Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Neubukow Neue Heizungen braucht das Land
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow Neue Heizungen braucht das Land
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:22 28.01.2015
Stanislaus Tyc aus Pepelow ist mit seiner nagelneuen Forster-Heizung zufrieden. Die alte hatte schon 25 Jahre auf dem Kessel und entsprach nicht mehr den Grenzwerten der Bundesimmissionschutzverordnung. Quelle: Thomas Hoppe
Pepelow

Seit Jahresbeginn gelten entsprechend der „Verordnung zur Durchführung des Bundesimmissionsschutzgesetzes (für kleine und mittlere Feuerungsanlagen)“ neue, schärfere Grenzwerte für die Heizkessel in Deutschland. „Auch die alten DDR-Feuerstätten müssen jetzt die Stufe 1 erfüllen und das schaffen die meisten nicht“ bringt der Kröpeliner Schornsteinfegermeister Harald Neujahr eine wichtige Folge dieser Verordnung für die Region auf den Punkt. Der Experte, dessen Kehrbezirk die Orte von Kröpelin bis Jörnstorf, von Wichmannsdorf bis zum Kröpeliner Stadtholz sowie bis nach Doberan rein umfasst, rechnet in seinem Bereich mit knapp 100 Kesseln, wo — je nach Messungstermin — „spätestens in zwei Jahren etwas gemacht sein muss“. Das würde dann mehrere Tausend Euro kosten, heißt es in der Branche — und die Beträge schwanken zwischen 8000 für einen neuen Kessel mit Pufferspeicher und Regelung sowie rund 5000 Euro für eine neue Forster-Heizung.

Für Letztere haben sich die beiden Tycs aus Pepelow entschieden. Seit dem 6. Januar ist ihre nagelneue Anlage in Betrieb.

„Wenn das von oben so bestimmt wird, können wir ja nix dran ändern“, erklärt Stanislaus Tyc, dass sein Ofen von 1990 nun zur Verschrottung auf dem Hof steht. „Der hätte noch gehalten“, zitiert dazu seine Frau Irene einen Handwerker. „Gehalten hätte der sicher, aber was das oben rausging...“, wirft der zuständige Bezirksschornsteinfeger, Hartmut Jonas aus Rerik, ein.

„Gesetz ist ja nun Gesetz — und wir wussten, dass es so kommt, deshalb haben wir auch gleich gesagt, wir kaufen einen neuen. Der ist schon besser — von der Leistung und vom Verbrauch her. Der läuft auch ruhiger, der alte hat dazu auch mehr Krach gemacht“, schätzt Irene Tyc offen ein und erinnert sich, wie sie aus Danzig kommend nach dem Krieg das Haus übernommen hat: „Da mussten auch neue Öfen rein. Letztlich hatten wir dann Kachelöfen und Dauerbrandöfen — fünf insgesamt. Die ich, wenn ich abends von der Arbeit kam noch zu beheizen hatte.“ Alte, brandschutzsichere Kachelöfen haben übrigens Bestandsschutz, ergänzt Hartmut Jonas und erklärt: „Dass sie bei Mängeln umgesetzt werden, neu mit Schamotte und Lehm — ist heute allerdings verboten. Und ein neuer Kachelofen muss die Grenzwerte der Verordnung einhalten!“

Irene Tyc fragt schließlich in den Raum: „Was machen denn die Leute, die das Geld für eine Erneuerung ihrer Heizungsanlage nicht haben?“ Die prompte Antwort des Schornsteinfegers lautet: „Wenn die Heizungsanlage bei der Messung, die im Zweijahresrhythmus stattfindet, durchgefallen ist, kann sich der Betroffene an den Landkreis wenden. Der kann dann zwei Sachen aussprechen. Er kann sagen, ,du darfst weiter heizen, das Haus steht allein, du kannst keinen belästigen‘ oder die Behörde erklärt, ,hier ist ein Gutschein, wir geben dir Unterstützung.‘“ Hartmut Jonas ist zuständig für die Feuerstätten in Neubukow, in Rerik und in den umliegenden Gemeinden zwischen dem Salzhaff, Alt Bukow bis hin nach Garvensdorf. Er berichtet dazu: „Bei 48 DDR-Heizungen in meinem Kehrbezirk mussten sich die Besitzer Gedanken machen, was sie künftig wollen. Davon entschied sich gut die Hälfte bereits 2014 für eine Erneuerung. Die anderen — genau sind das 19 — , deren Anlagen voriges Jahr noch die Feinstaub-Messung bestanden, müssen spätestens am 31. Dezember 2016 ihre alten DDR-Kessel außer Betrieb genommen haben. Denn seit diesem Jahr (2015) gilt erstmalig zudem eine Kohlenmonoxid-Messpflicht, deren Grenzwert diese Anlagen keinesfalls schaffen. Es sei denn, man baut sich eventuell einen Filter im Verbindungsstück ein. Doch der hat den Nachteil, dass er regelmäßig mit großem Aufwand gereinigt werden muss.“

Wie der Bezirksschornsteinfeger Jonas dazu noch informiert, ist die Stufe 1 der Bundes-Immissionsschutz-Verordnung noch bis zum 31. 12. 16 gültig: Sie schreibt für Festbrennstoffkessel bei Feinstaub einen zulässigen Höchstwert von 0,10 Gramm pro Kubikmeter (g/m3) vor, bei Kohlenmonoxid (CO) 0,8 g/m3. Die Stufe 2, die ab dem 1.1. 2017 gültig ist, die pocht bei Staub auf 0,02 g/m3 und bei CO auf 0,4 g/m3.

Wichtig ist ihm noch der Hinweis, dass ab September 2015 bei Gas-Heizungen nur noch Brennwertgeräte eingebaut werden dürften. „Ein atmosphärischer Niedertemperaturkessel darf dann nicht mehr errichtet werden“, betont er.

Alles erklärtermaßen im Namen der Energieeinsparung und der Verminderung schädlicher Umwelteinwirkungen durch Emissionen. Irene Tyc kommentiert das trocken: „Ich muss mal sagen, wir sollen nun die Welt retten!“



Thomas Hoppe