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Politik Asylbewerber wehrt sich mit Messer gegen Abschiebung
Mecklenburg Bad Doberan Politik Asylbewerber wehrt sich mit Messer gegen Abschiebung
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00:00 06.05.2016

Ein 20-jähriger Asylbewerber wollte sich am Mittwoch seiner Abschiebung widersetzen. In einer Wohnung in der Bad Doberaner Beethovenstraße griff er die Polizisten mit einem Messer an und verletzte sich anschließend selbst.

Mitarbeiter des Amtes für Migration und Flüchtlingsangelegenheiten hatten gegen 8.30 Uhr die Abschiebung des Mannes umsetzen wollen. Als der Asylbewerber davon erfuhr, soll er zu einem Messer gegriffen und auf die Polizisten gerichtet haben. Das bestätigt Gert Frahm, Pressesprecher der zuständigen Polizeiinspektion Güstrow. Seinen Worten zufolge kam es in dem Haus, in dem sich der Asylbewerber aufhielt, zu dem Vorfall. Die Beamten drohten mit dem Einsatz von Pfefferspray und Schusswaffen. Sie machten jedoch keinen Gebrauch davon, erklärte Gert Frahm. Nach seinen Informationen soll sich der 20-Jährige dann selbst verletzt haben. Letztlich sei ihm das Messer aus der Hand gefallen. Er habe sich Schnittverletzungen am Arm zugezogen, wurde im Krankenhaus versorgt, sagt Gert Frahm. Die Abschiebung sei dann durchgesetzt worden.

Polizeibeamte würden vorsorglich im Rahmen der Amtshilfe bei solchen Einsätzen dabei sein. Ähnliche Vorfälle von Gewalt seien aus Bad Doberan bisher kaum bekannt, sagt Frahm. Das bestätigt auch Marion Schlender, Sprecherin im Schweriner Ministerium für Inneres. „Es kommt schon mal vor, dass Personen, die zurückgeführt werden sollen, sich mit Gewalt widersetzen. Aber das ist nicht die Regel und wir führen da auch keine Statistik“, sagt sie. Sei ein Asylverfahren abgeschlossen, erhalte der Bewerber den Bescheid. Bei Ablehnung des Antrags gebe es eine Rechtsbehelfsfrist, gegen die Entscheidung könne beim Verwaltungsgericht Widerspruch eingelegt werden. Sei die Ablehnung rechtskräftig, werde dem Asylbewerber Zeit für freiwillige Ausreise eingeräumt. Nutze er die nicht, werde die Abschiebung durchgesetzt, erklärt Marion Schlender. Im Falle des jungen Mannes aus Bad Doberan handelte es sich allerdings um einen sogenannten „Dublin- Fall“. Er wurde nach Polen zurückgeführt, weil er dort erstmals registriert worden war — so verlangt es das „Dublin-Abkommen“ der EU.

Von Januar bis März dieses Jahres gab es in MV 228 Abschiebungen, voriges Jahr insgesamt 1200.Renate Peter/Stefan Tretropp

OZ

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