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Politik „Die neue Amtssprache in Bargeshagen wird nicht Spanisch“
Mecklenburg Bad Doberan Politik „Die neue Amtssprache in Bargeshagen wird nicht Spanisch“
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00:15 26.06.2014
Eine Eingemein- dung nach Rostock muss unbedingt verhindert werden.“Bargeshagens neuer Bürgermeister Eduardo Catalán

Bargeshagen — Mehr als 1000 Stimmen konnte Eduardo Catalán (FDP) Ende Mai bei der Bürgermeisterwahl in Admannshagen-Bargeshagen auf sich vereinen. Im OZ-Gespräch erklärt der 51-Jährige, welche Baustellen jetzt angepackt werden müssen, wie er den Ort vor einer möglichen Eingemeindung nach Rostock schützen will — und dass der Flamenco nicht zum Pflichttanz bei Dorffesten wird.

OSTSEE-ZEITUNG: Herr Catalán, am kommenden Montag starten sie in Admannshagen-Bargeshagen offiziell ins Amt des Bürgermeisters. Hat Sie das positive Wähler-Votum überrascht?

Eduardo Catalán: In der Tat — die allgemeine Zustimmung war enorm. Ich habe schon in den Wochen vor der Wahl einen starken Rückhalt in der Gemeinde gespürt. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen — ebenso wie die Wahlbeteiligung von fast 60 Prozent.

OZ: Dabei treten Sie in große Fußstapfen . . .

Catalán: Hans-Peter Stuhr war es leider aus beruflichen Gründen nicht möglich, das Bürgermeister-Amt weiter auszuüben — das bedauere ich außerordentlich. Denn für mich war er eine Idealbesetzung. Niemand verkörpert die alte und neue Gemeinde so wie er. Er ist ein offener Typ, war die Brücke zwischen den Alteinwohnern und den Zugezogenen. Umso mehr freut es mich, dass er sich bereit erklärt hat, in der Gemeindevertretung weiter mitzuarbeiten — und sein super Wahlergebnis spricht Bände.

OZ: Was wollen Sie in den kommenden fünf Jahren anpacken?

Catalán: 2019 wird die Landkarte in MV anders aussehen als bisher. Gemeinden sollen sich zusammenschließen, es wird Zwangsfusionierungen und Zwangseingemeindungen geben. Ich glaube, viele Leute sind da noch nicht wirklich sensibilisiert. Eine Eingemeindung nach Rostock muss dabei unbedingt verhindert werden. Die Folgen wären dramatisch — deutlich höhere Steuern und Abgaben sind noch das Geringste. Wenn wir bis 2019 keine Regelungen hinbekommen, wird unsere Amtsverwaltung ersatzlos gestrichen — das muss jedem klar sein.

OZ: Wie wollen Sie diesem Szenario entgegenwirken?

Catalán: Wir müssen alle möglichen Synergien ausschöpfen, unabhängige Finanzquellen erschließen, Allianzen bilden. Im Kreistag wird es meine Aufgabe sein, die Interessen unserer Gemeinde wahrzunehmen und zu verhindern, dass uns die Kreisumlage den finanziellen Spielraum für gemeindliche Aufgaben nimmt. Dazu sollte auch das Zusammenwachsen der Altkreise zügig vorangebracht werden.

OZ: Was steht in der Gemeinde selbst an?

Catalán: Oberste Priorität hat hier der Bau von altersgerechten Wohnungen. Auf dem noch freien Grundstück an der Hauptstraße soll es noch in diesem Jahr losgehen. Es darf nicht passieren, dass uns Menschen, die zum Teil ihr ganzes Leben in unserer Gemeinde verbracht haben, verlassen müssen, weil wir keinen geeigneten Wohnraum haben. Dazu müssen unsere Kommunikation verbessert, Internet und Verwaltung modernisiert werden. Gerade mit Blick auf die drohenden Einschnitte in wenigen Jahren muss die Dorfgemeinschaft noch enger zusammenwachsen. Alle Einwohner können sich einbringen, in zahlreichen Vereinen und Interessengruppen. Sie sind überall herzlich willkommen.

OZ: Ihr Name verrät es — Sie sind Spanier. Haben Sie eigentlich einen deutschen Pass?

Catalán: Nein — ich habe noch nicht mal die doppelte Staatsbürgerschaft. Deshalb ist es umso ungewöhnlicher, als „Ausländer“ in MV zum Bürgermeister gewählt zu werden. Aber das zeichnet unsere Gemeinde doch aus: weltoffen, tolerant, und den Blick immer nach vorn gerichtet. Die Leute brauchen übrigens keine Angst zu haben: Ab Juli wird die neue Amtssprache in Bargeshagen nicht Spanisch, es wird keine Stierkampfarena gebaut, und der Flamenco wird nicht Pflichttanz beim nächsten Dorffest . . .

Überzeugendes Wahlergebnis
1993— in diesem Jahr kam der Spanier Eduardo Catalán aus Stuttgart nach Bargeshagen. Der 51-jährige Kaufmann hat eine Tochter und zwei Söhne und lebt hier mit Partnerin Sylvia zusammen.
1051 Stimmen konnte Eduardo Catalán bei der Wahl zum Bürgermeister in Admannshagen- Bargeshagen Ende Mai auf sich vereinen.
910 Bargeshäger wählten Vorgänger Hans-Peter Stuhr in den Gemeinderat — ein Spitzenwert. Auf Platz zwei folgte hier Catalán mit 724 Stimmen, den drittbesten Wert erzielte Anke Symanzik (415).



Interview von Lennart Plottke