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Bad Doberan Neuer Mitarbeiter ist ein „Glücksgriff“
Mecklenburg Bad Doberan Neuer Mitarbeiter ist ein „Glücksgriff“
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00:00 27.07.2018
Güstrow

Dienstbeginn: 22.30 Uhr. Dann setzt sich Toni Pfeffer an die Rezeption des Hotels „Kurhaus am Inselsee“. Er begrüßt die späten Gäste, erfüllt noch besondere Wünsche der Nachtschwärmer, macht seine Sicherheitsrundgänge und hilft den Kollegen an der Bar gegenüber manchmal auch beim Gläserpolieren. Der 31-Jährige ist Nachtportier im Kurhaus, der Ansprechpartner, wenn alle anderen Kollegen schon im Bett sind.

Toni Pfeffer (31) fand über das Programm „Bürgerarbeit“ einen Job als Nachtportier im „Kurhaus am Inselsee“ in Güstrow. Quelle: Fotos: N. Fellechner/ D. Deutsch
Wir haben einen tollen Mitarbeiter gewonnen.Erich-Alexander Hinz Inhaber Hotel am Inselsee
Arbeitsmarktferne Personen erhalten eine Zukunftschance.Margit Haupt-Koopmann Chefin der Regionaldirektion Nord
Das Programm wirkt, allen Skeptikern zum Trotz.Harry Glawe (CDU) Wirtschaftsminister

„Er ist unser Repräsentant zu nächtlicher Stunde“, sagt Hotelchef Erich-Alexander Hinz. „Ein verantwortungsvoller Job“, schiebt er nach. Denn Pfeffer muss zum Beispiel auf Fehlalarme der Brandmelder reagieren oder, wie vor kurzem, den Notarzt rufen, wenn es einem Gast nicht gut geht.

Erich-Alexander Hinz führt das Haus zusammen mit Ehefrau Claudia seit 1995. Gestartet mit drei Mitarbeitern, beschäftigen die Unternehmer heute im Kurhaus und dem benachbarten Strandhaus 85 Frauen und Männer. Der neue Kollege sei ein „Glücksgriff“, sagt der Hotelbesitzer. Über das Förderprogramm Bürgerarbeit ist Toni Pfeffer ins Team gekommen, ein mit EU-Mitteln gefördertes Projekt zur Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit.

Durch gesundheitliche Probleme kam der gelernte Landmaschinen-Mechaniker in die Jobbredouille. Der Güstrower, Vater von zwei kleinen Kindern, ist Epileptiker und bei bisherigen Tätigkeiten oft an stressigen Vorgaben gescheitert. Auch der Hotelier habe überlegt, ob der zu vergebende Job „leidensgerecht“ sei. „Als Arbeitgeber habe ich auch Verantwortung. Ist das vertretbar, wenn er die ganze Nacht allein ist“, erklärt er. Nach vielen Gesprächen mit dem Bewerber war klar, Pfeffer bekommt den Job. „Wir haben einen Mitarbeiter gewonnen, der uns hoffentlich lange begleitet.“

208 Personen wurden vermittelt

Genau das ist das Ziel des Projektes, Langzeitarbeitslose auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln, ihnen mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung eine Perspektive zu bieten. Im September 2017 ist das Programm in Mecklenburg- Vorpommern gestartet. 208 Menschen wurden seitdem in Bürgerarbeit vermittelt, 188 sind noch immer in Arbeit, die anderen schieden vor allem aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) ist zufrieden: „Das Programm wirkt, allen Skeptikern zum Trotz.“ 1,2 Millionen Euro hat das Land dafür bisher aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Verfügung gestellt. Zu 84 Prozent kamen die neuen Mitarbeiter in der Privatwirtschaft unter. „Bauunternehmen, Handel, verarbeitendes Gewerbe, soziale Einrichtungen“, zählt Glawe auf, die würden über die Bürgerarbeit vor allem Hilfskräfte beschäftigen. „Voraussetzung sind die Zahlung von Mindestlohn und eine Nachbeschäftigungspflicht“, so Glawe, dann gäbe es 6000 Euro Zuschuss vom Land. Bis 2020 will Glawe für die „Bürgerarbeit“ weitere drei Millionen Euro aus dem ESF bereitstellen und damit etwa 500 Beschäftigungsverhältnisse fördern. Jeder Job werde für ein Jahr mit 500 Euro pro Monat bezuschusst.

Arbeitskräfte werden dringend gesucht

Insgesamt gibt es nach Angaben des Ministeriums 22700 Langzeitarbeitslose, im Landkreis sind es 2318. In der Arbeitsagentur sind für den Kreis derzeit 2000 offene Stellen gemeldet, fast 700 mehr als im Vorjahr. „Die Wirtschaft sucht Arbeitskräfte in allen Bereichen“, betont Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit.

Sie kündigt weitere Angebote für Langzeitarbeitslose an. Das neue Teilhabegesetz, das im Januar 2019 in Kraft treten soll, ermögliche auch in MV flexible und differenzierte Angebote speziell für diese Gruppe zu entwickeln. Vor allem „sehr arbeitsmarktferne Personen“, die mindestens sieben Jahre Leistungen vom Jobcenter beziehen, erhielten die Chance in Verbindung mit jobbegleitender Betreuung und Weiterbildung, „den Teufelskreis von Arbeitslosigkeit und sozialer Ausgrenzung zu durchbrechen“. Haupt-Koopmann berichtet von Förderungen über fünf Jahre mit Lohnkostenzuschüssen von 100 bis 70 Prozent. „Informieren Sie sich“, wendet sich die Agenturchefin an die Betriebe.

Toni Pfeffer hat Dienstschluss. Er geht jetzt nach Hause: die Kinder wecken, frühstücken, dann ab zur Kita. Danach wird er schlafen, um abends fit zu sein, für den neuen Job.

Doris Deutsch

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