Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Neue S-Bahn in den Seehafen? Mehr Jobs, mehr Reisende:
Mecklenburg Bad Doberan Neue S-Bahn in den Seehafen? Mehr Jobs, mehr Reisende:
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 28.07.2018
Seehafen

Gleise gibt es reichlich im Rostocker Seehafen. Auch direkt bis an die Kai-Kante. Doch wer mit der Bahn zum Schiff (oder zur Arbeit) fahren will, hat dennoch ein Problem: Denn auf den Schienen sind ausschließlich Güterzüge unterwegs. Personen-Züge fahren schon seit Jahren nicht mehr in den Hafen. Das will die SPD in Rostock ändern: Die Sozialdemokraten fordern, dass die 2012 eingestellte S-Bahn-Linie vom Hauptbahnhof in den Seehafen wieder aufgenommen und sogar noch ausgebaut wird – bis zum Fährterminal. „Wir sehen für eine solche S-Bahn-Linie ein großes Potenzial – nicht nur für Touristen, sondern vor allem für die vielen Tausend Beschäftigten im Hafen“, so SPD-Fraktionschef Steffen Wandschneider-Kastell. Und erste Studien geben ihm Recht: Bis 2025 wird sich die Zahl der Jobs im Hafen fast verdreifachen.

Eine S-Bahn in Rostock: Bis 2012 fuhren die Züge auch in den Seehafen. 2) Quelle: Fotos: D. Lilienthal/o. Arscholl (
„Wenn die neue S-Bahn kommt, könnten Urlauber aus ganz Europa zu uns fliegen und dann direkt zum Schiff gelangen. Ideal!Dörthe Hausmann Geschäftsführerin Airport Laage

Linie gab es bereits bis 2012

Neu ist die Idee einer Hafen- S-Bahn nicht: Bereits bis 2012 gab es eine solche Linie. „Die wurde dann aber quasi über Nacht vom Land eingestellt“, sagt Rostocks Verkehrssenator Holger Matthäus (Grüne). Rund zwei Millionen Euro habe das Land damals für die Verbindung vom Bahnhof in den Hafen pro Jahr ausgegeben. „Damals hat sich das wirklich nicht gelohnt.“ Gerade mal 300 Fahrgäste hätten die S-Bahn pro Tag genutzt. Aber: „Das lag natürlich auch an der Lage des Bahnhofes Seehafen- Nord“, so Matthäus. Von der End- Haltestelle hätten Fahrgäste zu Fuß zum Hafen laufen oder auf Busse umsteigen müssen. Nicht gerade attraktiv. Seitdem seien die Busse der Rostocker Straßenbahn AG die einzige Nahverkehrsverbindung in das wirtschaftliche Herz der Hansestadt.

Doch seit 2012 habe sich im Hafen eine Menge getan: Der Umschlag wächst, mehr und mehr große Unternehmen haben sich an der Kai-Kante angesiedelt. Und mit dem Entwicklungsplan 2030 soll die Fläche des Seehafens nun auch noch mehr als verdoppelt werden. In einer aktuellen Studie des Berliner Planungsbüro Gauff Mobility Solutions heißt es, die Zahl der Arbeitsplätze im Hafen werde sich bis 2025 fast verdreifachen. 8690 Arbeitsplätze gab es im Seehafen im Jahr 2005, 20 Jahre später werden es knapp 30000 sein.

SPD: Fähr- und Kreuzfahrtgeschäft wächst

Den Sozialdemokraten geht es in der Tat in erster Linie um die Arbeitnehmer am Hafen: „Derzeit kommen viele im Hafen und in den dortigen Industriebetrieben Beschäftigte mit dem Auto zur Arbeit.

Hierfür müssen große Parkflächen freigehalten werden. Mit einer verbesserten Anbindung können auch hier Potenziale gehoben werden. Das bringt Rostock auch ökologisch voran“, so Wandschneider- Kastell. Und: Die neue Linie soll direkt am Fährterminal halten. Seit Jahren steigt nämlich auch die Zahl der „Fußgänger“, die von und nach Rostock mit den Skandinavienfähren reisen. „Unserem ,Tor zur Welt’ stünde eine Bahn-Anbindung gut zu Gesicht.“

Sowohl der SPD-Fraktionschef als auch der Verkehrssenator denken aber bereits einen Schritt weiter: Schon jetzt werde der Seehafen mehr und mehr auch zu einem Kreuzfahrthafen. Gleich mehrere große Luxusliner machen mittlerweile dort und nicht mehr in Warnemünde fest. Die spanische Reederei Pullmantur beispielsweise läuft ausschließlich den Seehafen an, fliegt ihre Gäste über den Flughafen ein. „Perspektivisch könnte eine Bahn-Anbindung auch vom wachsenden Kreuzfahrt-Geschäft im Seehafen profitieren“, so Wandschneider-Kastell. „Die Urlauber könnten dann aus ganz Deutschland bequem mit der Bahn anreisen.“

Hafen und Flughafen

für neue Linie

„Wir stehen den Überlegungen für eine neue S-Bahn-Linie grundsätzlich offen und konstruktiv gegenüber“, so Hafen-Sprecher Christian Hardt. Und ja: Auch aus Sicht von Rostock Port könnten vor allem die Arbeitnehmer am Hafen von einem neuen, schnellen Nahverkehr auf der Schiene profitieren. Ein klares „Ja“ zu den Plänen kommt ebenso von Dörthe Hausmann, der Geschäftsführerin des Flughafens Rostock-Laage: „Wir arbeiten bereits daran, ein bessere Anbindung des S-Bahnhofes Kronskamp an den Flughafen zu realisieren. Wir sind in Gesprächen mit dem kreiseigenen Busunternehmen Rebus.“ Wenn es von Kronskamp dann mit der Bahn weiter bis in den Hafen ginge – „das wäre für uns ideal“, so Hausmann. „Dann könnten Urlauber aus ganz Deutschland und ganz Europa zu uns fliegen und dann direkt zum Schiff.“

Matthäus: Warten auf Signal

der Bürgerschaft

Die Verkehrsexperten von Gauff Mobility Solutions haben bereits im Auftrag der Stadt eine bessere Anbindung des Seehafens untersucht – und Varianten dafür vorgeschlagen. Eine Version sieht den Bau einer neuen Straßenbahn-Strecke von Toitenwinkel bis in den Hafen vor. Dadurch könnten auch Teile Toitenwinkels besser erschlossen werden. Der Nachteil dieser Idee: Die Endhaltestelle wäre wieder außerhalb des eigentlichen Hafenareals, würde kaum mehr Fahrgäste bringen und mehr als 40 Millionen Euro kosten. Bevorzugte Variante ist deshalb die S-Bahn-Lösung im 30-Minuten-Takt. Auch für die müssten Stadt, Land und Bahn mehrere Millionen Euro in die Hand nehmen (Matthäus: „Wir müssen unter anderem knapp 400 Meter Gleis bis zum Fährterminal und einen neuen Bahnhof bauen“), doch rechnen die Planer mit Tausenden zusätzlichen Fahrgästen. „Derzeit hat dieses Projekt für uns keine Priorität. Aber wenn die Bürgerschaft es wünscht, können wir uns sofort an die Arbeit machen“, so Matthäus.

Die Straßenbahn AG bietet bereits ihre Unterstützung an: „Der Seehafen zählt zu den Bereichen Rostocks mit dem größten Potenzial im Nahverkehr. Wir sind immer daran interessiert, das Angebot für unsere Fahrgäste zu verbessern“, so RSAG-Chefin Yvette Hartmann.

Andreas Meyer

Rostock. Wenn die Streifenwagen der Rostocker Polizei in Zukunft ausrücken, dann sind neue „Kollegen“ mit dabei: die Tröste-Teddys.

28.07.2018

Mit dem Anwachsen des Badebetriebs an der Ostsee entstanden zahlreiche reglementierende Verordnungen und Empfehlungen für die Seebäder.

28.07.2018

Jan Methling hat ein informatives Büchlein über die Kleinbahn geschrieben

28.07.2018