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Neubukow „Wir wollen wissen, was hier so passiert“
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow „Wir wollen wissen, was hier so passiert“
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00:00 23.12.2017
Kröpelin

Extra fotografiert werden wollen die beiden nicht, aber sie sind ja auch mittlerweile seit Jahrzehnten bei so gut wie jeder öffentlichen Stadtvertretersitzung im Kröpeliner Rathaus zu sehen: Rosmarie Westendorf und Bruno Hasse.

„Wir wollen wissen, was um uns herum passiert“, erklärt die gebürtige Ulmerin, die 1958 allein in den Osten zog und seit Anfang der 70er Jahre in Kröpelin lebt. „Wenn man in der Stadt wohnt, möchte man doch auch wissen, was dort so los ist. Wenn man da an Ort und Stelle ist, ist das schon ganz gut“, ergänzt Rosmarie Westendorf und verweist darauf, dass sie einst selbst bis zur Wende elf Jahre beim „Rat der Stadt“ für Ordnung und Sicherheit zuständig gewesen sei. Ihr Lebenspartner Bruno Hasse war bis zum Rentenstart im Jahr 1996 für die Wasserwerke auf Rügen verantwortlich gewesen.

Beide fühlten sich schon informiert, sagen sie: „Ja, über das, was in der Stadtvertretersitzung gesagt wird. Wäre man in einem Ausschuss, könnte man über manche Themen sicher noch etwas mehr erfahren“, meint Rosmarie Westendorf und lacht über den OZ-Hinweis, dass die Kröpeliner ja auch zu den öffentlichen Ausschusssitzungen kommen könnten: „Man muss die Kirche aber auch ein bisschen im Dorf lassen, wir sind nicht mehr 30 oder nicht mehr 50“.

Sie fände es jedoch besser, wenn sich die Bürger, die bei der Stadtvertretersitzung zuhören, generell zu einem aufgeworfenen Thema direkt äußern könnten: „Negativ oder positiv, ganz egal. Es würde auch lebendiger werden“, betont die 79-Jährige und moniert: „Heute darf ich ja nicht mal was zur Tagesordnung sagen, in der Sitzung sowieso nicht, aber auch nicht vorher. Die haben sich eine Meinung gebildet und die ist dann eben da. Zur nächsten Bürgerfragestunde kann ich dann alles Mögliche dazu sagen, aber dann kann es natürlich auch zu spät sein“.

Ihr 84-jähriger Partner „verrät“ dazu noch, dass sich die beiden aber hin und wieder einen aus dem Rathaus „greifen“ und dann Sachen kritisieren würden, die ihrer Meinung nach nicht zu Ende gedacht worden seien. „Das kriegen wir schon fertig“. Seine Partnerin seit mehr als 25 Jahren sieht einen der Gründe dafür, dass die Zahl der Einwohner, die einer Stadtvertretersitzung beiwohnen, seit langem sehr gering ist, (in Kröpelin heute im Schnitt vielleicht sechs, sieben Gäste) darin, „dass man zu den Themen, die auf der Tagesordnung stehen nichts sagen darf“. Dagegen spricht allerdings, dass auch in Neubukow, wo seit dem Jahr 2013 die Bürger zu Themen der nachfolgenden Tagesordnung Fragen stellen können, nicht mehr Teilnehmer einer Bürgerfragestunde zu registrieren sind. Aber die Themen, die in beiden Stadtvertretungen besprochen werden, betreffen die Bürger der jeweiligen Stadt durchaus – nicht selten quasi hautnah. Was in Neubukow zum Beispiel auf die Schulbaupläne zutrifft, macht in Kröpelin das Bahnhofstraße-Projekt aus. „Mädchen, das hat so keine Sinn, das geht nicht“, kommen in Sachen Bahnhofstraße auch die beiden Stammgäste von Kröpelins Stadtratssitzungen ins Debattieren. Während Rosmarie Westendorf davon ausgeht, dass der Durchgangsverkehr aus der Bützower Straße weiter die Umgehung nutzen werde, meint Bruno Hasse, dass die Strandstraße noch mehr befahren werden würde. Grundsätzlich leben beide gern in Kröpelin, besuchen Veranstaltungen in der Mühle, waren auch schon im Kulturbahnhof, fühlen sich mit drei Discountern versorgungsmäßig gut bedient, sehen auch Einkehrmöglichkeiten – doch sie bedauern das Ende einer über die 4. Klasse hinausführenden Schule. Rosmarie Westendorf lobt dafür ausdrücklich das Ostrockmuseum als gute Sache.

Bruno Hasse schlägt vor: „Die Stadtvertreter sollten mal aufschreiben, wie sie Kröpelin in der Zukunft sehen. Wo wollen wir hin, was ist unser Schwerpunkt, um dahin zu gelangen?“

Thomas Hoppe

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