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Bad Doberan Pionier hätte beinahe Lehrer überrollt
Mecklenburg Bad Doberan Pionier hätte beinahe Lehrer überrollt
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00:29 05.05.2018
Ehemalige Neubukower Schüler und Partner ließen sich anlässlich ihres Schulabschlusses vor 60 Jahren durch das Münster führen. Quelle: Foto: Thomas Hoppe
Bad Doberan/Neubukow

Auch um zu sehen, „wie jung man noch ist“, sei er heute hier, begründet der gebürtige Schliemannstädter, Heinz Thonhauser, dass er an diesem Freitag beim Treffen seiner Neubukower Schulabgangsklasse von 1958 dabei ist. „So kann man erfahren, wie man drauf ist und unterhält sich ein bisschen: Was machst du? Das ist interessant zu wissen. Jeder schiebt doch sein Leben vor sich her. Aber über Krankheiten spricht man nicht, das ist witzlos. Das braucht man nicht, das kann man zu Hause machen“, ergänzt der sportliche 76-Jährige, der jeden zweiten Tag seine zehn Kilometer laufe, wie er sagt.

Von den einst 18 Schülern ist diesmal die Hälfte noch dabei, fünf Männer seien schon gestorben, heißt es. Seit 1978 ist die Klasse bereits 14 Mal zusammengetroffen – der Zusammenhalt war wohl früher schon groß gewesen. Denn wie Burkhard Albrecht und Heinz Thonhauser erzählen, soll sich die ganze 10 b damals kurz vor einer Abschlussprüfung in die Malpendorfer Tannen verdrückt haben. Der damalige Biologie-Lehrer und spätere Neubukow-Chronik-Autor Walter Haak hatte die Stelle den Jugendlichen während seines Unterrichts gezeigt und nun wollten sie dort einfach nur in der Natur entspannen: „Wir haben dort keinen Unfug gemacht. Gingen dann zurück und die Prüfung wurde irgendwie verschoben“.

Dramatischer muss es dagegen in der 9. Klasse zugegangen sein, als Burkhard Albrecht und Heinz Thonhauser beim Rübenverziehen in Brodhagen/Steffenshagen unternehmungslustig in einen Traktor vom Typ „Pionier“ geklettert waren und dieser sich plötzlich in Bewegung setzte. „Und vor uns lief unser Lehrer, Herr Butscheck. Er kam aber glimpflich davon und konnte sich noch rechtzeitig hinter einem Baum verstecken“, erinnert sich Heinz Thonhauser. Die Jungs wollen dann „irgendwo dran gezogen“ haben und dann stand der Trecker wieder.

Beide lernten später quasi „Strippenzieher“. Burkhard Albrecht arbeitete als Elektriker in Neubukow. Der Stadt setzte er mittlerweile schon mit vier Büchern voller historischer Bilder und informativer Texte ein Denkmal. Sein Klassenkamerad Heinz las 1961 in München bei einem Bier auf dem Marienplatz vom Mauerbau in Berlin. Ein Jahr später war er wieder zu Hause: „Meine Eltern hatten so viel Ärger gehabt. Ich arbeitete dann wieder als Elektriker in Neubukow, ging schließlich nach Schwedt ins Petrolchemische Kombinat und wurde von dort zum Ingenieurstudium nach Wismar delegiert“, erinnert sich Heinz Thonhauser, der in der Region auch als langjähriger (1990 bis 2007) „Bürowelt“-Chef bekannt ist. Die ehemaligen Schüler dieser 10 b der Neubukower Mittelschule (unterrichtet im Gebäude 3 – dort, wo heute die Kita im Amtsgarten untergebracht ist) wurden auch Buchhalterin, Lehrerin, Postlerin, Elektriker und Installateur, Industriemeister, NVA-Major , Technische Zeichnerin auf einer Werft und Fotolaborverantwortlicher der Zeitung „Neues Deutschland“, des damaligen „SED-Zentralorgans“, in Berlin. „Hin und wieder habe ich auch fotografiert – zum Beispiel als Sigmund Jähn ins All geflogen war“, erzählt Horst Bitter. Aber er war nicht selbst im Kosmos, sondern reproduzierte für einen ND-Titel ein Funkbild, das in Berlin-Adlershof vom Sojus-Raumschiff empfangen worden war.

Auch deshalb ist es wohl kein Wunder, dass seine Klassenkameradin Margret Kaschewski aus Moitin schon 14 größere Treffen der einstigen 10 b seit 1978 auflisten kann: unter anderem in Westenbrügge, Ravensberg, Moitin, Tüzen, Wismar, Rostock, Dömitz und Papenburg.

Immer gab es, viel zu berichten und dann auch wieder über diese „Klassenausflüge“. So erinnert sich Margret Kaschewski daran, wie 1988 ins Schloss Danneborth („Das war damals top in Schuss“ – Jetzt ist es abgerissen) auch eine Mitschülerin aus Flensburg eingeladen worden war: „Das war damals nicht erlaubt, das haben wir schwarz organisiert – mit Übernachtung“. Heute ist ein Paar aus Papenburg dabei – die Frau des verstorbenen Mitschülers Wolfgang und ihr neuer Partner: „Ich komme gern zu diesen Treffen. Es gefällt mir so gut“, sagt sie. So reden auch Karin Elstermann, die in der 10 b noch Grunewald hieß, und ihr Karl – sie reisten aus Halle an.

Thomas Hoppe

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