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Bad Doberan Neue Tankstation: Sauberer Kraftstoff für Rostocks Schiffe
Mecklenburg Bad Doberan Neue Tankstation: Sauberer Kraftstoff für Rostocks Schiffe
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00:00 27.07.2018
Sergejus Kostin betankt das Lotsenversetzungsboot Pilot Knurrhahn. Quelle: Fotos: André Wornowski (3)/ove Arscholl (1)
Langenort

Der Motor des Tankschiffes springt an, weißer Rauch steigt auf. „Bei herkömmlichem Diesel wäre jetzt eine blau-graue Wolke zu sehen“, sagt Kay Mieske. Sein Tankschiff verwende jedoch den Dieselkraftstoff GTL. Und der sorge für einen nahezu farblosen Ausstoß. Grund: Er produziert weniger Stickoxide und Feinstaub.

GTL-Diesel produziert laut Anbieter weniger Stickoxide und Feinstaub

Mieske ist Geschäftsführer der ISK Industrieservice-Küste UG. Seit rund zwei Monaten vertreibt seine Firma den neuen GTL-Kraftstoff über das Tankmotorschiff am alten Warnow-Fähranleger Langenort. Zu den ersten Kunden gehören die Lotsenversetzungsboote. Sie kommen dreimal pro Woche her, um aufzutanken. Schon bald soll unter anderem die Wasserschutzpolizei dazu kommen. „Wir wollen GTL als Kraftstoff in Rostock und in Mecklenburg-Vorpommern etablieren“, sagt Mieske. Auch die großen Kreuzfahrtschiffsunternehmen will der 41-Jährige von dem Produkt überzeugen.

Die Rostocker Stadtverwaltung unterstützt das Projekt. „Das wird sich jetzt nach und nach entwickeln. Wir wollen das Angebot fest verankern“, sagt Hafenkapitän Gisbert Ruhnke. Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) ist ebenfalls von dem Kraftstoff überzeugt: „Ich halte das für eine gute Lösung, um aktuell und kurzfristig Emissionen zu senken.“ Die Effekte seien teils erheblich. Laut Mieske helfe GTL, den Ausstoß von Stickoxiden um bis zu 40 Prozent zu senken. „Bei Feinstaub sind es sogar bis zu 60 Prozent“, so der Unternehmer. Dabei gilt: „Je älter der Motor, desto größer der Effekt“, sagt Mieske. Dies sei auch mit Blick auf Traditionsschiffe interessant.

Ähnlich wie das umweltfreundliche Flüssiggas LNG wird auch GTL aus Erdgas gewonnen. Im Gegensatz zu LNG seien bei GTL aber keine zusätzlichen Investitionen nötig. „GTL kann in jedem Dieselmotor verwendet werden, ohne dass dieser umgerüstet werden muss“, sagt Mieske. Allerdings stoße er an diesem Punkt bei vielen auf Vorbehalte. „Die größte Sorge ist, dass die Motoren kaputt gehen könnten.“

Dabei werde der von der EU zertifizierte Kraftstoff seit zehn Jahren weitläufig eingesetzt – nie habe es einen Schadensfall gegeben. GTL sei in den Niederlanden längst etabliert. „Auch im Hamburger Hafen setzt es sich durch“, so Mieske. Zudem, betont er, übernehme Shell-Deutschland die Garantie für alle Schadensfälle, die nachweislich durch den Einsatz von GTL auftreten.

Ein großer Pluspunkt sei auch, dass der Kraftstoff ungiftig und praktisch geruchlos sei. „Das ist wichtig für die Gesundheit der Mitarbeiter, die damit hantieren“, so Mieske. GTL sei wasserklar und biologisch abbaubar. „Es bildet sich kein Ölfilm, wenn es mal zu einer Havarie auf See kommt.“ Allerdings sei der Kraftstoff im Vergleich zum herkömmlichen Diesel vier bis sechs Cent pro Liter teurer – bei nahezu gleicher Verbrauchsleistung.

Aus Sicht von Umweltsenator Matthäus ist der Kraftstoff nicht nur für die Schifffahrt geeignet. „Er könnte auch bei Bussen der Rostocker Straßenbahn AG auf besonderen Linien oder bei der Stadtentsorgung eingesetzt werden.“ Die Stadtverwaltung denke darüber nach, einen eigenen Tank auf einem kommunalen Betriebshof aufzustellen, Testläufe zu fahren und mit Messungen eine Verringerung der Umweltbelastung nachzuweisen. Matthäus schränkt aber ein: „Es ist alles sehr abhängig vom jeweiligen Motor. Es lässt sich daher nicht pauschal eine erhebliche Emissionsminderung erwarten.“

André Wornowski

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