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Strandzentrum: Teurer und ohne Seeblick

Heiligendamm Strandzentrum: Teurer und ohne Seeblick

Weil die Stadtvertretung auf einem zehn Jahre alten B-Plan beharrt, gibt es nun eine „Strandversorgung 2. Klasse“.

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Heiligendamm. Das Strandzentrum neben dem neuen Parkplatz in Heiligendamm könnte ab Frühjahr 2014 nun doch gebaut werden — drei Jahre nach dem geplanten Baubeginn. „Allerdings wird es ein ,Strandzentrum 2. Klasse‘“, sagt Investor Klaus König (48) aus Templin. „Restaurants und Terrasse mit Blick auf die Ostsee wird es nicht geben.“ Statt dessen bekämen Restaurantbesucher nach dem Willen von Doberans Stadtvertretern „Gastronomie mit Dünenblick“.

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Ungeheuerlich. Da kommt ein Investor, der nicht nur verspricht, und wir legen Steine in den Weg.“Stadtvertreter Harry Klink, FDP-Fraktion

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Die abgespeckte Variante wird König zufolge aber viel teurer, als das von ihm favorisierte Drei-Millionen-Euro-Projekt mit 120 Restaurantplätzen, öffentlichen Toiletten und Geschäften. Grund: Weil er nicht — wie erhofft — 1,5 Meter höher bauen darf, als im fast zehn Jahre alten Bebauungsplan Nummer 25 vorgesehen, müssen nun Teile des Gebäudes in der Erde verschwinden. „Das bedeutet Spundwände, Bodenwanne, Kellergeschoss mit wasserdichtem Fundament, Grundwasserhaltung und nochmals teurerer Hochwasserschutz“, sagt König. Ersten Schätzungen zufolge ein Mehraufwand von 600 000 Euro.

Kurios: Für die Mehrausgaben soll sogar Steuergeld fließen. Die Landesregierung habe für den unterirdischen Teil des Bauwerkes Fördermittel in Aussicht gestellt. König hätte lieber gesehen, wenn das Land mit dem Geld Investitionen im Umfeld des Strandzentrums ermöglicht hätte. König: „Etwa die kleine Seebrücke, die ja auch schon im B-Plan eingezeichnet war.“

Grund für die Änderung seines Vorhabens ist die laut König „starre Haltung“ der Doberaner Stadtvertretung. Sie könnte den B-Plan 25 mit einem Federstrich ändern. Lediglich die bislang zulässige Gebäudehöhe müsste mit 10,5 Metern neu festgelegt werden — alle anderen Vorgaben für das Zentrum stehen seit 2004 im Plan fürs „Baugebiet IV“ (siehe Grafik).

„Nur auf Grund dieses Planes habe ich das Grundstück gekauft“, argumentiert König. „Darin hat die Stadt eindeutig bekundet, dass sie dort eine Versorgungseinrichtung haben will.“ Es gebe also ein öffentliches Interesse, ist der Bauherr überzeugt. Das sei ihm vor dem Grundstückskauf vom Bürgermeister und dem Bauamtsleiter auch immer wieder versichert worden.

Seine Planungen scheiterten trotzdem vor den Stadtvertretern wegen der Bauhöhe, die anfangs allerdings mehr den Personalwohnungen im Dachgeschoss als dem Seeblick künftiger Restaurantbesucher geschuldet war. König änderte seine Wohnungspläne zugunsten des Seeblicks von der Terrasse. Bei der Ablehnung ist es geblieben.

Doberans FDP-Fraktionschef Harry Klink bringt diese „Sturheit“, wie er sagt, auf die Palme. „Im Interesse der Entwicklungsgesellschaft Heiligendamm ist der Plan mehrfach geändert worden. Nach vorn gebracht hat uns das nicht“, wettert Klink. „Da kommt endlich ein Investor, der nicht nur verspricht, sondern handeln will, und wir lassen das nicht zu.“

Tatsächlich wurde der B-Plan 25 erst 2006 in Kraft gesetzt, nachdem der Denkmalstatus von drei Villen der Perlenkette gefallen war. Neu in den Plan aufgenommen wurde in diesem Zuge aber auch gleich ein neuer Ballsaal auf der Rückseite eines Hotelgebäudes, für den mal eben 1100 Quadratmeter Wald geopfert werden sollten. Weitere Änderungen auf Wunsch der ECH folgten: Sperrung der Promenade, Zulassung einer Tiefgarage, Veränderung der Sturmflutwand, dauerhaftes Wohnrecht in den Villen, privater Hotelpark statt öffentlicher Küstenwald . . . die Liste ist lang.

Dieses eher vielfältige Änderungsgebaren scheinen Doberans Stadtvertreter vergessen zu haben: „Wir werden ja unglaubwürdig, wenn wir den Plan immer wieder ändern“, sagt Stadtvertreterin Gerlinde Heimann (Die Linke). Stadtvertreter Jochen Arenz (parteilos) sagt: „Herr König hat das Grundstück in Kenntnis des Bebauungsplanes gekauft.“ Jetzt eine Änderung zu verlangen, stehe ihm nicht zu. Und auch Birgit Mersjann (SPD) meint: „Herr König darf ja bauen. Nur seinetwegen ein teures Planänderungsverfahren anzuschieben, das sehe ich nicht ein.“

 

Klaus Walter

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