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Bad Doberan Nimmermüde auf der Suche nach Artefakten
Mecklenburg Bad Doberan Nimmermüde auf der Suche nach Artefakten
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00:00 29.01.2018
Der ehemalige Kreisbodendenkmalpfleger Volker Häußler (2. von links) erklärt Merkmale von archäologischen Funden. Quelle: Fotos: Sabine Hügelland
Bad Doberan

35 Jahre ist es nun schon her: „Im Januar 1983 wurde die Arbeitsgruppe der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger für den Bereich Bad Doberan ins Leben gerufen“, sagte Alexander Schacht. Der Kreisbodendenkmalpfleger eröffnete am Sonnabend im Tagungsraum des Amtes Bad Doberan-Land die siebente Zusammenkunft der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger und Interessenten des Landkreises Rostock und der Hansestadt Rostock. Circa 200 offiziell berufene ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger gibt es insgesamt im Land. Hinzu kommen viele Helfer ohne Zertifizierung.

Treffen ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger fand in Bad Doberan statt

Mehr als 6000 Arbeitsstunden haben die Ehrenamtlichen und die interessierten ehrenamtlichen Mitglieder der Kreisarbeitsgruppe Ur- und Frühgeschichte im vergangenen Jahr geleistet. Auch Schachts Vorgänger Volker Häußler – er wurde 2017 für seine ehrenamtliche Arbeit ausgezeichnet – gehört zu den ersten in der Gruppe. Nimmermüde sind sie bei Wind und Wetter mit feinem Gespür auf der Suche nach Artefakten (Menschenwerken, d. Red.) im Boden, die etwas über die Geschichte unseres Landes preisgeben. Was 2017 entdeckt wurde, erfuhren Sonnabend die rund 70 Gäste. Zu den Teilnehmern gehörte unter anderem auch der Dezernent im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, Dr. Lars Saalow, sowie Dr. Marcel Bradtmöller und Dr. Daniel Winger vom Lehrstuhl für Ur-und Frühgeschichte der Universität Rostock.

Ein Vortrag der etwas anderen Art kam von Jürgen Krakor. Er gab im Erzählstil Einblick in seine bodendenkmalpflegerische Tätigkeit im vorigen Jahr: „Vor allem die Deckel von Schnapsflaschen finde ich in großen Mengen auf den Äckern.“

Die Hinterlassenschaften unserer Generationen sind weniger attraktiv als das, was der Reriker noch fand. „Ich bin morgens wie ein Tiger in der Wohnung umher gelaufen, bis meine Frau sagte: 'Dann geh doch.'“ Er machte sich auf den Weg zu einem frisch bestellten Acker bei Neubukow und entdeckte „etwas, das wie eine Pinzette aussah. Dann ging ich planvoller beim Suchen vor.“ Krakor wurde mit einem Bronzefragment mit Vergoldungsresten belohnt. Es stellte sich heraus, dass es zu einem Mittelstück einer Kleeblattfibel der Wikinger gehörte. „Da war mir klar, der Fundplatz wird weiter untersucht.“

Die Zeit dafür erhielt er am Herrentag, wo er ein Wikinger-Schmuckstück mit Darstellungen aus der nordischen Mythologie sicherstellte. Als Zeit der Wikinger wird das Frühmittelalter von circa 800 bis 1060 bezeichnet.

Wie die Fundstücke einmal im Gesamten ausgesehen haben könnten, präsentierte der 59-Jährige anhand seiner flotten „Renate“. Der Puppen-Torso trug Wikinger-Schmuck, in den Nachbildungen seiner Fundstücke eingearbeitet wurden.

Dr. Lars Saalow berichtete über die Ausgrabungen und Funde 2017 und bedankte sich bei den Ehrenamtlern: „Ohne ihre Arbeit hätten wir nicht solch einen großen Fundus.“ Und damit traf er ins Schwarze – denn der wunde Punkt ist immer noch das fehlende Landesmuseum. „Ihre Funde dienen teilweise auch Forschungszwecken“, sagte er in Bezug auf Münzen und machte damit klar, wie wertvoll die Arbeit der Bodendenkmalpfleger ist. In Questin entdeckte Uwe Balscheit eine Emaille-Scheibenfibel (die OZ berichtete). Auf dem Kammerhof wurde 2016 im Zuge der Erschließung von Bauland mit archäologischen Untersuchungen begonnen. Bis heute sicherten die Bodendenkmalpfleger viele tausend Fundstücke, darunter auch neolithische Flintgeräte, Keramiken aus verschiedenen Epochen und einen Feuerbock aus der vorrömischen Eisenzeit. In Wischuer wurden überraschend Pfostenresten entdeckt, die auf ein Gebäude aus der Frühbronzezeit hinweisen, nahe einem Urnengräberfeld. „Solche Veranstaltungen dienen dem Erfahrungsaustausch und der Kontaktpflege. Ich halte sie deshalb für besonders wichtig“, sagte Thomas Köhler, Leiter des Reriker Heimatmuseums.

Sabine Hügelland

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