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Ehm-Welk-Haus wird zugeschlossen

Bad Doberan Ehm-Welk-Haus wird zugeschlossen

Ab Januar 2014 soll das Literatur- und Veranstaltungshaus nur noch bei Bedarf geöffnet werden. Das soll die Kosten auf ein Minimum reduzieren. Jetzt wird nach einem tragfähigem Konzept für die Zukunft gesucht.

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Ein hübscher, gepflegter Klinkerbau mit schönem Garten, an dem die Kleinbahn „Molli“ vorbeidampft — das idyllische Bild täuscht. Die Zukunft des Ehm-Welk-Hauses ist ungewiss, ab kommenden Januar wird es nicht mehr regelmäßig geöffnet sein.

Quelle: Lutz Werner

Bad Doberan. Die Tage des Ehm-Welk-Hauses als regelmäßig geöffnetes Literatur-Museum sind gezählt. „Da zurzeit kein Konzept vorliegt, das aus haushaltsrechtlicher Sicht zu vertreten ist, empfehlen wir, das Ehm-Welk-Haus ab 2014 nur noch bei Bedarf zu öffnen und somit die Belastung des Haushalts auf ein Minimum zu reduzieren“, heißt es in einer gemeinsamen Beschlussvorlage der Fraktionen von SPD, FDP und Linke. Die Stadtvertretung erhob diese Empfehlung vorgestern Abend in ihrer Sitzung zum Beschluss: mit 13 Ja-Stimmen, sieben Mal „Nein“ und zwei Enthaltungen.

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Mit den vier Varianten habe ich versucht, die bisherige Diskussion zusammenzufassen.“Frank Pieplow (fraktionslos)

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Außerdem wird Bürgermeister Thorsten Semrau (parteilos) verpflichtet, durch die Kommunal- und Rechtsaufsicht des Landkreises Rostock klären zu lassen, ob die Stadt das Haus verkaufen, verschenken oder an die Erben zurückgeben könne. Oder anders nutzen darf — beispielsweise als Ferienwohnanlage oder Kindergarten.

Eine weitere Beschlussvorlage zum Ehm-Welk-Haus vom fraktionslosen Stadtvertreter Frank Pieplow, dem Vorsitzenden des Ausschusses für Bildung, Soziales und Kultur, wurde mit großer Mehrheit — 16/1/5 — in die Ausschüsse zurück verwiesen. Pieplow hatte auf der Basis der Diskussionen in verschiedenen Ausschüssen vier Varianten für die Zukunft des Hauses aufgeschrieben — von seinem Verbleib als Kultureinrichtung bei der Stadt bis hin zur Beendung von Bewirtschaftung und Betreibung.

Der Gedanke, das Haus den Erben zurückzugeben oder es zu verkaufen, scheint quer durch die Fraktionen kein Thema mehr zu sein, ergab die Diskussion des Pieplow-Papiers. Die Varianten A und B sehen den Verbleib des Hauses bei der Stadt und die Erarbeitung eines Konzeptes für seine Entwicklung zu einem überregionalen Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur vor. Guido Lex (Unabhängige Doberaner Initiative) bezeichnete das Ehm-Welk-Haus „als tragende Säule der Kultur in Bad Doberan“ und will dort eine breit gefächerte Kulturarbeit mit und für Kinder und Jugendliche sehen.

Die Stadtvertreter folgten dem Vorschlag von Rolf Kuchenbuch (CDU), in den Ausschüssen die Varianten A und B „mit der Zuweisung von Verantwortlichkeiten und in einem festzusetzenden Zeitrahmen zu diskutieren“. Damit die Diskussion über ein neues, zukunftsweisendes Konzept nicht unendlich werde, sondern in einer überschaubaren Zeit zum Ergebnis geführt werden kann. Wie ein solches Konzept aussehen könne — darüber herrschte vorgestern Abend aber noch fraktionsübergreifende Ratlosigkeit. Das wurde in der Antragsflut zu diesem Thema vor dem Kuchenbuch-Vorschlag erkennbar. „Die Flut der Anträge wird unübersichtlich“, kritisierte Sylvia Stracke (FDP).

Ob es wirklich Sinn macht, die Rechts- und Kommunalaufsicht prüfen zu lassen, was mit dem EhmWelk-Haus rechtlich möglich ist — darüber gehen die Meinungen auseinander. „Es gibt sehr unterschiedliche Meinungen zur Zukunft des Hauses. Die Kommunalaufsicht soll sagen, was möglich ist. Wir brauchen Rechtssicherheit“, betonte Stracke. „Ich bezweifle, ob die Rechtsaufsicht Sachen im Erbschaftsrecht beurteilen kann“, formulierte Kuchenbuch mit leicht ironischem Unterton. Im Finanzausschuss sei ein Verkauf des Hauses übrigens nie ein Thema gewesen, betonte Birgit Mersjann (SPD).

Schönes Haus mit wenigen Besuchern
1979 im Dezember wurde das Haus in der Dammchaussee als kulturelle Begegnungsstätte der Öffentlichkeit übergeben. Damit wurde dem Wunsch Ehm Welks entsprochen, aus dem Haus keine Gedenkstätte zu machen, sondern es mit Leben zu erfüllen. In dem schlichten Klinkerbau am Rande der Stadt verbrachte der Autor so bekannter Romane wie „Die Heiden von Kummerow“ und „Die Lebensuhr des Gottlieb Grambauer“ ab 1950 seine letzten 16 Lebensjahre.

50 000 Euro kostet die Stadt das Literaturhaus pro Jahr, in dem auch kleine Konzerte und Lesungen stattfinden. Zu viel, meinen viele Stadtvertreter. Denn den Aufwendungen aus dem Stadthaushalt stehen nur rund 3000 Euro Einnahmen gegenüber. Im Durchschnitt der letzten Jahre kamen nur rund 700 Besucher, die das Haus mit dem Arbeitszimmer von Ehm Welk, der großen Bibliothek und dem schönen Garten sehen wollen — lediglich zwei Gäste pro Tag.

 

Lutz Werner

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