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Perlenkette: Jetzt stürzen die Dächer ein

Heiligendamm Perlenkette: Jetzt stürzen die Dächer ein

Um die Villen ist erneut ein heftiger Streit entbrannt — vor allem zwischen Stadt und Landkreis. Eigentümer Anno August Jagdfeld beginnt mit einer Notreparatur am Haus „Möwe“.

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Über der „Perlenkette“ dreht sich ein Baukran — weil die Villa „Möwe“ schnellst möglich repariert werden muss.

Quelle: Fotos: Jens Wagner

Heiligendamm. Der Zustand der Villen in der so genannten „Perlenkette“ in Heiligendamm verschlechtert sich mehr und mehr. Und auch der große gelbe Kran, der sich seit wenigen Tagen direkt über der Promenade dreht, verheißt nichts Gutes: Denn das schwere Gerät wird nicht für die lang ersehnte Sanierung benötigt — sondern für eine Notreparatur. Längst bröckeln an den Villen nämlich nicht nur Putz. Teile des Daches der Villa „Möwe“ sind eingestürzt. Rathaus und Stadtpolitik fordern vom Landkreis, dass er Eigentümer Anno August Jagdfeld endlich zur Sanierung zwingt. Doch das Landratsamt sieht dafür keinen Grund.

Selbst das eingestürzte Dach der „Möwe“ ist aus Sicht der Behörde kein Anlass zum Einschreiten. Denn ausgerechnet dieser Bau steht nicht unter Denkmalschutz. Und alle anderen historischen Gebäude der „Perlenkette“ — jene, die geschützt sind — seien nicht gefährdet, sagt Landkreis-Sprecher Kay-Uwe Neumann. „Das sieht sicher nicht hübsch aus, aber aus rechtlicher Sicht besteht kein Handlungsbedarf“, so der Referent von Landrat Sebastian Constien (SPD). Dass Jagdfeld nun das Dach der „Möwe“ reparieren lässt, sei allein die Entscheidung des Investors gewesen: „Wir wissen davon, haben es aber nicht angeordnet“, heißt es aus der Denkmalschutz-Behörde.

Jagdfelds Sprecher Christian Plöger bestätigt die Darstellung — und auch, dass das Dach eingestürzt ist. „Wir haben bereits im Herbst mit aufwändigen und kostspieligen Sanierungsarbeiten begonnen, die den Bestand der Gebäude sichern“, sagte er. Aus der Villa „Möwe“ soll zunächst der Schutt geräumt werden. „Dann werden wir ein neues Dach bauen, damit das Haus wieder wetterfest ist.“ Das soll es dann aber vorerst auch gewesen sein. Wann die Sanierung startet, lässt Jagdfeld weiter offen. Der Landkreis jedenfalls will den Investor nicht dazu zwingen: „Unsere Fachleute stehen ständig im Kontakt mit dem Eigentümer. Die geschützten Gebäude sind ausreichend gesichert. Sie sind nicht in akuter Gefahr und deshalb müssen wir nicht einschreiten“, erklärt Kreis-Sprecher Neumann. Und außerdem: Es gäbe im Landkreis etliche Denkmale, um die es deutlich schlechter bestellt sei.

Die Verantwortlichen in der Münsterstadt sehen das anders — und gehen auf Konfrontationskurs zum Landkreis. Allen voran Bürgermeister Thorsten Semrau. „Ich habe keinerlei Verständnis für die Entscheidung des Landrats“, sagt er. Statt die Augen vor dem fortschreitenden Verfall zu verschließen, solle das Landratsamt lieber mit der Stadt nach Wegen suchen, um die „Perlenkette“ zu retten.„Der Verfall darf nicht weitergehen. Sonst stürzt uns bald das nächste Gebäude ein“, so Semrau. Viele Touristen würden sich seit Jahren fragen, warum Heiligendamm weiter verfällt. „Überall im Seebad geht es voran — nur nicht an der ,Perlenkette‘. Wir haben genug von Ausreden.“

Auch der Tourismus-Ausschuss fordert vom Eigentümer ein zügiges Handeln: „Die Mitglieder des Ausschusses möchten kein zweites ,Moorbad‘ mit allen negativen Folgen erleben. Dies muss mit allen Mitteln verhindert werden“, schreiben Ausschusschef Jochen Arenz (parteilos), Monika Schneider (Linke), Gebhard Zeug (SPD) sowie Tillmann Hahn und Volker Starck (beide Tourismusbund) in einem offenen Brief an Jagdfeld und Constien. „Ein weiterer Einsturz einer Villa würde für Heiligendamm und die benachbarten Ostseebäder einen erneuten Image-Schaden bedeuten.“

Dass vor allem der Rathaus-Chef so offen Jagdfeld attackiert, bringt ihm aber den Zorn der „Gegenseite“ ein: „Wir sind das Schwarze-Peter-Spiel des Bürgermeisters leid, stets mit dem Finger auf uns zu zeigen, aber nichts konstruktiv zu einer Lösung der Probleme in Heiligendamm beizutragen“, schreibt Jagdfeld-Sprecher Plöger. „Es stellt sich mehr und mehr die Frage, ob Semrau die von ihm angestrebte Mediation tatsächlich will. Noch immer warten wir auf die Bestätigung eines Terminvorschlags für den Beginn der Mediation, über die der Bürgermeister seit nunmehr fast einem Dreivierteljahr lediglich vollmundig spricht.“

Gefährliches Zeitspiel
Jagdfeld sagt, das Vertrauen der Investoren in Heiligendamm sei zerstört. Und solange weiter über Stichweg und Co. diskutiert werde, könne er die Villen nicht sanieren und erst recht nicht verkaufen. Doch der Neubau eines Apartmentshauses an der Seedeichstraße sowie die geplanten Investitionen des Grand Hotels zeigen, dass es mit dem zerstörten Vertrauen in den Standort nicht allzu zu schlimm sein kann. Rund um die „Perlenkette“ tut sich derzeit eine Menge. Der Ort wird immer attraktiver. Das dürfte auch Jagdfeld nicht entgangenen sein. Schließlich steigern all die Projekte auch den Wert seiner Immobilien. Trotzdem scheint er derzeit der einzige zu sein, der kein Vertrauen in Heiligendamm hat. Er spielt auf Zeit. Aber das ist gefährlich. Denn die Villen verfallen weiter.

 



Andreas Meyer

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