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Bad Doberan Propaganda auf Nummerschild? Neuer Nachbar sorgt für Wirbel
Mecklenburg Bad Doberan Propaganda auf Nummerschild? Neuer Nachbar sorgt für Wirbel
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00:00 23.04.2013
Viele Nienhäger rätseln: Was soll „AH 204“ auf einem amtlichen Auto-Kennzeichen bedeuten? Quelle: Andreas Meyer
Nienhagen

Nein, er hat sich in seiner neuen Heimat noch nichts zu Schulden kommen lassen. Und dennoch sorgt der Nachbar, der erst seit wenigen Wochen in Nienhagen lebt, für Wirbel im Ostseebad. Vor allem das Kennzeichen des Neubürgers gibt Anlass für Spekulationen: „AH 204“ ist darauf als Kürzel zu lesen. AH — diese Abkürzung steht in der rechtsextremen Szene üblicherweise für Adolf Hitler. Der 20. 4. — also der 20. April — ist Hitlers Geburtstag. „Nicht nur das Kennzeichen lässt auf die Gesinnung dieses Mannes schließen. Ich bin mir sicher, dass er politisch eher rechts einzuordnen ist. Wir fürchten, dass er hier eine braune Zelle aufbaut“, sagt Nienhagens Bürgermeister Uwe Kahl (CDU). Auch der Staatsschutz im Polizeipräsidium Rostock beschäftigt sich mit dem Mann.

Was Kahl und vielen Bürgern, die in der Zeitung nicht genannt werden wollen, Sorgen macht, sind kleine Indizien: An dem Pferdeanhänger von Thomas S. prangt ein Wappenschild — in den Farben der Reichskriegsflagge. An den Scheiben seines Wagen ist ein Stahlhelm — durchkreuzt von Eichenlaub und Schwert — zu sehen. „Alle diese Symbole sind doch kein Zufall“, so der Bürgermeister. Der Neubürger hat vor wenigen Wochen zwei Gebäude mitten im Ort gekauft. Eine Klingel an seinem Haus gibt es noch nicht. Auch kein Türschild. Auf dem Grundstück steht nur ein Schild mit dem Hinweis auf Hunde: „Wir könnten überall lauern“.

Bürgermeister Kahl hat kein Verständnis dafür, dass der Landkreis ausgerechnet das Kennzeichen „AH 204“ zugeteilt hat. Das Amt beruft sich auf die gültigen Landesgesetze. Nach denen sind lediglich die Buchstaben-Kombinationen HJ (Hitler Jugend), KZ, SS, SS und NS verboten. Mitte Januar gab das Verkehrsministerium jedoch auch eine Information heraus: Auch die Kürzel AH und HH seien kritisch zu sehen — in Verbindung mit den Zahlen „88“ oder „18“. Insofern habe die Behörde keinen Fehler gemacht, sagt Landkreis- Sprecherin Petra Zühlsdorf-Böhm. Und weiter: „Bei der Vergabe von Autokennzeichen werden alle Bürger auf der Grundlage des geltenden Rechts gleich behandelt.“ Verweigern kann die Zulassungsstelle bestimmte Kennzeichen nur, wenn Hinweise vorliegen, dass die Kürzel nicht allein der „Identifizierung des Fahrzeugs“ dienen, sondern missbräuchlich genutzt werden sollen. „Das setzt jedoch gesicherte Erkenntnisse über den Fahrzeugeigner voraus. Der äußere Eindruck kann dafür nicht die Grundlage sein.“

Zu ihren Erkenntnisse über S. schweigt auch die Polizei: Nach OZ-Informationen liegen aber Berichte über den Neu-Nienhäger bei den Beamten vor. Auf die Frage, ob S. überwacht werde, antwortet Isabel Wenzel, die Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock, nur mit: „Kein Kommentar!“ Auch auf die Befürchtungen des Bürgermeisters geht die Polizei öffentlich nicht ein: Ob die Beamten fürchten, dass sich Nienhagen zum Treffpunkt der rechten Szene entwickeln könnte? „Diese Frage ist rein hypothetisch und jede Antwort wäre Mutmaßung“, sagt Wenzel. Aus Polizeikreisen heißt es, der Mann sei nicht unbekannt. Vorstrafen wegen politisch motivierter Straftaten soll es aber keine geben.

Der neue Nachbar selbst will sich zu all dem nicht äußern. Auch nicht im Gespräch mit der OZ. Sein einziger Kommentar über den Gartenzaun hinweg: „Ich sage gar nichts.“ Auch nicht, ob das auffällig Kennzeichen reiner Zufall ist.

Das steht im Gesetz

§ 8 Fahrzeug-Zulassungsverordnung regelt in Mecklenburg-Vorpommern, welche Kennzeichen an Autofahrer vergeben werden dürfen — und welche nicht.

5 Buchstaben-Kombinationen sind im Land grundsätzlich verboten: HJ, NS, KZ, SA und SS. Die Kombinationen HH und AH sind laut neuester Mitteilung des Verkehrsministeriums kritisch zu sehen — vor allem in Verbindung mit den Zahlen „18“ und „88“.

Andreas Meyer

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