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Bad Doberan Neubukower kommuniziert mit Tauben
Mecklenburg Bad Doberan Neubukower kommuniziert mit Tauben
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06:00 13.02.2019
Reinhard Schumacher pflegt eine innige Beziehung zu Mausi - eines seiner Zuchttiere, das unter anderem das Paarglück auf Hochzeiten besiegelt. Quelle: Moritz Naumann
Neubukow

Seit 51 Jahren ist Reinhard Schumacher Taubenzüchter. In zwei liebevoll errichteten Verschlägen auf dem hauseigenen Hof hält er 100 Tauben, die er nicht nur pflegt und für Hochzeiten und Wettbewerbe trainiert, sondern auch mit ihnen kommuniziert.

Als Reinhard Schumacher 11 Jahre alt ist, holt sein Vater Tauben. „Eigentlich waren die lediglich für die Schlachtung vorgesehen“, sagt der heute 62-Jährige. In einem Verschlag auf dem Hof kommen die Tiere unter. Doch als sich erstmalig die Pforten öffnen, fliegen die Tiere davon. Während dem Vater die Lust auf Taubenhaltung verging, entfacht die Leidenschaft beim Sohn. „Ich bin dann in der Umgebung rumgelaufen und habe nach Jungtauben gesucht“. Für drei Mark holt er sich die Erste – über die Jahre folgen viele weitere.

Vom Hobby zur Passion

Aus dem Hobby wird Passion. Schumacher holt sich 1982 seine ersten Brieftauben. „Das war gar nicht so einfach. Ich musste einem Verein beitreten und mein Führungszeugnis vorlegen.“ Um die Tiere in der DDR zu halten, musste man laut Schumacher unbescholten sein. „Denn mit ihnen hätte man ja spionieren können“, sagt der gelernte Immobilienmakler und lacht.

Lange Jahre hält er die Tiere nur für sich. Doch im Jahr 2008 kommt ein Jugendfreund auf ihn zu und fragt, ob er zu seiner Hochzeit einige von Schumachers Tauben fliegen lassen könne. Der Züchter willigt ein. „Ich stand dann vor der Braut und sah dieses unbeschreibliche Glück des Paares. Das war so berührend, dass ich in dem Moment dachte: Das mache ich wieder.“ Seither sind es etwa 200 Hochzeiten, auf denen Brautpaare Tauben aus Schuhmachers Bestand haben fliegen lassen. Darunter auch Prominenz: „Etwa der Minister für Landwirtschaft und Umwelt: Till Backhaus“, sagt Schumacher.

Orientierung anhand des Sonnenstands

Was den Züchter so an seinen Tieren begeistert? „Tauben sind unheimlich klug und faszinierend.“ Der Wissenschaft wäre bis heute nicht vollends klar, wie die Tiere sich über hunderte Kilometer orientieren können. „Sie finden immer den Weg nach Hause“, sagt der 62-Jährige, der seine Tauben in Wettbewerben oft hunderte Kilometer entfernt aussetzen lässt. „Die Wertigkeit einer Taube bestimmt sich dann danach, wie schnell sie den Weg zurück findet.“ So sei es möglich, dass die Tiere das Erdmagnetfeld wahrnehmen, sich nach dem Sonnenstand orientieren, im Infraschallbereich hören und bis zu 30 Kilometer weit riechen können.

Der gebürtige Neubukower versteht sich als eine Art Botschafter der Tauben. Denn in seinem Fundus befindet sich neben zahlreichen gesammelten Zeitungsartikeln auch so ziemlich alles, was es an Fachliteratur zu den Tieren zu erstehen gibt. „Ich habe so etwa 230 Bücher – die ältesten stammen aus dem 19. Jahrhundert“, sagt der Taubenexperte stolz.

Kommunizieren mit Tieren

Dank seiner Erfahrung könne er gar die Sprache der Tiere verstehen: „Ich weiß, was es bedeutet wenn Sie gurren.“ So gäbe es Lockrufe: „Paulchen etwa möchte sich gern kabbeln und dann ruft er mich zu sich.“ Bei Gefahren stoßen die Tiere kurze Geräusche heraus: „Huh“. „Damit vermitteln sie den Artgenossen Gefahr.“ Und für die Paarung gibt es „Gurr-Geräusche“, die länger und melodischer wären. Auch das typische Kopfnicken sei ein Ausdruck. „Das bedeutet Zuneigung und Sympathie.“

Paulchen, Emma oder Dagobert: Alle Tauben in Schumachers Verschlägen haben Namen. „Die schlachte ich auch nicht“, sagt Schumacher. Denn der Züchter ist nicht nur begeistert von den Fähigkeiten und dem Wesen der Tiere, sondern auch von ihrem Geschmack. Zu besonderen Anlässen – etwa wenn die zwei Söhne zu Besuch kommen – kann Taube auch schon auf dem Teller landen. „Das ist eine wahre Delikatesse, sehr zartes und mageres Fleisch“, sagt Schumacher.

Falsch verstandener Tierschutz

Nicht jeder könne ihn und sein Hobby verstehen. In den letzten Jahren habe vor allem die Tierschutzorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) das Halten von Hochzeitstauben als Tierquälerei bezeichnet. Dabei würden laut des Taubenzüchters solche Organisationen die Tiere viel eher in Gefahr bringen. Denn vor einigen Jahren wurden Greifvögel wie der Wanderfalke in der Region ausgesetzt. „Vorher gab es diese Tiere hier nicht.“ Sie vermehren sich und seien eine Gefahr für Schumachers Bestand. „Ich verliere im Jahr etwa sieben bis acht Tauben durch Angriff von Wanderfalken. Das ist doch ein falsch verstandener Tierschutz.“

Moritz Naumann

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