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Bad Doberan Nienhagen: Entsetzen über tote Wale
Mecklenburg Bad Doberan Nienhagen: Entsetzen über tote Wale
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03:40 16.07.2013
Gemeindearbeiter Carsten Soltow brachte die Tiere nach Doberan.
Nienhagen

Fliegen nagen bereits am aufgeplatzten Tierkörper, der nah am Wasser auf steinigem Untergrund liegt. Am Rücken klafft eine scheinbare Bisswunde. Der Schweinswal muss bereits einige Zeit tot im Wasser getrieben sein, bevor ihn die Strömung zwischen Nienhagen und Börgerende an den Strand warf. An eine unwegsame Stelle, kurz vor Beginn der Steilküste. Immer wieder bleiben jetzt die Spaziergänger stehen, schauen, sind entsetzt. Manche finden traurig, was sie sehen müssen, manche ekeln sich nur.

„Wir sind Sonntagabend hier entlang gelaufen, da machte uns ein Mann auf die beiden Wale aufmerksam“, erzählt der achtjährige Felix Pinkawa aus Berlin, der Urlaubsgast im Alten Forsthaus ist. „Ein kleiner Wal lag neben einem Großen, das war bestimmt das Kind. Die Möwen haben schon drauf gesessen. Ich fand das ganz schön schlimm,“ sagt das Urlauberkind.

Doch von dem jungen Wal fehlt am Montagmorgen jede Spur: „Als mir Familie Pinkawa davon erzählte, habe ich dem Meeresmuseum in Stralsund Bescheid gegeben, denn dort sollen alle Totfunde von Schweinswalen umgehend gemeldet werden“, sagt Vermieter Frank Riefenstahl aus Nienhagen. „Ich war dann selbst noch an der Fundstelle, und Sonntag um 21 Uhr lag noch das tote Schweinswal-Baby direkt neben seiner Mutter.“

Bis gestern Morgen war die Meldung von den verendeten Tieren auf dem Dienstweg von Stralsund über das Ordnungsamt des Landkreises Rostock nach Nienhagen zurückgekehrt. Ordnungsamtsleiter Uwe Ziesig zufolge gab es an diesem Wochenende gleich drei Meldungen von toten Schweinswalen zwischen Börgerende und Nienhagen. „So viele in so kurzer Zeit gab es noch nie“, sagt Ziesig. Die Wale liegen nun in einer speziellen Kühltruhe im Ordnungsamt und warten auf ihre Untersuchung. „Es ist wichtig, dass wir mehr über die Todesursache erfahren“, sagt Ziesig.

Nienhagens Gemeindearbeiter Carsten Soltow hatte am Vormittag große Mühe, den bereits vom Zerfall bedrohten Kadaver auf die Schaufel seines Radladers zunehmen. „Schlimm dieser Fund, vor allem, weil es sich um eine Mutter mit ihrem Jungtier handelt“, sagt er. 2012 hatte Soltau zwei, im Jahr davor gleich vier tote Schweinswale bergen müssen.

Die Bucht vor Börgerende und Nienhagen sei sehr weitläufig, erzählt der Gemeindearbeiter, und die Strömung treibe die Wale oft hier an den Strand von Nienhagen, wo sie dann durch die Buhnen aufgefangen werden. So habe er das beobachtet, sagt Carsten Soltow.

Das kleine Wal-Baby, das der kleine Felix aus Berlin noch direkt neben seiner Mutter fand, entdeckte der Gemeindearbeiter gestern Vormittag oben auf dem Hochufer über dem Strand direkt am Wanderweg. Wie es dort hingekommen ist, weiß offenbar niemand genau. „Das könnten auch Füchse gewesen sein“, vermutet Soltow.

„Schweinswale dürfen nicht gefangen werden, denn sie stehen kurz vor der Ausrottung und unter Naturschutz“, erklärt Ordnungsamtsleiter Uwe Ziesig. „Es ist so, dass Fischer erst ab einer gewissen Netzgröße sogenannte Pinger einsetzen müssen. Die verhindern durch Laute, dass Wale in die Netze schwimmen.“

Felix‘ Vater, Jörg Pinkawa, findet, dass mehr für den Schutz der kleinen Meeressäuger getan werden muss. „Da müsste man die Fischer doch unterstützen und ihnen finanzielle Hilfe für die Anschaffung der Pinger geben“, findet er. Aber das ist wohl Zukunftsmusik, entsprechende Hilfe ist nicht in Sicht.

Nienhagens Bürgermeister Uwe Kahl denkt bei den Funden auch an die Touristen: „Leider ist das so, dass wir jedes Jahr tote Wale vor Nienhagen finden. Das ist für die Urlauber immer sehr schockierend.“ So früh, wie in diesem Jahr, wurden aber selten verendete Tiere gefunden. Meistens kommen die Meldungen erst viel später im Jahresverlauf.

Immer mehr Funde
Vor Nienhagen wurden vergangenes Jahr zwei tote Schweinswale geborgen, 2011 brachte Gemeindearbeiter Carsten Soltow vier Kadaver zur Untersuchung. 30 bis 60 verendete Schweinswale werden jährlich an der Ostsee angespült. Etwa 20 von ihnen werden im Stralsunder Meeresmuseum untersucht. Die Skelette bleiben für wissenschaftliche Zwecke im Museum.

Sabine Hügelland

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