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Neubukow Panzerbeton liegt Bauarbeitern im Weg
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow Panzerbeton liegt Bauarbeitern im Weg
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00:00 12.04.2013
Die Stra�enfr�se hat ihre Arbeit verrichtet und wird mit dem Tieflader wieder abtransportiert. Mit dem Spezialger�t musste eine alte Betonschicht aufgefr�st werden. Quelle: Rolf Barkhorn
Wischuer

Mit dem Fahrzeug ist das Dorf Wischuer in der Gemeinde Biendorf jetzt nur noch über die Landesstraße 12 aus Richtung Zweedorf erreichbar. Die beiden anderen Zufahrten über die Gemeindestraße sind wegen Bauarbeiten gesperrt. Seit Mittwoch bestimmen wieder Bagger, Radlader und Kieslaster vom Straßen- und Tiefbauunternehmen Blum aus Neukloster die Geräuschkulisse in dem sonst so stillen Dorf. Für rund 258 000 Euro wird die Hauptstraße in Wischuer in drei Abschnitten saniert. Auftraggeber ist die Gemeinde Biendorf.

Am Ortseingang aus Richtung Biendorf frisst sich die breite Schaufel eines Baggers durch das weiche Kiesbett. Dieses muss für die Herstellung einer neuen stabilen Tragschicht 45 Zentimeter tief ausgehoben werden. Da der Frost auch in dieser Tiefe aus dem Boden raus ist, hat Baggerführer Manfred Hensel keine Probleme mit dem Aushub. Dafür macht der weiche Boden dem Sandkipper zu schaffen.

Hensel gibt das Zeichen zum Weiterfahren. Aber der Kipper kommt nicht von der Stelle und versinkt fast bis zur Radnabe im weichen Sand. Nach ein paar Versuchen hat sich der Vierzigtonner ganz festgewühlt. Der Bagger schiebt von hinten etwas nach. Vergeblich! „Der Laster hat keinen Allradantrieb, es ist ein reines Straßenfahrzeug und weniger für Baustellen geeignet“, erklärt der Fahrer das kleine Malheur.

Baggerfahrer Hensel zögert nicht lange. Mit seinem Fahrzeug zuckelt er knapp an der rechten Seite des Lasters vorbei. Dafür ist die Dorfstraße an dieser Stelle gerade noch breit genug. Der Bagger schiebt sich vor dem Lkw in Position. Dann geht alles ganz schnell. Mit einem Stahlseil, das zwischen Kipper und Bagger befestigt wird, zieht der Kran den Vierzigtonner auf festeren Grund. Aber Hensel und seine Kollegen wissen, dass sich der Kipper immer wieder festfahren kann und sich diese Aktion wiederholen kann. Der weiche Sandgrund in diesem Bereich ist jedoch nicht das einzige Problem, auf das die Tiefbauer in Wischuer stoßen. Als am Mittwoch die Asphaltfräse die alte Bitumenschicht der Dorfstraße aufnehmen wollte, stieß sie darunter auf eine dicke Betonschicht. „Davon wurden wir völlig überrascht“, erzählt Polier Frank Krüger.

Dorfbewohner haben ihm dann erzählt, dass die fünf Meter breite Betontrasse zu DDR-Zeiten von der LPG gebaut wurde. „Wahrscheinlich als Verstärkung wegen der sowjetischen Panzer, die hier früher ab und zu durch den Ort gefahren sind“, vermutet der Vorarbeiter.

Um die harte Betonschicht abtragen zu können, musste noch eine andere stärkere Fräse rangeholt werden. Bis gestern Vormittag war aber auch dieses Problem beseitigt.

Trotzdem wird der zuletzt genannte Termin zur Fertigstellung um den 30. Mai nicht einzuhalten sein, auch wenn es Anfang März noch hieß, dass es der „allerletzte Fertigstellungstermin“ sei. Die Verzögerung hat aber nicht nur mit der Betonschicht zu tun.

Viel mehr hat auch hier der lange Winter einen dicken Strich durch die Planung gemacht. „Alles verschiebt sich nochmal um einen Monat. Wir werden noch gut zehn Wochen zu tun haben“, sagt Frank Krüger, meint damit aber die Arbeit an allen Bauabschnitten der Hauptstraße. Wenn der Aushub am Südabschnitt erledigt ist, wird zunächst der Unterbau für die neue Hauptstraße hergestellt. „Der besteht aus 20 Zentimeter Frostschutz und 15 Zentimeter Schotter, sieben Zentimeter Tragschicht und drei Zentimeter Asphaltdeckschicht“, weiß Bauarbeiter Reinhard Büttner. Sollten nun keine neuen Probleme mehr auftauchen, könnte vielleicht Ende nächster Woche der erste Asphalt aufgetragen werden. Das hänge aber auch mit davon ab, ob dann auch die Asphaltmaschine zur Verfügung stehe, erklärt Polier Frank Krüger.

Rolf Barkhorn

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