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Neubukow Sauna-Zukunft bringt „Vorstand“ ins Schwitzen
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow Sauna-Zukunft bringt „Vorstand“ ins Schwitzen
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00:01 29.11.2017
Der gebürtige Schweriner Dr. Wolfgang König eröffnete 1999 in seinem Brusower Haus eine Sauna. Nun soll sie verpachtet werden. Quelle: Foto: Thomas Hoppe
Brusow

„Ich habe mich entschieden, nicht weiterzumachen“, sagt der Betreiber der „Königsauna“ im Kröpeliner Ortsteil Brusow, Dr. Wolfgang König (65).

Der einstige Technische Leiter von „Nordmöbel“ hatte am 8. Oktober 1999 diese Sauna eröffnet und ist ab 1. April 2018 Rentner, mit einer Frau, erwachsenen Kindern und fünf Enkeln – da stand natürlich die Frage im Raum, wie es weitergehen soll. Und da Wolfgang König mittlerweile den Eindruck gewonnen hat, dass „Kleinstunternehmen“ von der Politik „in leichtsinniger Weise aufs Spiel gesetzt werden“ – weil den Gesetzen, die für alle Firmen gelten, offenbar nur größere Einheiten entsprechen können, ohne pleite zu gehen – wird er sich als Sauna-Chef verabschieden.

Als er sich beim Start nach Fördermöglichkeiten erkundigte, drehten die sich um eine überregionale Bedeutung (wie ein großes Spaßbad zum Beispiel). „Etwa bis zum Jahr 2015 waren die Saunen mit sieben Prozent Umsatzsteuer belastet, dann stieg ein Versuchsballon auf 19 Prozent, der wurde zunächst abgeschmettert und schließlich doch vom Bundesfinanzminister abgesegnet“, nennt Wolfgang König quasi einen weiteren Stein auf seinem Unternehmensweg. Damals war er drauf und dran, gemeinsam mit anderen Sauna-Besitzern nackt vorm Kanzleramt dagegen zu protestieren. Doch diese Aktion fiel wohl wegen zu geringer Beteiligung ins Wasser. „Das bedeutete, zwölf Prozent des Umsatzes waren durch einen Federstrich einfach weg“, ärgert sich der Wahlbrusower immer noch und fragt: „Meine Güte, kann man da nicht mit etwas Augenmaß vorgehen?“

Doch das Finanzministerium soll damals unter anderem als Begründung angeführt haben, dass es nicht nachgewiesen sei, dass der Saunagang irgendeinen gesundheitlichen Effekt hätte.

In diesem Jahr kam eine neue Badewasserverordnung dazu, die auf eine monatliche Kontrolle des Tauchbeckens pocht – erledigt von einem akkreditierten Labor – plus einer jährlichen „großen Untersuchung“ durch das Gesundheitsamt. Die Laborkontrolle koste ihn nun 80 Euro (statt vorher 40) und die Jahreskontrolle des Amtes schlage mit etwa 120 bis 150 Euro zu Buche . . .

Mit Preiserhöhungen (heute kostet hier der Eintritt elf Euro pro Person) könne er da nicht gegensteuern: Vor zwei Jahren hätte er den damaligen Preis um zwei Euro erhöht – unterm Strich stand ein um zehn Euro erhöhter Jahresumsatz gegenüber dem Vorjahr.

Für Wolfgang König ist auch wegen dieser Summe der Probleme endgültig Schluss, wie er es gegenüber der OZ deutlich macht.

Seiner Kundschaft habe er das rechtzeitig mitgeteilt – danach kam das große Bedauern. In Hochzeiten besuchen die Königsauna in Brusow bis zu 40 Freunde des gemeinsamen Schwitzens.

„Dann kamen wir auf die Möglichkeit eines eingetragenen Vereins – und es fanden sich drei berufstätige Leute als mögliche Vorstandsmitglieder“, erzählt der Noch-Sauna-Chef. Dass auch die Vereinsgründung und -führung nicht unproblematisch ist, sei dem Trio schnell bewusst geworden. Man traf sich bereits zu drei Vorstandssitzungen und rechnete dabei auch Finanzierungsmodelle durch.

„Noch wurde kein Antrag auf Vereinsgründung gestellt, ich werde auch nicht Mitglied in diesem Verein werden. Ich verpachte die beiden Sauna-Etagen – so ist der Plan“, sagt Dr. König und nennt weitere Anforderungen, die auf Pächter zukommen würden: die Qualitätsnorm ISO 9001, ein Wartungsverträge für die Lüftungs- und die Chloranlage, ein Kontrollbuch für die Reinigungen, eine Kraft am Tresen.

„Bisher standen aus meiner Sicht die Chancen 50 zu 50, dass das alles was werden könnte – so sahen das die anderen auch“, meint Wolfgang König und ergänzt, dass das Chancenverhältnis nunmehr (nachdem alle Anforderungen auf dem Vorstandstisch waren) auf 30 zu 70 gefallen sei. Zudem gebe es jetzt auch noch zwei potenzielle Vorstandsmitglieder weniger.

„Die Sauna kann erhalten bleiben, wenn die aktuellen Kunden/ Mitstreiter es tatsächlich wollen und die typische mecklenburgische Zurückhaltung einmal ablegen. Es ist zumindest einen Versuch wert“, schrieb am Montagabend eine Saunafreundin an Dr. König und lobte die ruhige und ansprechende Atmosphäre, das stressfreie Parken.

Info online: www.koenigsauna.de

Thomas Hoppe

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