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Ostseebad rechnet mit den „Oberen“ ab

Politik Ostseebad rechnet mit den „Oberen“ ab

Beim Neujahrsempfang übte die Kühlungsborner Stadtspitze scharfe Kritik am Land und dem Landkreis. Die Auszeichnung „Bürger des Jahres“ geht 2015 an Roswitha Mehl und Hermann Bugar.

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Die Kühlungsborner des Jahres 2015: Bürgermeister Rainer Karl (li.) zeichnete Roswitha Mehl mit dem Ehrensamtspreis der Stadt aus, Uwe Ziesig (rechts) überreichte die Auszeichnung an seinen Amtsvorgänger Hermann Bugar.

Quelle: Fotos: Andreas Meyer

Kühlungsborn — Das neue Jahr beginnt im größten Ostseebad des Landes mit heftiger Kritik an den „Oberen“: Sowohl Kühlungsborns Bürgervorsteher Uwe Ziesig als auch Bürgermeister Rainer Karl (beide parteilos) nutzten den traditionellen Neujahrsempfang, um mit der Politik der Schweriner Landesregierung und des Landratsamtes in Güstrow abzurechnen. Vor allem der geplante Bau von Windparks in der Ostsee vor Kühlungsborn sorgt in der Stadt weiterhin für mächtig Ärger.

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Die Kühlungsborner des Jahres 2015: Bürgermeister Rainer Karl (li.) zeichnete Roswitha Mehl mit dem Ehrensamtspreis der Stadt aus, Uwe Ziesig (rechts) überreichte die Auszeichnung an seinen Amtsvorgänger Hermann Bugar.

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Dass Energieminister Christian Pegel (SPD) trotz der Kritik aus der Tourismusbranche und den Orten an den Planungen für das neue Raumordnungsprogramm festhalte, sei „wahnwitzig“, sagte Karl unter dem Applaus der rund 150 Gäste in der Kunsthalle. „Schwerin vernichtet leichtfertig die Erfolge, die wir uns in Kühlungsborn gemeinsam über Jahrzehnte erarbeitet haben.“ Der eigentliche Skandal, so Karl, sei, dass Pegels Amtsvorgänger Volker Schlotmann nur wenige Wochen nach dem Ausscheiden aus dem Amt in die Windenergiebranche gewechselt sei.

Ziesig attackierte in seiner Rede vor allem den Landkreis: Im Streit um Ferienwohnungen in Wohngebieten habe das Landratsamt die Verantwortung auf die Kommunen „abgewälzt“. „In Kühlungsborn herrscht Streit. Wir wollen das Problem lösen, alle 16 Bebauungspläne ändern. Aber das geht nicht von heute auf morgen“, so Ziesig. Die Stadt habe den Landkreis in der Zwischenzeit um Zurückhaltung gebeten — aber: Die Behörde verschicke weiterhin Anhörungen und Nutzungsuntersagungen. „Da kann man etwas mehr Fingerspitzengefühl erwarten.“ Landrat Sebastian Constien (SPD) — Gast des Empfangs — hörte sich die Worte regungslos an.

Doch auch innerhalb des Ortes ist längst nicht mehr alles in bester Ordnung: Dass der Bürgermeister dem Verkauf von Flächen des Baltic-Parks an den Schwimmhallen-Investor widersprochen hat, brachte ihm einen öffentlichen Seitenhieb von Ziesig ein. „Nach den jahrelangen Debatten, kann ich erwarten, dass ein demokratisch gefasster Beschluss auch von jenen akzeptiert wird, die eine andere Meinung haben.“ Karl wiederum übte Kritik an der Tourismusbranche: „Mich ärgert, dass man vielerorts in Kühlungsborn noch immer nicht mit Kreditkarte zahlen kann. Das erwarten internationale Gäste aber.“

Auch Ärzte und Apotheken bekamen deutliche Worte zu hören: „Wir haben drei Apotheken im Ort. Trotzdem müssen die Gäste am Wochenende oft nach Doberan oder Neubukow. Ich erwarte von allen, die von den Urlaubern profitieren, dass sie in der Saison ihre Einrichtungen auch öffnen.“

Absolut einig waren sich Stadtspitze und Gäste dann aber, als es um die Bürger des Jahres ging: Mit dem Ehrenamtspreis zeichnet Kühlungsborn 2015 Roswitha Mehl und Hermann Bugar aus. Bugar war von 1990 bis 2014 Bürgervorsteher des Ostseebades, engagierte sich aber auch aktiv im Sport: „Dein diplomatisches Geschick bewundere ich. Du bist für mich ein Vorbild“, sprach Ziesig seinen Amtsvorgänger in der Laudatio direkt an. Roswitha Mehl saß ebenfalls jahrelang in der Stadtvertretung, leitet den Seniorenbeirat und ist bis heute Gleichstellungsbeauftragte des Ostseebades. „Du hast unsere Stadt maßgeblich geprägt. Dafür danken wir dir von Herzen“, so Karl in seiner Lobesrede an die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Bugar hat sich aus der Politik zurückgezogen, Mehl will solange Gleichstellungsbeauftragte bleiben wie Karl Bürgermeister ist.

Zu den Gästen des Empfanges zählten auch Kühlungsborns Tourismus-Chef Ulrich Langer , die Geschäftsführerin des Verbandes Mecklenburgischer Ostseebäder, Anett Bierholz , und Molli-Chef Michael Mißlitz . Sie nutzen den Empfang, um über gemeinsame Strategien für noch mehr Gäste in der Bäderbahn zu beraten. Kunsthallen-Chef Franz N. Kröger tauschten sich unterdessen mit Wehrführer Andreas Wegener über die große Weltpolitik aus — über die aktuellen Geschehnisse in Paris: „Im Vergleich dazu haben wir hier gar keine Probleme. Leider trifft so etwas immer zuerst die Kunst“, so Kröger. Romantische Petitesse am Rande: Für Uwe Ziesig war es die erste Rede als Bürgervorsteher bei einem Neujahrsempfang. Und die nutzte er, um seiner Frau Katrin Ziesig-Wendt öffentlich seine Liebe zu gestehen. „Danke für alles. Es ist so schön, dass es dich gibt.“

Der Ehrenamtspreis
32 Bürger hat Kühlungsborn mit der Ehrenurkunde „Für herausragende ehrenamtliche Tätigkeit“ ausgezeichnet. Zu den bekanntesten Preisträgern zählen Ex-Molli-Chef Angelika Münchow und die Chefin des Weißen Ringes in der Region, Rosemarie Berg.
2000 wurde der Preis erstmals verliehen. Dass Roswitha Mehl und Hermann Bugar erst jetzt ausgezeichnet werden, hat einen Grund:
aktive Stadtvertreter kommen für die Urkunde nicht in Frage.

 



Andreas Meyer

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