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Doberans marode Spielplätze: Ein Stadtteil greift zur Selbsthilfe

Bad Doberan Doberans marode Spielplätze: Ein Stadtteil greift zur Selbsthilfe

Weil die Stadt seit Jahren kaum Geld für Spielgeräte ausgibt, organisieren Doberaner auf dem Buchenberg einen Subbotnik.

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Wollen gemeinsam den Spielplatz hübsch machen: Jochen Arenz (v. l.), Illona und Lutz Meinke, Florentine und Lina.

Quelle: Fotos: Andreas Meyer

Bad Doberan. Der Sandkasten voller Dreck, die Wippe äußerst wackelig. Nein, so richtig Spaß macht das Toben auf dem Spielplatz am Bad Doberaner Buchenberg nicht mehr. Auch Lina (5) und ihrer achtjährigen Schwester Florentine vergeht mehr und mehr die Freude am Klettern: Denn an den Gerüsten blättert bereits die Farbe ab, der Rost ist nicht mehr zu übersehen. „Die Spielgeräte sind alle noch aus DDR-Zeiten. Seitdem hat die Stadt hier auch kaum etwas gemacht“, schimpft Opa Lutz Meinke (59). Und weil das Rathaus nicht reagiert, ergreift der parteilose Stadtvertreter Jochen Arenz nun die Initiative: „Wir wollen den Spielplatz jetzt in Eigenleistung hübsch machen — für die Kinder, für den ganzen Stadtteil“, sagt Arenz.

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Wollen gemeinsam den Spielplatz hübsch machen: Jochen Arenz (v. l.), Illona und Lutz Meinke, Florentine und Lina.

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Das soll nur der erste Schritt sein: Wenn der Subbotnik auf dem Buchenberg ein Erfolg ist, will der Stadtvertreter die Aktion gleich auf alle Spielplätze der Stadt ausweiten. Denn Probleme gibt es überall, räumt Gerhart Kukla ein. „Wir begrüßen die Eigen-Initiative sehr“, sagt der Leiter des Bürgeramtes im Doberaner Rathaus. Gerade mal 5000 Euro pro Jahr hat er für den Unterhalt der insgesamt 14 Plätze in der Stadt zur Verfügung. Dabei gibt es mehr als 1200 Kinder in der Stadt — und jedes Jahr kommen etwa 100 Neugeborene hinzu. Von dem wenigen Geld muss auch noch der jährliche Spielplatz-Tüv bezahlt werden. „Wir haben eine Sicherungspflicht. Die müssen wir auch erledigen.“ Für viel mehr fehle dann aber tatsächlich das Geld. Gleich zwei Plätze mussten deshalb in diesem Jahr geschlossen werden: die Spielgeräte am Dorfteich in Althof waren nicht mehr sicher. Auch das Baumhaus an der Regionalen Schule auf dem Buchenberg wurden von den Prüfern nicht mehr für „gut“ befunden.

„Da gab es diverse Mängel“, erklärt Kukla.

Ganz so weit ist es am Buchenberg noch nicht. „Aber es wird schlimmer“, sagt Arenz. Anwohner haben ihm von Hundekot im Buddel-Sand berichtet. „Und es gibt auch nur einen einzigen Mülleimer und nur eine Sitzbank. Dabei ist der Platz der Treffpunkt für den ganzen Stadtteil“, ergänzt Ilona Meinke (50). Sobald die Schule vorbei sei, stürmen die Jüngsten die Spielgeräte. „Die Mütter sitzen im Gras und schauen zu. Eigentlich total schön — wenn nicht alles so schäbig wäre.“ Auch Florentine verbringt gerne Zeit auf der Grünfläche — aber: „Die Wippe wackelt schon gefährlich. Und am Klettergerüst muss man aufpassen, sich nicht Rost in den Finger zu reißen.“

Ihr Opa Lutz ist genau deshalb auch auf das Rathaus gar nicht gut zu sprechen: „Im Wahlkampf vor zwei Jahren hat unser neuer Bürgermeister Thorsten Semrau allen Kindern versprochen, dass er die Spielplätze hübsch machen wird. Und was ist seitdem passiert? Nichts. Er hat sein Versprechen gebrochen.“

Deshalb setzen Meinke und Politiker Arenz auf den Zusammenhalt im Viertel — und auf die Hilfe der Wirtschaft: Am Sonnabend in zwei Wochen — dem 28. September — laden die beiden alle Bürger zum freiwilligen Arbeitseinsatz auf dem Buchenberg-Spielplatz ein. Um 10 Uhr soll es los gehen. „Ich koche auch Kaffee für die Helfer — und mache Kuchen“, verspricht Ilona Meinke. Die Farbe, um die Spielgeräte zu streichen, will Stadtvertreter Arenz besorgen. „Und mit den großen Wohnungsgesellschaften in der Stadt haben wir auch schon gesprochen: Die geben auch Geld dazu.“ Die Genossenschaft AWG wolle zwei Bänke stiften. „Wir sind ein intakter Stadtteil, eine gute Gemeinschaft. Ich hoffe auf viele Helfer“, so Meinke.

Für Arenz ist die Eigen-Initiative ein Versuch: „Die Kassen der Stadt sind leer. In Zukunft werden wir Bürger selbst stärker aktiv werden müssen.“ Er will deshalb „Paten“ für die maroden Spielplätze der Münsterstadt suchen: „Menschen, die einen Blick auf die Plätze haben — und bei Problemen uns Stadtvertreter oder das Rathaus ansprechen.“

Einsatz: Sonnabend, 28. September — ab 10 Uhr, Buchenberg.

Pro Spielplatz gibt es nur 350 Euro
14 Spielplätze gibt es in der Stadt Bad Doberan. Zwei sind erst in diesem Jahr vom Tüv geschlossen worden. Am Dorfteich in Althof und im Baumhaus an der Regionalschule am Buchenberg darf wegen Sicherheitsmängeln nicht mehr getobt werden.

5000 Euro gibt die Stadt pro Jahr für den Unterhalt und die Wartung der Plätze aus.

 

Andreas Meyer

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