Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Neubukow Rübenbahn bleibt schöner Traum
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow Rübenbahn bleibt schöner Traum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:25 05.04.2014
Der alte Bahndamm der Rübenbahn wurde bei Mechelsdorf zum Unterbau für einen Radweg. Quelle: Rolf Barkhorn
Neubukow

Der Molli wird unter die Erde verlegt — diese am 1. April in der OSTSEE-ZEITUNG vorgestellte Vision gehört ins Reich der Fantasie. Dass dahinter nur ein Aprilscherz steckte, erkannte der Neubukower Heimatforscher Hans-Albert Kruse sofort. Technisch zu schwierig und finanziell nicht machbar wäre solch ein Unterfangen. „Da wäre es einfacher, die Rübenbahn von Neubukow über Blengow nach Bastorf wieder aufleben zu lassen“, sagt Kruse, schränkt aber sogleich ein, dass auch dieses Projekt in der Realität leider nur schwer umsetzbar sei.

Dennoch: Die Rübenbahn interessierte den 70-jährigen Ortschronisten schon immer. Von 1890 bis 1945 existierte eine solche Schmalspurbahn, die von Neubukow über Blengow bis nach Bastorf führte. Auf der über 14 Kilometer langen Strecke, die mit 900 Millimetern übrigens dieselbe Spurbreite wie die Bäderbahn „Molli“ aufwies, transportierten Gutsbesitzer und Landwirte Rüben und anderes Erntegut.

Das wurde über eine Rampe nahe des Ortsteils Panzow auf Waggons der Normalspur verladen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bahnstrecke zurückgebaut. Die Schienen und der komplette Fahrzeugpark mit zwei Schmalspurdampfloks gingen als Reparationsleistung an die Sowjetunion. „Das gesamte Thema der Rübenbahn ist publizistisch sehr gut aufgearbeitet. Fast alles, was man darüber wissen muss, steht in einem Buch von Hans-Ulrich Pfeiffer“, weiß der Neubukower Chronist.

Das Werk des 2005 verstorbenen Autors Pfeiffer über die Rübenbahn gab 2006 den Anstoß für eine Machbarkeitsstudie, die der damalige Neubukower Bürgermeister Walter Doll († 2010) in Auftrag gegeben hatte. Ein Doberaner Planungsbüro untersuchte, unter welchen Faktoren ein Wiederaufbau der Kleinbahn realisierbar wäre.

Das Fazit der Studie, die als Leader-Projekt von der EU gefördert worden war, fiel ernüchternd aus. Auf 20,5 Millionen Euro wurden allein die Baukosten für die Strecke geschätzt. 12,5 Millionen Euro müssten zusätzlich in den Fahrzeugpark investieren werden. Mit 114 000 Fahrgästen im Jahr wurde kalkuliert. Die jährlichen Unterhaltungskosten wurden auf knapp eine Million Euro beziffert.

„Diese Zahlen sprechen für sich und lassen die Vision vom Wiederaufbau einen schönen Traum bleiben“, sagt Hans-Albert Kruse, der zum Jahreswechsel für eine Wanderausstellung über die 130-jährige Geschichte der Bahnstrecke Wismar—Rostock eine Schautafel zur Rübenbahn beigesteuert hatte.

Zur Eröffnung der Ausstellung im Bahnhof Kröpelin hatte Neubukows heutiger Bürgermeister Roland Dethloff auch die Machbarkeitsstudie von 2007 mitgebracht.

Für den ehemaligen Lokführer wäre der Wiederaufbau der ländlichen Bahn eine echte Attraktion. Aber: „Als Kommunalpolitiker muss ich Realist sein. Es gibt wichtigere Aufgaben zu lösen.“

Als Kommunalpolitiker muss ich Realist sein. Es gibt wichtigere Aufgaben.“Roland Dethloff, parteilos,
Bürgermeister Neubukow



Rolf Barkhorn