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Politik Kein Bürgermeister, kein Geld: Stadt denkt über Fusion nach
Mecklenburg Bad Doberan Politik Kein Bürgermeister, kein Geld: Stadt denkt über Fusion nach
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07:21 25.03.2014
Blick auf das Bürgermeister-Büro im Kröpeliner Rathaus: Bleibt das Zimmer bald dauerhaft leer? Quelle: Thomas Hoppe

Fünf Tage, nachdem die Stadtvertretung den seit knapp einem Jahr krank geschriebenen Bürgermeister Hubertus Wunschik (Grüne) in den vorzeitigen Ruhestand versetzt hat, steht die Kommunalpolitik in Kröpelin vor der nächsten großen Entscheidung: Die Stadt will mit den Nachbar- Gemeinden über eine Verwaltungsfusion verhandeln — um sich die Neuwahl eines hauptamtlichen Bürgermeisters und damit Personalkosten zu sparen. Die Zeit drängt: Denn sollte es doch zu einer Neuwahl kommen, hat die Stadt dafür nur fünf Monate Zeit. Hinter den Kulissen zeichnet sich eine Mehrheit für Fusionsverhandlungen ab. Mit Kühlungsborn hat es sogar bereits erste Gespräche gegeben.

Die Vorgeschichte: Seit Jahren gibt es in Kröpelin Streit zwischen Stadtvertretern und Bürgermeister. Eine Abwahl Wunschiks im Jahr 2011 scheiterte, seit April 2013 ist er dienstunfähig. Zur Entscheidung, den ungeliebten Rathaus- Chef vorzeitig in Rente zu schicken, hatten Landkreis und Amtsärzte geraten. Noch ist der Schritt nicht rechtskräftig, doch die Stadt plant bereits ohne Wunschik — und auch ohne eigene Verwaltung. Gleich mehrere Nachbarn kämen für Kröpelin als Fusions- oder auch Kooperationspartner in Frage.

„Noch gibt es nicht Konkretes — und auch keine Entscheidung“, betont Stadtpräsident Jürgen Borchardt (CDU). Doch: Die Zeit sei reif, über mögliche Kooperationen nachzudenken. „Wir müssen das ernsthaft prüfen.“ Veikko Hackendahl (Kröpeliner Liste) wird deutlicher: „Natürlich muss auch weiterhin in Kröpelin entschieden werden, was aus der Stadt wird. Aber: Angesichts unserer Finanzlage müssen wir gucken, wie sich die Verwaltung neu aufstellen lässt.“ Das Rathaus sei an der Leistungsgrenze, bräuchte zusätzliche Stellen. Aber die könne sich Kröpelin nicht leisten: Das Defizit der Kleinstadt mit 4600 Einwohnern wachse stetig. „Durch einen Zusammenschluss könnten wir bis zu 200 000 Euro an Personalkosten im Jahr sparen. Geld, das wir zum Beispiel in die Sanierung städtischer Wohnungen stecken könnten.“ Auch Kröpelins SPD spricht sich für Gespräche mit Kühlungsborn, mit Satow und mit den Ämtern Doberan-Land und Neubukow-Salzhaff aus: „Es geht dabei nicht darum, unsere Eigenständigkeit aufzugeben. Es geht allein um die Verwaltung“, sagt Thomas Gutteck. Mit einer Entscheidung rechnet er frühestens nach den Kommunalwahlen Ende Mai. „Wir dürfen nichts übers Knie brechen.“

Einzig die Linken wollen, dass sich vorerst nichts ändert: „Wir haben noch nicht unser gesamtes Potenzial ausgeschöpft. Wenn wir die Baustellen endlich abarbeiten, könnte es ohne Fusion gehen“, sagt Roland Bull. „Wenn es dann immer noch nicht funktioniert, wäre das erst ein Thema.“

Die Verhandlungen sind aber bereits im Gange: Kühlungsborns Bürgermeister Rainer Karl (parteilos) bestätigt Gespräche mit Kröpelin. „Ja, wir können uns vorstellen, mit der Nachbarstadt zusammenzuarbeiten. Entweder übernehmen wir gegen Geld die Verwaltungsarbeit oder Kröpelin schließt sich uns als Ortsteil an.“



Andreas Meyer

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