz eine recht skurrile Form verlieh. „Das Holz gibt vor, was daraus werden soll. Ehrlich gesagt, wenn früher ein Holzbildhauer so etwas sagte, habe ich geschmunzelt. Jetzt verstehe ich es“, so der 32-Jährige, der ausgeglichen wirkt und vielleicht trägt ja auch die Arbeit mit dem nachwachsenden Rohstoff dazu bei. Sicher auch seine Familie mit den beiden Kindern im Alter von drei und neun Jahren und einer Frau, die versteht, warum er vom Holz nicht lassen kann.

Auch das eigene Heim ist eine Eigenkreation: Von außen wirkt es wie ein normales kleines Häuschen. Innen eröffnen sich ungeahnte Weiten nach oben. „Viele staunen, wie hoch es wirkt — das war meine Absicht.“ Natürlich hat der Zimmermann darin immer noch etwas zu tun. So soll noch ein großer Esstisch entstehen. Und das Baumkletterhaus im Garten wird auch noch erweitert.

Es ist fast nur Eichenholz, das Mario Brüning verarbeitet: „Da es naturbelassen bleibt, muss es lange halten. Ich möchte nichts bauen, was nach drei Jahren auseinander fällt und ich achte auf eine solide handwerkliche Arbeit.“

Tropenholz wird grundsätzlich nicht verarbeitet. Regenwälder möchte er nicht auf dem Gewissen haben. Seit Januar verkauft der Neubukower seine künstlerisch gestalteten Gebrauchsgegenstände, hat ein Nebengewerbe angemeldet. „Meine ersten Arbeiten stellte ich in Jörnstorf und später in Kühlungsborn auf den Kunsthandwerkermärkten aus.“ Auf seinem Grundstück stehen nur noch wenige Stücke, denn schnell geht alles weg: Eine geschwungene Liege, ein hoch aufgeschossener Stuhl, der einer Blume gleicht, ein Motorik-Spieltisch und eine Wippe aus einem besonders krummen Ast.

„Jahrelang hatte ich meiner Tochter eine Wippe versprochen, dann habe ich sie ihr gebaut“. Nun steht die Wippe zum Verkauf, weil sie schon zu klein geworden ist. Brüning wird für die Tochter eine neue, größere bauen müssen. Wenn Zeit dafür ist, denn sein Beruf als Zimmermann und Vorarbeiter in einer Kröpeliner Firma geht vor. Zurzeit arbeitet er am ehemaligen Amtshaus, einem Projekt der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde.

„Zimmermann ist mein Traumberuf“, sagt Mario Brüning, der schon mit zehn Jahren erste Holzarbeiten fertigte: „Bei meinem Großvater im Keller hat alles angefangen“, sagt er. Doch während er auf Märkten zeigt, wie das alte Handwerk mit einfachem Werkzeug ausgeführt wird, setzt er bei der Herstellung seiner großen Objekte auch mal die Kettensäge ein. „Das würde sonst zu lange dauern.“

Drei Jahre muss das Holz trocknen, bevor Mario Brüning es weiterverarbeiten kann. Dass er auch aus Altem Neues schafft, zeigt ein riesiges Fass im Garten, das ein Geheimnis birgt: „Man kann darin sitzen und feiern.“ Viele Ideen schlummern noch in dem jungen Mann. Er hat ja erst damit begonnen.

Zimmermann ist mein Traumberuf. Bei meinem Großvater im Keller hat alles angefangen.“Mario Brüning (32), Zimmermann

Sabine Hügelland