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Neubukow Via Kröpelin zum Abschied der Königin
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow Via Kröpelin zum Abschied der Königin
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00:00 17.04.2013
Die Maler Peter Royen (r.) und sein Kollege und Kunsttherapeut, Prof. Dr. Peter W. Rech, vor einem der Royen-Werke, die derzeit in Kröpelin zu sehen sind. Peter Royen hatte sich Ende der 50er Jahre von Farben verabschiedet, weil die Betrachter seiner Werk Quelle: Thomas Hoppe
Kröpelin

„Wegen meiner Frau habe ich mich mit Günter Grass an der Rheinpromenade in Düsseldorf gekloppt“, sagt der Maler Peter Royen mit leuchtenden Augen und ergänzt: „Nun gut, es war mehr eine Rangelei. Ich hatte meine Frau im Arm und der Grass nahm die Christine auch in den Arm — da sagte ich, hör mal, das ist meine!“

Die drei jungen Leute studierten damals, Ende der 40er/Anfang der 50er Jahre an der Düsseldorfer Kunstakademie; Peter Royen beim Maler, Holzschneider und Kommunisten Otto Pankok, dem die Nazis das Malen verboten hatten. Ein Impuls für den gebürtigen Amsterdamer Royen, der nach dem Krieg KPD-Mitglied war, sich sein ganzes Leben lang für die Freiheit des Künstlers einzusetzen und sich um gesellschaftlichen Respekt vor dessen Werk zu kümmern. Die Düsseldorfer Kollegen dankten es ihm Anfang dieses Jahres mit ihrem „Kunstpreis der Künstler“.

Die Kunst bedeute ihm alles, sagt der heute 89-jährige Peter Royen in der „Villa 1912“ an Kröpelins Wismarscher Straße, wo am Wochenende anlässlich des „regio:polis“-Festivals der Region Rostock seine Malerei-Ausstellung „Zenit“ eröffnet wurde, die 21 Bilder des Holländers in Weiß und Schwarz zeigt. Sie entstanden in der Zeit von 1977 bis 2010 auf doppellagigen Leinwänden zumeist aus sieben Schichten Dama-Harz, das mit gebleichtem Bienwachs gemixt wurde. Die Werke kosten hier bis zu 12 500 Euro.

Sieben andere Bilder Royens hat übrigens seit 1963 seine treueste Sammlerin, die Königin der Niederlande, Beatrix, erworben. Die Ende des Monats abtretende Monarchin hatte ihren geschätzten Landsmann über die Jahre immer wieder zu Ausstellungen und Empfängen eingeladen und erwartet ihn nun auch am 24. April anlässlich einer großen Huyghens-Ausstellung kurz vor ihrem Abschied vom Thron. „Tolle Frau — Ich bin dabei“, sagt Peter Royen, der da noch vor seinen Bildern in der „Villa 1912“ sitzt und von hier aus gemeinsam mit dem emeritierten Kunstprofessor Dr. Peter W. Rech auf das alte Kröpeliner Bahnhofsgebäude blickt. Dort zeigt der Kölner seit vergangenen Sonntag seine Bilder unter dem Motto „Alice Through the Looking-Glass“ und will den Betrachter dazu bringen, „zunächst mit sich selbst ins Klare zu kommen“, wie er dazu kurz erklärt. Dabei verrät der heute 69-jährige Maler und Akademiker, dass er aus der Studentenbewegung komme und damals immer gewusst habe, „wie wir es machen“. Heute wäre ihm das nicht mehr so klar und vielen, die er kenne, auch nicht, sagt der Mann, der heute noch in der Kölner Schule für Kunsttherapie, in Wien und am Institut für Kunsttherapie Berlin-Brandenburg in Jüterbog lehrt. Im Prinzip sind sich beide Künstler einig, dass es einen Raum bedürfe, wo Künstler, wo Kunststudenten zusammenkommen können, um eben gemeinsam Antworten darauf zu finden, wie man es mache mit der Kunst und der Gesellschaft. Deshalb begrüßen sie ausdrücklich die Idee von Hubertus Wunschik, im Kröpeliner Bahnhofsgebäude das Herzstück einer freien internationalen Kunstakademie zu etablieren. „Ich finde das toll, dass er da so engagiert ist und so ein großes Haus mit Kunst bestückt“, sagt Peter Royen dazu. Er sei dank der Einladung seines langjährigen Galeristen, Wunschik, erstmals hier in dieser Gegend, in der jetzt auch einer seiner beiden Söhne Urlaub mache. Und Kröpelin, von dem er vorher noch nie gehört habe, sei ihm jetzt ein Begriff. Wenn das mit dem Bahnhof klappe, werde es für die Region eine tolle Sache: „Das ist doch ein Wahnsinnsangebot!“

„Hier ist viel zu machen, hier ist Potenzial. Eine Akademie ist realisierbar“, betont Dr. Rech. Für ihn ist es auch ein Symbol, dass der Kröpeliner Bahnhof früher die Hausnummer 21 trug, „jetzt ist es das Haus Nr.1!“. Der einstige Joseph-Beuys-Schüler plädiert seit langem dafür, zugleich künstlerisch und sozial zu sein — „im Sinne einer sozialen Plastik“: Eine Region, in der an vielen Punkten gelehrt, gelernt und geforscht werden kann. Für HubertusWunschik, der dem Verein „De Drom“ vorsitzt, der sich unter anderem dieser Idee einer Kunstakademie verschrieben hat, sieht diese Entwicklung auf einem guten Weg: „Wir kümmern uns mit unseren Angeboten um die Förderung von Kultur, Bildung und Gemeinwesen in der Region. So sind alle Interessenten zum Beispiel eingeladen, hier im August an zwei Workshops, mit einem Fotografen und mit einem bildenden Künstler, teilzunehmen. Die beiden Büros im Bahnhof sind fast fertig, die Wohnungen für die Studenten werden entstehen.“

• Beide Ausstellungen , die noch bis zum 2. Juni laufen, werden nach Vereinbarung geöffnet. Der Eintritt ist frei.

☎ 0151-12411289

Thomas Hoppe

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