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Neubukow Wenn der Kopf nicht mehr mitspielt
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow Wenn der Kopf nicht mehr mitspielt
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00:05 18.05.2017
Kathrin Ruhkiek (l.) und Katja Zarm (r.) vom Landesverband der Deutschen Alzheimer Gesellschaft unterstützen Angehörige wie Christina Barnekow (Mitte, 43) aus Kritzmow, deren Mutter an Demenz erkrankt ist. Quelle: Foto: Katarina Sass

Wie können Angehörige von Demenz-Erkrankten entlastet werden? Wer hilft ihnen und Betroffenen? Und wie verhält man sich richtig? Antworten auf diese und andere Fragen gab es beim gestrigen Dialogforum Demenzberatung, organisiert vom Landesverband der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Die Organisation spricht von 35000 Demenzdiagnosen im ganzen Land, die Dunkelziffer ist weitaus höher.

Zu den Betroffenen, denen eine Demenzerkrankung attestiert wurde, gehört die Mutter von Christina Barnekow aus Kritzmow, die gestern vor Publikum das Leben als Angehörige schilderte. Alles begann 2010, als ihre Mutter in die Ruhephase ihrer Altersteilzeit ging und permanent zu Hause war. „Es begann mit Kleinigkeiten. Sie vergaß plötzlich Termine, hat Sachen verlegt und Verabredungen nicht eingehalten“, erklärt die 43-Jährige, die zu dem Zeitpunkt mit ihrem Mann voll berufstätig war. Der Gang zu den Ärzten begann, wo ihre Sorgen abgetan worden seien. „Ihr Zustand hat sich dann immer mehr verschlechtert und ich wusste, das kann nicht mehr normal sein“, erklärt sie. Allmählich beschleicht sie ein schlimmer Verdacht, den sie beim Arzt auch offen anspricht. Die Mutter wird auf Demenz getestet. Diagnose: Demenz Typ Alzheimer, frühes Stadium.

„Sie war ja erst 60 Jahre alt“, begründet Christina Barnekow das frühe Stadium. Trotzdem hätte sie sich von den Ärzten eine viel frühere Diagnose gewünscht. Denn die Krankheit nahm unheilvoll weiter ihren Verlauf, trotz der Medikamente, die den Verlauf hinauszögern sollen. „Es wurde schlimmer. Sie fand dann nicht mehr alleine nach Hause, war orientierungslos und kam nicht mehr im Alltag zurecht.“ Die Mutter, die im Haushalt der Barnekows lebt, besuchte dann 2013 das erste Mal eine Tagesklinik, 2014 noch einmal. Christina Barnekow bekam 2014 ein Kind. Zu Hause wurde es noch stressiger. „Vor allem nachts fanden wir keinen Schlaf. Wegen dem Baby nicht, aber auch nicht wegen meiner Mutter, die nach uns rief“, erzählt sie. Erst ein Gespräch mit einer Sozialarbeiterin brachte für sie Erleichterung. Sie nahm an Angehörigen-Schulungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft teil und weiß nun, wie sie sich bei ihrer dementen Mutter verhalten muss, die bis heute fünf Tage in der Woche eine Tagespflege in Rostock-Reutershagen besucht.

Katja Zarm vom Landesverband weiß, wie man mit einem Demenzerkrankten umgehen sollte, damit dieser nicht verhaltensauffällig wird. Keine Diskussionen führen, kein Gedächtnistraining oder fordernde Dinge, bei denen Betroffene etwas lernen müssen. „Dann zeigt man ihnen nur, was sie nicht können“, erklärt sie. Stattdessen sollte man sie in dem, was sie gut können, bestärken und immer wieder loben. Was vielen in der heutigen Zeit schwer falle: Geduld haben und entschleunigen. Denn die Betroffenen kennen kein Zeitgefühl und können nicht „angetrieben“ werden. „Man sollte sie am Leben teilhaben lassen und sich in sie hineinversetzen“, sagt Katja Zarm.

„Unser Ziel ist es, Netzwerkstrukturen zu schaffen. Denn die sind in MV noch nicht gut ausgeprägt“, sagt Kathrin Ruhkiek vom Landesverband. Die Ärzte müssten mehr für das Thema sensibilisiert werden und auf die Hilfsangebote für die Angehörigen aufmerksam machen. Der Verband bietet auch Selbsthilfegruppen und Schulungen für Angehörige an.

Landkreis Rostock unterstützt Konzertreihe

35000

Demenzdiagnosen gibt es laut dem Landesverband der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in MV. Die Dunkelziffer derjenigen, bei denen die Krankheit nicht diagnostiziert worden ist, dürfte weitaus höher sein.

Der Landkreis Rostock unterstützt eine Veranstaltungsreihe für

demente Menschen und Angehörige, die noch bis zum 24. Mai

stattfindet.

Die nächsten Termine: Heute, 11 Uhr im Gemeindehaus Hanstorf: Musik zum Erinnern mit Pianist Wassilij Kulikow. Mittwoch, 24. Mai,

um 14.30 Uhr im Awo- Seniorentreff Kühlungsborn. Gast: Holtz

Abteiker Husband

Katarina Sass

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