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Politik Pachtvertrag für Rennbahn: Ausschuss kritisiert Verein
Mecklenburg Bad Doberan Politik Pachtvertrag für Rennbahn: Ausschuss kritisiert Verein
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00:05 11.05.2017

Die Mitglieder des Doberaner Finanzausschusses haben Änderungen des Pachtvertrages für die Rennbahn zwischen Stadt und Rennverein stark kritisiert. Sie forderten mehr Transparenz über Einnahmen und Ausgaben des Vereins. Im Bauausschuss wurde der Antrag auf Änderung des Vertrages am Dienstagabend daher gar nicht mehr diskutiert. Wie Norbert Sass, stellvertretender Bürgermeister, ankündigte, treffen sich Stadt und Rennverein heute für weitere Verhandlungen.

Der Rennverein möchte die Dauer des Vertrages von fünf auf zehn Jahre verlängern, die Pacht von 2700 auf 3200 Euro erhöhen, den Passus rausstreichen lassen, dass die Stadt das Gelände für vier im öffentlichen Interesse stehende Veranstaltungen ohne Nutzungsentgelt an Veranstalter geben kann sowie von der Grundsteuer und der Gebühr für den Wasser- und Bodenverband befreit werden. Letzteres begründet er mit der Gemeinnützigkeit. „Das wird vom Finanzamt geprüft“, sagte Bürgermeister Thorsten Semrau (parteilos). Auf die Stadt würden dann Mehrkosten in Höhe von knapp 3500 Euro zukommen.

Zudem würde die Schwanenrallye das Gelände nicht mehr kostenfrei nutzen können und stände vor dem Aus (die OZ berichtete).

„Ich war stocksauer und bin nicht bereit, dem zuzustimmen“, sagte Caroline Brandt (CDU) zum geänderten Pachtvertrag. „Ein Verein, der die Rennbahn das ganze Jahr für seinen Profit nutzen kann, kommt mit so einem Antrag?“ Ihrer Ansicht nach solle die Stadt die Rennbahn wieder übernehmen und dem Verein einen Pachtvertrag für die Renntage geben. Auch Gebhard Zeug (SPD) wollte wissen, was der Verein getan hat, um Einnahmen auf der Rennbahn zu generieren: „Was wurde gemacht, um Leben auf die Rennbahn zu bekommen?“

„Unser Bestreben ist es, mehr Veranstaltungen auf das Gelände zu bekommen“, sagte Harald Morgenstern, stellvertretender Vorsitzender des Rennvereins. Aber die Infrastruktur auf dem Gelände sei von 1993. Für Veranstaltungen müssten Toilettenanlagen auf das Areal gebracht, Zelte aufgestellt werden. Nicht für jeden Veranstalter sei das attraktiv. An den vier Events, die die Stadt an Veranstalter geben kann, wenn sie im öffentlichen Interesse stehen, verdiene der Rennverein nichts. „Aber wir sollen Pacht bezahlen und das Gelände herrichten“, sagte Morgenstern. Er möchte gern eine Gebührentabelle schreiben, an der sich dann alle orientieren könnten.

Pikant: Der Rennverein schuldet der Stadt noch Geld – unter anderem Gebühren für den Wasser- und Bodenverband. Wie Kämmerin Marion Mai im Finanzausschuss mitteilte, sei mit dem Verein eine Stundung vereinbart worden. Die offenen 5755,41 Euro würden bis zum 31. August 2017 in Raten abbezahlt.

Diese Angaben fehlten einigen Ausschussmitgliedern. „Das sind aber wesentliche Informationen“, sagte etwa Angelika Rosenfeld: „Was spricht für die Änderung des Pachtvertrages, was spricht dagegen?“

Birgit Mersjann (SPD) stimmte dem zu. „Ich möchte einen abgestimmten Vertragsentwurf mit Pro- und Kontra-Statements und die Meinung der Verwaltung schriftlich vorliegen haben – inklusive aller Zahlen, Einnahmen und Ausgaben“, fordert die Ausschussvorsitzende.

Anja Levien

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